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Bis die Schalkdame so aussieht, dauert es eine Weile. Angelika Erler (l.) zeigt an Sonja Dirscherl, was die Frauen beim ANziehen beachten sollten.

So wird's gemacht

Der Schalk: Hilfe beim Anziehen

Miesbach - An Christi Himmelfahrt ist es wieder so weit: Auch die Schalkfrauen rücken zur traditionellen Trachtenwallfahrt des Oberlandler Gauverbands aus. Doch das Anziehen des Schalks will geübt sein. 

Vor einigen Jahrzehnten waren die Schalkgewänder noch bunt. Heute sind sie traditionell schwarz mit ein wenig Hellblau. „Früher haben sie eben das genommen, was gerade an Stoff da war“, erzählt Schneiderin Angelika Erler. Sie kennt sich aus. In ihrem Trachtenladen in Miesbach hat sie schon viele Schalks genäht. Seit etwa zwölf Jahren hat sie selbst auch wieder einen bunten Schalk im Schrank hängen – die Farben sind wieder im Kommen.

Der Schalk war ursprünglich das Hochzeitskleid der Bäuerin. Tragen dürfen ihn auch heute nur die Frauen, die bereits verheiratet sind. Vorher tragen sie ein Miedergewand. Den Schalk bekommen Frauen oft von der älteren Generation vererbt – zum Glück. Mit rund 3000 Euro muss man für das Gewand auf jeden Fall rechnen. „Es kommt natürlich auf das Material an, darauf, welche Seide man nimmt“, erklärt Erler. Wenn sich jemand einen neuen Schalk schneidern lasse, seien das oft Bräute. Das bedeutet für Erler etwa 100 Stunden Arbeit.

Der Schneiderin ist es wichtig, dass die Frauen ordentlich gekleidet sind. In der Miesbacher Trachtenhütte erklärt sie für interessierte Frauen und deren Helfer, was man beim Anziehen beachten muss. Denn das ist gar nicht so einfach. „Am wichtigsten ist das eigentlich für die, die helfen“, sagt Erler. Denn die müssen wissen, wo sie hinfassen sollen. Und ohne Hilfe geht es nur selten. Sonja Dirscherl ist die Vorzeige-Schalkfrau. Sie hat jahrelange Übung und braucht beim Anziehen keine Hilfe. Sie hängt die verschiedenen Teile bereits vorher zusammen. Ein Kochlöffel dient dann schon mal zur Hilfe, um am Rücken den Stoff an die richtige Stelle zu rücken.

An Christi Himmelfahrt, 5. Mai, haben die Schalkfrauen wieder eine Gelegenheit, um sich herauszuputzen. Aus ganz Oberbayern kommen Trachtengruppen zu einer gemeinsamen Wallfahrt nach Birkenstein zusammen. Dort steht am Fuße des Breitensein eine der bekanntesten Wallfahrtskirchen in der Region.

Der Schalk: So wird er angezogen

Vorbereitung: Am besten ist es, schon vor dem Anziehen die Frisur fertig zu haben. Auch Strumpfhose und Schuhe sollten vor dem eigentlichen Anzieh-Prozess bereits sitzen. Nadeln und Kleidungsstücke am besten in der richtigen Reihenfolge bereitlegen – dann kann es losgehen.

Schritt 1: Zuerst wird das Untergewand angezogen. Einfacher ist es, wenn Unterrock und Leib zusammenhängend sind.

Schritt 2: Über den Unterrock folgt der in der Regel schwarze Rock des Schalks. Hierbei ist zu beachten, dass der hintere Knopf genau in der Mitte sitzt, sonst gibt es später Probleme.

Schritt 3: Nun ist die Schürze an der Reihe. Die wird erst einmal locker gebunden und möglichst so, dass die Knöpfe des schwarzen Rocks in einem späteren Schritt gut gefunden werden.

