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Das Wohnbau-Projekt: Der derzeitige Plan sieht sechs zweigeschossige Baukörper vor. Vergrößert: der Schnitt einer Wohnung.

Trotz Sorgen aus der Nachbarschaft

Asyl-Häuser am Gschwendt: Stadtrat sagt Ja

Miesbach - Der geplante Bau von Wohnungen für anerkannte Asylbewerber und sozial Schwache in Miesbach hat bei den Nachbarn für Sorgen gesorgt. Der Stadtrat befürwortet das Vorhaben.

Dem Freistaat pressiert’s beim Schaffen von Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge. Deshalb ist das Staatliche Bauamt Rosenheim angewiesen, geeignete Grundstücke für das Wohnbau-Sofortprogramm zu suchen. Am Gschwendt in Miesbach wurde das Bauamt fündig und treibt nun die Planungen voran. Jetzt kamen erstmals auch öffentlich im Stadtrat Pläne zur Sprache. Sechs 12,42 mal 9,2 Meter große, zweigeschossige Gebäude will das Bauamt errichten, 22 Wohnungen à 45 Quadratmeter sollen entstehen, dazu Gemeinschaftsräume, Abstell - und Lagerflächen sowie ein Hausmeisterraum. Um den Raum bestmöglich nutzen zu können, soll das Obergeschoss über eine Außentreppe erreichbar sein. Die Gebäude stehen etwa zehn Meter auseinander, sodass dazwischen ein sogenannter Quartierplatz als Gemeinschaftsfläche entsteht. Im Nordosten soll es einen Spielplatz geben.

Soweit die Planung des staatlichen Projekts, das der Stadtrat einhellig begrüßte, zumal die Stadt ein Belegungsrecht für sieben der 22 Wohnungen mit einfachem Wohnstandard bekommt. Die Einheiten sollen sozial schwachen Einheimischen zugute kommen. „Wir haben immer Anfrage und sogar eine Warteliste“, sagt Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU).

Was den Stadträten unterdessen Kopfschmerzen bereitete, ist die Enge, die in dem Quartier herrschen wird, wenn die Wohnungen bis zum Maximum belegt werden. Bis zu vier Personen sollen die 45-Quadratmeter-Einheiten ziehen – also bis zu 88 Menschen insgesamt. Inge Jooß zum Beispiel befürchtet ähnliche Schwierigkeiten, wie sie in Gemeinschaftsunterkünften vorkommen. „Wir haben jetzt schon Probleme, so viele junge Leute aus so vielen verschiedenen Ländern in Frieden zu halten.“ Mit zwei kleinen Kindern ginge das vielleicht, aber Erwachsene? Ähnliche Vorbehalte waren offenbar von den Nachbarn zu hören gewesen. Markus Seemüller (FW) berichtete davon, dass die Anwohner „sehr verschnupft“ darüber seien, dass es so wenig Informationen zu dem Projekt gibt. Er beantragte, dass die Stadt zu einem Info-Abend einladen solle. Dies lehnte Pongratz mit dem Hinweis ab, dass dies Aufgabe des Bauherrn sei. Der Stadtrat sah das mehrheitlich genauso und fordert das Bauamt per Beschluss auf, eine solche Veranstaltung zu initiieren.

Was die Enge betrifft, mahnte Pongratz, nicht davon auszugehen, dass 88 junge Männer Am Gschwendt einziehen. Zum einen hat die Stadt über ihr Belegungsrecht Einfluss, zum anderen sei die Maximal-Belegung ein Kann und kein Muss. „Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Aber auch eine Belegung mit Familien berge ihre Tücken, meinte zum Beispiel Franz Mayer (CSU). Die Stadt müsse dann Kinderbetreuungsplätze schaffen und wenn sie diese nicht habe, gegebenenfalls teure Kita-Plätze zahlen, so wie dies der Stadt München nach einem erstinstanzlichen Urteil droht. Pongratz hielt dem entgegen, dass derzeit genügend Kindergartenplätze da seien, und: „Wir wissen schon jetzt, dass wir die Krippe erweitern müssen.“ Auch ohne Flüchtlinge.

Auch wenn es das Bauamt eilig hat, steht noch in den Sternen, wann die neuen Wohnungen errichtet werden. Denn das ins Auge gefasste Gelände hat keinen Abwasserkanal. Ein Gutachten soll zudem Klarheit darüber schaffen, ob es auch einen Regenwasserkanal braucht. Beides ist die Stadt nicht gewillt zu bezahlen. Sollten die Erschließungs- Kostenfragen geklärt sein, darf – so der Beschlusstext – Pongratz das Okay der Stadt für das Projekt erteilen. Dann bekommen auch die betroffenen Nachbarn Gelegenheit, sich zu dem Vorhaben zu äußern – auch wenn wegen der Dringlichkeit des Vorhabens kein Bebauungsplan erstellt wird.

Ferner verzichtet die Stadt zunächst auf die eigentlich erforderlichen 44 Stellplätze – zwei pro Wohnung. Schließlich wird es sich bei den Bewohnern um Menschen handeln, die sich vorerst wohl kaum ein Auto werden leisten können. Auf Drängen der CSU-Fraktion beschloss der Stadtrat aber, dass nach Ablauf der Bindungsfrist von sieben Jahren die volle Anzahl an Stellplätzen hergestellt werden muss.

Der Bedarf für ein solches Projekt ist unbestritten. Laut Pongratz leben in Miesbach 30 anerkannte Asylbewerber. Bekanntlich müssen diese die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen. Bleiben sie am Ort, muss die Stadt sie aufnehmen – gegebenenfalls im Obdachlosenheim.

Von Daniel Krehl

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