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Neue Preise für frisches Lesefutter: Ab 1. Januar 2017 greift in der Miesbacher Stadtbücherei eine neue Gebührenordnung. Hier scannt Mitarbeiterin Kornelia Reithmeier gerade die Karte einer jungen Leserin.

Wegen der schlechten Haushaltslage der Stadt

Neue Büchereigebühren: Lesen wird teurer in Miesbach

Miesbach - Der Miesbacher Stadtrat macht ernst mit Sparen. Nach einer intensiven Debatte hat das Gremium neue Gebühren für die Stadtbücherei beschlossen. Vor allem für Erwachsene wird das Lesen teurer.

Wer knapp bei Kasse ist, tut gut daran, jeden Stein nach zusätzlichen Euros umzudrehen. Leicht ist das nicht – und angenehm erst recht nicht. Vor allem, wenn es sich um eine Kreisstadt in finanzieller Schieflage handelt. Entsprechend emotional diskutierten die Miesbacher Stadträte nun die vom Finanzausschuss vorgeschlagene Erhöhung der Lesegebühren in der Stadtbücherei. Letztlich ging es weniger um die Mehreinnahmen, sondern vielmehr um eine grundsätzlichere Frage: Darf Bildung etwas kosten?

Als Grundlage hatte Büchereileiterin Tanja Bott eine aus ihrer Sicht gerade noch verträgliche Erhöhung der Jahresbeiträge errechnet. So sollten Erwachsene statt zwölf Euro ab 2017 14 Euro und Familien statt 14 Euro künftig 16 Euro für das Ausleihen von Büchern und anderen Medien bezahlen. Der Preis der Ehrenamtskarte sollte sich von sechs auf sieben Euro erhöhen, und auch bisher von den Gebühren befreite Asylbewerber sollten künftig drei Euro pro Jahr für die Nutzung der Bibliothek abdrücken. Bott machte keinen Hehl daraus, dass ihr eine erneute Gebührenerhöhung nach 2013 deutlich zu früh komme. „Wir liegen im Vergleich zu anderen Büchereien ohnehin schon eher im oberen Bereich“, sagte sie.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) zeigte sich ebenfalls skeptisch angesichts der Mehreinnahmen von nur 2150 Euro pro Jahr: „Das wird unseren Haushalt auch nicht retten“, sagte sie. Vor den negativen Folgen einer Gebührenerhöhung warnte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD). „Das Lesen geht bei jungen Leuten immer weiter zurück.“ Sollte die Bücherei noch teurer werden, könne sie ihre Aufgabe, die „Kulturtechnik des Lesens“ zu vermitteln, nicht mehr richtig erfüllen. „Leute, das sind doch keine Beträge“, mahnte Fertl, „bitte lasst es bleiben“.

Genau in die entgegengesetzte Richtung argumentierte Markus Seemüller (FWG). „Bildung darf etwas kosten“, sagte er. „Das garantiert ihre Hochwertigkeit.“ Deshalb packte Seemüller auf Botts Vorschlag noch etwas oben drauf. In seinen Augen sollten Erwachsene künftig 15 Euro, Familien sogar 18 Euro pro Jahr für die Büchereinutzung bezahlen. Unterstützung erhielt er von Michael Lechner (FWG). Die Stadt habe 360 000 Euro in die Hand genommen, um die Bücherei auf den neuesten Stand zu bringen. „Dafür dürfen wir auch etwas verlangen“, sagte er. Bei einem jährlichen Defizit von 200 000 Euro könne sich die Stadt durchaus trauen, zumindest zehn Prozent über die Gebühren wieder zu erwirtschaften. Alles andere, so Lechner, sei eine „übertriebene soziale Einstellung“.

Das wollte Inge Jooß (SPD) so nicht stehen lassen. „Bildung ist kein Produkt, das sich verkaufen lässt wie ein Schnitzel“, sagte sie. In Skandinavien seien Büchereien grundsätzlich kostenlos nutzbar – und nicht zuletzt deshalb die schulischen Leistungen besser als hierzulande. Im Hinblick auf die Gebührendiskussion bat Jooß ihre Ratskollegen um Nachsicht: „Tun wir da bitte nicht rum.“

Einen Vorschlag zur Güte machte Jugendreferent Christian Mittermaier (CSU). Er empfahl, den Beitrag für Jugendliche, Studenten und Sozialhilfeempfänger künftig wegfallen zu lassen und dafür die Gebühren für Erwachsene wie von Seemüller gefordert anzuheben. Franz Mayer (CSU) gab seinem Fraktionskollegen Recht: „Wir wollen ja die jungen Leute in die Bücherei hereinholen“, sagte er.

Eine Idee, die am Ende einer heiß geführten Debatte auch eine Mehrheit im Stadtrat fand. Mit 16 zu sieben Stimmen brachte das Gremium die Gebührenerhöhung auf den Weg.

Die Jahresbeiträge ab 2017 im Überblick

Auf folgende Jahresgebühren müssen sich die Nutzer der Miesbacher Stadtbücherei ab 1. Januar 2017 einstellen: Erwachsene: 15 Euro (bisher zwölf Euro); Familien: 18 Euro (bisher 14 Euro); Ermäßigt (Jugendliche, Studenten, Sozialhilfeempfänger, Behinderte): kostenlos (bisher drei Euro); Einzelzahler: zwei Euro (bisher 1,50 Euro); Ehrenamtskarte: sieben Euro (bisher sechs Euro). Asylbewerber können wie gehabt kostenlos Bücher ausleihen. Generell gebührenfrei wird ab 2017 die Internetnutzung (bisher 1,80 Euro pro Stunde). Neu ist ferner die Einziehung des Jahresbeitrags per Einzugsermächtigung vom Konto der Nutzer. An den Mahngebühren bei zu später Rückgabe der Medien ändert sich nichts.

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