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Früher mal eine Müllhalde: Im Hangbereich dieses Grundstücks an der Stöger-Ostin-Straße in Miesbach wurde in den 1940er-Jahren Abfall gelagert.

Bauprojekt an der Stöger-Ostin-Straße

Reihenhäuser auf alter Müllhalde geplant

Miesbach - Zwölf Reihenhäuser plant ein Bauherr auf seinem Grundstück an der Stöger-Ostin-Straße in Miesbach. Das Problem: An dem Hang wurde in den 1940er-Jahren Müll gelagert.

Miesbach – Nur die ältesten Miesbacher dürften wissen, dass der unscheinbare Hang an der Stöger-Ostin-Straße früher eine Müllhalde war. Kein Wunder, ist doch seit knapp 70 Jahren jede Menge Gras darüber gewachsen. Bald jedoch könnte der Abfall unsanft aus seinem Dämmerschlaf gerissen werden. Der Eigentümer des 4000 Quadratmeter großen Grundstücks zwischen Stöger-Ostin- und Birkenstraße plant dort, zwölf Reihenhäuser mit 24 Stellplätzen zu errichten. Über den Antrag auf Vorbescheid hatte nun der Miesbacher Bauausschuss zu entscheiden.

Drei Blöcke mit Außenmaßen von jeweils 20 mal elf Meter und einer Wandhöhe von 6,40 Meter sollen auf der momentan von Bäumen und Sträuchern bewachsenen Fläche entstehen. Die Dächer sollen laut Bauamtsleiter Lutz Breitwieser Firste in Ost-West-Richtung und jeweils einen mittigen Quergiebel aufweisen. Im Erdgeschoss sind mehrere Erker geplant. Die Stellplätze könnten auf dem Grundstück nachgewiesen werden und sollen teils in Garagen verschwinden. „Die Zufahrt wird über die Birkenstraße erfolgen“, erklärte Breitwieser.

Im Sinne der innerstädtischen Verdichtung sei die Bebauung aber akzeptabel, fand Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD). „Das wäre eine der wenigen Möglichkeiten, wo sich junge Familien ein Haus kaufen könnten“, sagte er. Markus Baumgartners (CSU) Sorge, dass der vorderste der drei Blöcke zu weit aus der Hangkante herausragen und damit den Miesbacher Talkessel optisch beeinträchtigen könnte, wies Architekt Joachim Staudinger als unbegründet zurück: „Das Gelände nimmt durch die Abgrabungen eher wieder seine ursprüngliche Form an.“ So sei der Hang durch den abgeladenen Müll künstlich aufgeschüttet worden.

Wer dafür verantwortlich ist, wollte auch das Landratsamt herausfinden. So hat der Fachbereich Wasser, Abfall und Bodenschutz bereits Nachforschungen betrieben. Bislang allerdings ohne Erfolg, was laut Pressesprecher Birger Nemitz nach so vielen Jahren nicht anders zu erwarten war. Bekannt sei lediglich, dass der Miesbacher Zuchtverband an dem Hang Kies abgebaut habe. Durch kleinere Ablagerungen von Hausmüll und Bauschutt in den 1940er-Jahren sei dann die Hangnase aufgefüllt worden. „Das war früher eine gängige Vorgehensweise“, sagt Nemitz.

Gefahren würden von den Altlasten jedoch nicht ausgehen. Die Ablagerungen seien in einer Tiefe von acht bis neun Metern, das Grundwasser dagegen in 15 bis 20 Metern Tiefe zu finden. Das Trinkwasser sei damit nicht gefährdet, und damit die Behörde auch nicht zu einem Bodenaustausch verpflichtet. Sollten beim Bau der Reihenhäuser jedoch Baggerarbeiten in einer Tiefe von mehr als neun Metern vorgenommen werden, müsse der Aushub der betroffenen Schichten entsorgt werden. Laut Staudinger plant der Bauherr zudem, auch die oberen 60 Zentimeter Boden auszutauschen.

Die Stadt hält sich dabei heraus. Dafür wird sie mit dem Eigentümer über einen neuen Gehweg verhandeln. Das jedenfalls regte Franz Mayer (CSU) an. „Das wäre doch die große Chance, um einen Gehweg für die Schulkinder zu sichern“, sagte er. Beifall gab’s von Fertl (SPD) und Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU): „Einmal gesichert ist immer gesichert“, sagte sie. Einen zwei Meter breiten Streifen seines Grundstücks müsste der Eigentümer dafür abtreten. Angesichts des durch die neuen Wohnhäuser zunehmenden Verkehrs in unmittelbare Nähe zur Realschule eine durchaus angemessene Forderung, fand die Bürgermeisterin. Architekt Staudinger sah das anders. „Das ist tödlich für so ein Projekt“, mahnte er. Und rechtlich schwierig obendrein.

Die Ausschussmitglieder ließen sich davon nicht beirren. „Ich sehe das bei so einer Bebauung als Pflicht an. Schließlich ziehen da bestimmt auch Familien ein“, sagte Mayer. Um die Bürgermeisterin zu entsprechenden Verhandlungen zu ermächtigen, entschloss sich das Gremium zu einem strategischen Kniff. Einstimmig lehnten die Mitglieder den Antrag auf Vorbescheid ab, stellten aber eine positive Antwort in Aussicht – sollte der Eigentümer einem Gehweg zustimmen.

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