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Wertvolles Lager: Alexander Langheiter, Kunsthistoriker und Archivar beim Miesbacher Museumsverein, kümmert sich um die Exponate in den alten Räumen des geschlossenen Heimatmuseums über dem Feuerwehrhaus

Machbarkeitsstudie vorgestellt

Museum im Kloster: Sponsoren dringend gesucht

Miesbach - Die Machbarkeitsstudie hat die erhoffte Klarheit geliefert: Das Potenzial für ein Museum im ehemaligen Kloster in Miesbach ist vorhanden.

Was die Museumsfreunde seit Jahren predigen, steht nun auch von offizieller Seite her fest. Miesbach braucht wieder ein Museum. „Man kann ruhigen Gewissens sagen, dass ein großes Potenzial vorhanden ist“, sagte Henriette Holz vom Büro für Museumsberatung München, als sie im Stadtrat ihre Machbarkeitsstudie vorstellte. Doch schon zu Beginn ihres Vortrags ließ Holz durchblicken, dass an einer umfangreichen Sanierung des ehemaligen Klosters kein Weg vorbeiführt. „Da gibt es noch einige Fragen zu klären“, sagte sie.

Zuvor jedoch ging Holz auf die Ausgangslage ein – und die ist günstig. So besitze Miesbach zwischen 4000 und 5000 hochwertige Exponate, habe aber als einzige Kreisstadt im Münchner Umland kein eigenes Museum. Und das im Herzen eines der stärksten Tourismusmärkte Deutschlands. Ein Museum könne dafür sorgen, dass die Stadt mehr von diesem Kuchen abbekomme, erklärte Holz. Dafür brauche es aber nicht einfach nur ein normales Heimatmuseum, sondern eine „moderne und erlebnisorientierte kulturgeschichtliche Ausstellung“. Sieben mögliche Kapitel hatte die Expertin bereits ausgearbeitet, darunter Tracht, Fleckvieh und auch die Haberer. Die Stadt habe viele Spezialthemen zu bieten.

Weil diese nicht nur Miesbach, sondern das gesamte Oberland prägen würden, schlug Holz vor, die Schau als „Regionalmuseum“ zu vermarkten. Zudem sollten alle Bereiche durch moderne Medientechnik aufgewertet und auf ihre Bedeutung für das heutige Leben hin durchleuchtet werden. Mit einem Café könne man das Kloster ferner in einen gut frequentierten Treffpunkt verwandeln. „Ein Museum muss Spaß machen“, betonte Holz.

Doch es kostet auch jede Menge Geld. Eine seriöse Kostenprognose wollte die Expertin wegen der noch ausstehenden Aussagen des Denkmalschutzes zu den für Brandschutz und Barrierefreiheit notwendigen Umbauarbeiten im Kloster nicht abgeben. Eine frühere Schätzung habe aber eine Investitionssumme von 2,5 Millionen Euro ergeben. Hinzu kämen 700 000 Euro für die Ausstattung der gut 500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche sowie jährliche Sach- und Personalkosten von bis zu 142 000 Euro. „Eine professionelle Museumsleitung ist im Ehrenamt nicht möglich“, stellte Holz klar. Nicht zuletzt, weil regelmäßige Sonderausstellungen heute zum guten Ton gehörten. Von einer kleinen Lösung riet die Expertin ab. Dies sei nicht nur baulich kaum umzusetzen, sondern würde auch die an sich gute Chance auf Fördergelder verbauen.

Holz sparte nicht mit klaren und ungeschminkten Aussagen – und das kam im Stadtrat gut an. „Die Studie ist ehrlich und realistisch“, sagte etwa Kulturreferentin Inge Jooß (SPD). Das forderte Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) auch von Rathaus-Chefin Ingrid Pongratz (CSU), und zwar im Hinblick auf die Umsetzbarkeit eines Museums: „Wir dürfen nicht Erwartungen wecken, die wir hinterher enttäuschen müssen“, sagte Lechner. Pongratz nahm den Ball auf. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sich die Stadt ein solches Projekt in den kommenden fünf Jahre nicht leisten kann. „So bitter das auch für den Museumsverein ist.“ Ein Museum sei eine freiwillige Aufgabe, und ohne Sponsoren könne man die derzeit nicht erfüllen.

Genau danach gelte es nun zu suchen, forderte Markus Seemüller (FW). „Dafür braucht man aber Herzblut und Kreativität.“ Fakt sei, dass mit dem Kloster etwas passieren müsse. Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) sah das ähnlich: „Der Bau versifft uns sonst total.“ Fertl bezeichnete die Machbarkeits- daher als „Motivationsstudie“ für die kommenden Jahre. „Wir sollten den Willen, etwas zu tun, weiter fördern“, sagte Fertl.

Pongratz versprach, das Papier nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Die Stadt werde demnächst die Bausubstanz des Klosters prüfen lassen. In Sachen „Klinkenputzen“ bei möglichen Sponsoren nahm sie jedoch auch die Stadträte in die Pflicht. Jeder solle seine Beziehungen spielen lassen.

Auch der Museumsverein werde sich weiter aktiv einbringen, versichert Vorsitzender Carl Langheiter auf Nachfrage unserer Zeitung. Er freue sich, dass durch die Studie „ein Ruck durch die Fraktionen“ gegangen sei. „Die Studie gibt uns die Sicherheit, dass unsere Bemühungen nicht sinnlos sind.“

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