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Erinnerungen an das Leben – sie sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Unter diesem Motto steht das Labyrinth im Klostergarten in Miesbach. Gräfin Franziska von Drechsel hat es als Vorsitzende des Hospizkreises eröffnet.

Im Klostergarten

300 Zeichen für Hoffnung

Miesbach - Ein Labyrinth aus 300 Stelen lädt im Klostergarten Miesbach zum Nachdenken über den Tod ein. Die Künstler sind rund 400 Schüler.

"Ich weiß nicht, wohin ich gehe, aber ich gehe nicht ohne Hoffnung“ – so steht es auf einer der 300 Stelen im Miesbacher Klostergarten geschrieben. Unter das Zitat von Hans-Joachim Kulenkampff sind Herzen gemalt, ein Einhorn und ein Weg in den Farben des Regenbogens, der von Wolke zu Wolke führt. Es ist ein sehr buntes Bild, fröhlich und zuversichtlich, obwohl doch der Spruch vom Tod handelt. Aber warum „obwohl“? Sind Tod und Fröhlichkeit wirklich unvereinbar?

Wie sie den Tod sehen, was sie mit ihm verbinden oder davon erwarten, das haben Schüler aus dem Landkreis auf die Stelen gemalt und geschrieben. Initiiert hat das Projekt der Hospizkreis Miesbach. Beteiligt haben sich sieben Schulen. Entstanden ist aus den ursprünglich rohen Brettern ein Labyrinth, das zum Wandeln und Nachdenken einlädt.

„Wir haben uns überlegt, wie wir jungen Menschen den Hospizgedanken nahebringen können“, sagte Gräfin Franziska von Drechsel bei der Eröffnung des Stelen-Labyrinths. Der Hospizkreis, dessen Vorsitzende sie ist, feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen. Die Mitarbeiterinnen Petra Obermüller und Miriam Cetinich hätten schließlich Schulen besucht und mit Jugendlichen über das Sterben und die Hospizarbeit gesprochen. Besonders begeistert zeigte sich die Gräfin von den Aussagen der Schüler, die ihr zugetragen wurden. Einer habe gesagt: „Das Beste kommt zum Schluss.“ „Das hat mich vom Hocker gehauen.“ Ihr besonderer Dank bei der Mitwirkung an dem Projekt galt Schülern und Lehrern, den Koordinatorinnen Obermüller und Cetinich sowie ihrem Amtsvorgänger Peter Rosner und dessen Familie.

Matthias Brandstäter, Kunstlehrer am Gymnasium Tegernsee, verglich Rosner gar mit Joseph Beuys, der mit Freiwilligen in Kassel einst 7000 Eichen gepflanzt hat. Wie der berühmte Künstler habe Rosner es geschafft, so viele Menschen von dem Stelen-Projekt zu begeistern.

Beeindruckt zeigte sich auch Miesbachs Zweiter Bürgermeister Paul Fertl davon, dass sich junge Menschen mit dem Thema Tod künstlerisch auseinandersetzen. Wie unterschiedlich die Ergebnisse sind, macht ein Spaziergang durch das Labyrinth deutlich.

Den Eingang zieren sechs Stelen – drei rechts und drei links. Ein aufgeschlagenes Buch ist dort gemalt und rundherum Polaroid-Fotos wie aus dem Familienalbum: eine Hochzeit, ein Weihnachtsbaum, eine Schulklasse und eine Berghütte. Auf der aufgeschlagenen Seite des Buches ist das Motto zu lesen, das den Schülern Inspiration sein sollte: „Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Auf die Hölzer, die den Weg in die Mitte des Kreises und wieder hinaus begleiten, haben die Schüler viele Zitate zum Sterben gemalt. Die meisten handeln von Hoffnung und Zuversicht: „Wundervolle Menschen müssen gehen, weil der Himmel seine Engel braucht“ oder „In einer dunklen Zeit beginnt das Auge zu strahlen“. Faszinierend vielfältig sind die Malereien der jugendlichen Künstler: Wege, die in den Himmel führen, Bilderfolgen, die Stationen des Lebens zeigen von der Geburt über Kindheit und Erwachsenwerden bis zum Tod. Oft sind Symbole wie Engel, Tauben, Fegefeuer oder das Yin&Yang-Zeichen zu sehen. In manche Stelen haben die Schüler hineingeschnitzt, die Spitze mit der Säge bearbeitet oder das Holz mit Muscheln, Kräutern oder Schmetterlingen aus Gips beklebt. Es gibt auch düstere Malereien, doch meist sind sie nur ein Teil eines schönen Ganzen. Am Ende bleibt der Eindruck, dass Tod und Fröhlichkeit keineswegs unvereinbar sind und dass es stimmt, was auf einer der 300 Stelen steht: „Solange wir das Leben haben, sollten wir es genießen.“

Das Labyrinth auf der Miesbacher Klosterwiese an der Münchner Straße kann bis zum 31. Dezember begangen werden. Mitwirkende Schulen waren die Berufsschule und das Berufliche Bildungszentrum Miesbach, die Mittelschule Miesbach, die Realschulen Miesbach und Tegernseer Tal sowie die Gymnasien Miesbach und Tegernsee.

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