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Drama-Debüt: Ella Green aus Miesbach hat ein Buch über häusliche Gewalt geschrieben.

"William bitte nicht... "

Schläge statt Küsse: Miesbacherin schreibt Folter-Trilogie

Miesbach - Ella Green hat genug vom rosaroten Einheitsbrei. Nach über 20 Liebesromanen hat die Miesbacher Autorin mit „Painful Dependence“ ihr erstes Drama veröffentlicht. Das Thema: häusliche Gewalt.

Eigentlich war alles rosarot bei Ella Green. Jeden Monat servierte die Miesbacher Autorin ihren Lesern eine neue Liebesgeschichte. Frau und Mann lernen sich kennen und lieben. Ein trauriger Zwischenfall sorgt dafür, dass das Happy-End nicht gar so vorhersehbar ist. Eine Prise süße Küsse und Erotik obendrauf – und alle waren glücklich. Beim Online-Händler Amazon, über den die 33-Jährige ihre Bücher im Selbstverlag veröffentlicht, überschlagen sich die Leser vor Lob. „Zuckersüße Story“, „so richtig zum Träumen“ oder „ein Roman, mit dem man den Alltag vergisst“.

Doch für die Autorin haben sich die rosaroten Wölkchen mit der Zeit in einen zähen Kaugummi verwandelt. „Ich hatte das Gefühl, ich schreibe jedes Mal das Gleiche“, sagt Green. „Da wollte ich eben mal was anderes machen.“ Und zwar ein bisschen mehr als Alessia und Matteo durch Hannah und Valentin ersetzen oder die Handlung von einem Strip-Club in ein Cupcake-Café verlagern.

Green legte eine literarische Kehrtwende hin. Ihr neues Werk „Painful Dependence“ (schmerzhafte Abhängigkeit) ist der erste Teil einer Drama-Trilogie über häusliche Gewalt. Aus Küssen werden Schläge, aus Herzschmerz körperliche und seelische Qualen. Ohne Liebe, ohne rosarotes Happy-End. „Wo der Leser auch mal weinen muss“, sagt Green.

Gleich im Prolog stellt sie klar, dass die Beziehung zwischen den Hauptprotagonisten Samantha und William nichts mit „Friede, Freude, Eierkuchen“ zu tun hat: 

"William bitte nicht...

„,William, bitte nicht‘, wimmerte ich, doch er hörte nicht auf. Er schlug weiter auf mich ein und das, obwohl ich schon auf dem Küchenboden lag. Immer wieder versuchte ich seinen Fäusten auszuweichen, aber das war schier unmöglich. William hielt mich an meinem Pferdeschwanz fest und schleifte mich über den Boden. Plötzlich ließ er von mir ab und begann damit, mir seine Füße in den Rücken zu treten. Höllische Schmerzen durchzogen meinen Körper. Bitte, lieber Gott, mach, dass er aufhört, dachte ich.“

Was schon beim Lesen harte Kost ist, war es beim Schreiben erst recht, sagt Green. „Ich bin ja zum Glück selbst nicht von so was betroffen.“ Also recherchierte sie im Internet über reale Schicksale, schaute Reportagen über häusliche Gewalt – und stellte dabei fest, dass das Thema in der Öffentlichkeit kaum präsent ist. „Da wird vieles totgeschwiegen“, sagt die Miesbacherin. Anders als bei ihren Liebesromanen wollte sie sich auch nicht zu sehr ihrer Fantasie bedienen, auf keinen Fall unglaubwürdig wirken.

Deshalb ließ sich Green für ihre Verhältnisse viel Zeit mit ihrem Drama-Debüt. Die ersten Seiten tippte sie bereits 2015. Dann legte sie „Painful Dependence“ in die imaginäre Schublade – der Leser wegen. Die lechzten bereits wieder nach neuen Liebesromanen. Doch ihr erstes Drama ließ der Miesbacherin keine Ruhe. „Es musste einfach raus“, sagt Green. Während das Schreiben – für sie selbst überraschend – relativ emotionslos ablief, erwischte sie es beim ersten Korrekturlesen umso heftiger. Kurze Zeit dachte sie sogar, sie hätte „einen Tick überzogen“.

Samantha wird auch noch sexuell missbraucht

Denn als wäre die körperliche Pein nicht schlimm genug, wird Samantha von ihrem Mann auch noch sexuell missbraucht. Trennen will sie sich nicht, weil sie finanziell auf ihn angewiesen ist. Ihre Mutter hat Selbstmord begangen, ihr drogensüchtiger Vater setzte sich den goldenen Schuss. Einzig ein befreundeter Polizist versucht, Samantha zu retten. Kein Traumprinz wie sonst in Greens Liebesgeschichten.

Zu viel für ihre von Frühlingsgefühlen verwöhnten Stammleser? Die Autorin schüttelt heftig mit dem Kopf. „Aus Neugier haben es eigentlich alle gelesen.“ Das weiß sie, weil sie über Facebook und Amazon intensiven Kontakt mit ihrer Zielgruppe pflegt. Die ist vorwiegend weiblich und eigentlich über ganz Deutschland verteilt – Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen. Aber auch von der Nordsee sind ihre Fans schon zu Treffen angereist.

Schmerzhafte Abhängigkeit folgt - "Schmerzhafte Gewissheit"

Die ersten warten laut Green bereits auf die Fortsetzung von „Painful Dependence“. Anfang Juli geht ihr Wunsch in Erfüllung. Mit „Painful Certainty“ (schmerzhafte Gewissheit) wird die Miesbacherin Teil zwei der Trilogie veröffentlichen. Das letzte Buch erscheint Anfang August. Ob es auch ihr letztes Drama ist, kann Green noch nicht sagen. Sicher ist aber, dass sie wieder Liebesromane schreiben wird. „Das erwarten die Leute von Ella Green.“ Also wird sie liefern – so lange sie es kann.

Denn ihre größte Angst ist eine Schreibblockade. „Dass irgendwann die Luft raus ist“, sagt Green. Doch die Leser können beruhigt sein. Noch ist dieser Gedanke nicht mehr als eine kleine dunkle Wolke am rosaroten Horizont.

Das Buch

„Painful Dependence“ von Ella Green kostet als E-Book 2,99 Euro, als gedrucktes Taschenbuch (221 Seiten) 10,69 Euro und ist erhältlich auf Amazon.de.

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