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Der Anzug täuscht: Kabarettist Max Uthoff hält nicht viel vom Kapitalismus.

Moderator von "Die Anstalt" begeistert in Miesbach

So scharfzüngig war Max Uthoff im Waitzinger Keller 

Miesbach - Fordernd, intellektuell und schnell: Kabarettist Max Uthoff holte im Waitzinger Keller zum satirischen Rundumschlag gegen den Kapitalismus aus.

Der Mann im korrekten Anzug steht stockgerade auf der Bühne. Macht höchstens ein, zwei souveräne Schritte nach links oder rechts – im räumlichen Sinn. Wo Max Uthoff politisch steht, dürfte klar sein. Zwölf Minuten von Linken-Politikerin Sahra Wagenknechts Rede seien informativer als ein Jahresabo der FAZ, findet der Kabarettist mit dem zweiten juristischen Staatsexamen in der Tasche. Apropos Presse: 61 Prozent der Journalistenschüler hätten Akademikereltern. Daraus folgert er, dass Journalisten kein Interesse daran hätten, bestehende soziale Verhältnisse zu ändern. Eine gewagte These.

Drastische Bilder wählt Claus von Wagners Kollege aus der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ in seinem Programm „Gegendarstellung“, das er im Waitzinger Keller in Miesbach präsentierte. Dabei schöpfte er das Mittel der satirischen Überhöhung kräftig aus.

Als Uthoff einmal gefragt wurde, ob er Atheist sei, hat er mit „ja“ geantwortet. Und musste sich daraufhin sagen lassen: Dass Gott nicht existiert sei genauso wenig nachweisbar wie dessen Existenz. „Unfug“, schleudert er in den Saal. „Agnostiker sind Atheisten ohne Eier“. Bam.

Der Abend mündet in einem Plädoyer gegen den Kapitalismus, der sämtliche Kriterien einer „handelsüblichen“ Religion erfülle. Staatsverschuldung sei der Teufel, der vom Kapital an die Wand gemalt werde. Dagegen helfe nur die engelsgleiche „schwäbische Hausfrau“. Würde die mehr Geld ausgeben, als sie hat? „Oh nein“, sagt Uthoff. Dabei hinke der Vergleich von schwäbischer Hausfrau und volkswirtschaftlichem Investment. Falsche Zahlen rechtfertigten „grausame Sparmaßnahmen“. Griechen müssten lernen, dass das Wort Solidarität „die Fähigkeit, sich deutschen Interessen unterzuordnen“, bedeute. Schäubles schwarze Null basiere auf dem Leid südlicher Länder.

Feindbild in der sozialen Marktwirtschaft seien Arbeitslose. „Wir sollen uns von Arbeitslosen abgrenzen und sie verachten“, sagt Uthoff. Wenn das gelänge, hätten wir selbst Angst, vom Staat abhängig zu sein. Und wer Angst hat, stelle keine Forderungen. Derlei Einstellungen wolle die Elite bei der Mittelschicht provozieren, „und sie hat es geschafft“. 62 Prozent hielten es für empörend, wenn sich Hartz IV-Empfänger auf Staatskosten ein bequemes Leben machten. Opfer würden zu Tätern. Und die Presse pinsele eifrig mit am Feindbild, mit Reportagen über „den fettesten Arbeitslosen Deutschlands“.

Uthoff ist rhetorisch brillant. Schnell. Fordert intellektuell. Meistens ist es ruhig im Saal. In den Kopfen rattert es. Entsprechend geplättet wirken die Zuhörer, als sie nach zweieinhalb Stunden und donnerndem Applaus aus dem nahezu ausverkaufen Waitzinger Keller strömen.

Johanna Wieshammer

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