Schritt 4: Der Kompliziertheitsgrad steigert sich. Der eigentliche Schalk wird übergezogen und „eingehakelt“, wie Erler es nennt. Das heißt im Klartext: Der Schalk muss an den bereits angesprochenen Knöpfen des Rocks befestigt werden. Wenn es ein neueres Gewand ist, kann der Schalk auf Brusthöhe an einer Seite an einem Lochgummi des Schmiesels befestigt werden. Die andere Seite – oder falls kein Lochgummi vorhanden, beide Seiten – mit einer Sicherheitsnadel an das Schmiesel helfen.

Schritt 5: Jetzt geht es daran, den Schalk zuzumachen. Die Schalknadeln halten das Oberteil vorn zusammen, im Normalfall werden fünf oder sechs in die dafür vorgesehenen Ösen gesteckt. Hier ist Vorsicht geboten: Die Schalkträgerin nicht mit der Nadel verletzen!In das Garnier des Schalks steckt Erler keine Schalknadel, sondern eine schlichte schwarze sogenannte Schwesternnadel. „Mir persönlich gefällt das so besser“, sagt sie. Geschmackssache also.

Nadeln, Nadeln und nochmal Nadeln - bald ist es geschafft

Schritt 6: Zwei weitere Schalknadeln werden oben seitlich durch den Schalk, den Schmieselstreifen und den Leib gesteckt.

Schritt 7: Weitere Nadeln am Rücken werden durch das Schmieseltuch gesteckt. „Eigentlich haben die keinen Nutzen“, gibt Erler zu. Sie dienen aber dazu, dass alles seine Ordnung behält und man das Tuch nicht über dem Schmieselstreifen sieht.

Schritt 8: Es wird wieder einfacher. Nun kann die Schleife der Schürze ordentlich und fest gebunden werden – rechts natürlich, denn eine Schalkträgerin ist immer verheiratet.

Schritt 9: Der Schmuck ist an der Reihe. Eine dünne Kette, die sogenannte Uhrkette, wird in das Garnier des Schalks gelegt und hinten um die Nadeln gelegt. Den Namen hat die Kette deshalb, weil früher tatsächlich eine kleine Uhr daran hing. „Schließlich trägt man beim Schalk keine Armbanduhr“, erklärt Erler.

Schritt 10: Der Hut wird der Schalkfrau aufs Haupt gesetzt. Nur die Frisur sollte dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Schritt 11: Die Halskette umlegen. Gleich ist es geschafft!

Schritt 12: Im letzten Schritt geht es ums Ausschmücken. Blumen und Grünzeug werden vorn in den Schalk gesteckt. Erler beginnt damit in der Mitte. Außerdem hat sie einen Tipp: „Alufolie unten um die abgeschnittenen Stiele.“ Denn dann bleiben die Blumen länger frisch. Sie findet es auch schöner, wenn die Blüten noch geschlossener sind. Drum herum wird das Grünzeug befestigt.

Welche Blumen verwendet werden, ist Geschmackssache. Oft nehmen die Damen kleine Rosen. Grün vom Almenrausch oder Asparagus sind beliebt, bei Bräuten oft auch Schleierkraut. „Ich nehme selbst gern auch nur mal die Blätter der Rose“, sagt Erler. Zu überladen findet sie nicht gut. Sind Blumen und Grün befestigt – bei geübten Schalkfrauen dauert alles zusammen etwa eine halbe Stunde – ist die Schalkdame zum Ausrücken bereit. Oder auch, um dem Partner das Ja-Wort zu geben.

Die Trachtenwallfahrt des Oberlandler Gauverbands am Donnerstag, 5. Mai, nach Birkenstein beginnt um 9 Uhr. Alle Gruppen treffen sich an Schulsportplatz in Fischbachau, um sich gemeinsam auf den rund 40-minütigen Gang zur Wallfahrtskirche zu begeben.

So wird ein Schalk angezogen

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