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Der Weg des Wassers: Von den Wehren wird das Wasser aus Mangfall und Leitzach, teils auch Schlierach, unterirdisch in den Seehamer See geleitet (blaue Linien). Im Leitzachwerk dient es der Stromgewinnung.

Drohende Naturkatastrophen Seehamer See

Streit um leere Mangfall: Stadtwerke wollen weniger Wasser abzweigen

Landkreis – Im Januar war die Mangfall staubtrocken - auch weil die SWM ihr Kraftwerks-Wasser abzweigten. Umweltverbände liefen Sturm. Jetzt zeichnet sich ein Kompromiss ab. Die Fischer sind damit nicht zufrieden.

Nicht nur ein breiter Fluss, sondern ein reißender Strom schien die Stadtwerke München (SWM) von den Naturschutzverbänden und dem Wasserwirtschaftsamt in Sachen Weiterbetrieb des Leitzachwerks I zu trennen. Während sich beide Seiten ihre Positionen über Jahre hinweg allenfalls von Ufer zu Ufer zuriefen, wurden jetzt bei einem Erörterungstermin am Miesbacher Landratsamt die ersten Pflöcke für eine Brücke eingeschlagen. Aus Sicht von Andreas Holderer, stellvertretendem Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Rosenheim, eine gute Grundlage für einen tragfähigen Kompromiss. „Damit können wir leben“, sagt er. Die Stellungnahmen der anderen Parteien fallen da schon deutlich konträrer aus.

Fischer nicht zufrieden

Während Stefan Moser, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins und Sprecher der Mangfallallianz, die Erhöhung der Restwassermengen in Leitzach und Mangfall, die Verbesserungen in der Gewässerstruktur sowie den Einbau von Fischtreppen als „Verbesserung am unteren Ende“ bezeichnet, ist es für Michael Solic von den SWM ein „Zugeständnis im Sinne der Gewässerökologie“. Und das, so Solic, „schmerzt uns schon“. Die Auswirkungen auf die Kraftwerksleistung seien noch nicht abzusehen. Aus Sicht des Landratsamts ist es dagegen die Chance, einen lange schwelenden Konflikt mit einer verbindlichen und langfristigen Regelung vom Tisch zu räumen.

Strom wird hier schon seit 100 Jahren gemacht

Die Vorgeschichte ist komplex. Seit rund 100 Jahren erzeugen die Stadtwerke mit dem im Seehamer See aufgestauten Wasser aus Leitzach, Mangfall und Schlierach Strom. Als die Bewilligung für das Leitzachwerk I Ende 2010 auslief, beantragte das Unternehmen die Nutzung für weitere 30 Jahre. Weil der Bescheid aber nur die Verwendung des Sees, nicht aber die seiner drei künstlichen Zuflüsse Mangfall, Leitzach und Schlierach regelt, mahnten die Naturschutzverbände eine Verbesserung der ökologischen Zustände an den Flüssen an. Damit die Stadtwerke das Kraftwerk im laufenden Verfahren weiterbetreiben können, erneuerte das Landratsamt die Bewilligung seitdem nur übergangsweise.

SWM wollen künftig ein bisschen Wasser in den Flüssen lassen

Beim Erörterungstermin hat die Behörde den Vertretern der Mangfall-Allianz – einem Bündnis aus elf regionalen Organisationen wie Bund Naturschutz, Bezirksfischereiverein oder Deutscher Alpenverein – einen mit den Stadtwerken ausgearbeiteten Lösungsvorschlag vorgestellt: Die Mindestwassermenge der drei Flüsse soll künftig in einem separaten Vertrag geregelt werden.

Die SWM verpflichten sich dabei, künftig mindestens 1,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in der Leitzach zu belassen, zu Fischlaichzeiten sogar 1,7 Kubikmeter pro Sekunde. Seit 2011 waren es ganzjährig nur 1,2, davor sogar nur 0,8 Kubikmeter pro Sekunde. Um weitere zehn Prozent soll das Leitzachwasser ab 2018 zwischen der Wehranlage Mühlau bis zur Mündung in die Mangfall steigen. Auch für letztere ist eine Verbesserung vorgesehen. 1,2  statt wie bisher 1,16 Kubikmeter pro Sekunde sollen ab dem Weidenauer Wehr bei Müller am Baum im Fluss verbleiben, ab 2020 nochmals zehn Prozent mehr. Damit sich das Plus an Wasser optimal auf Pflanzen und Tiere auswirkt, beteiligen sich die SWM mit 500 000 Euro an Verbesserungen der Gewässerstruktur und bauen auf ihre Kosten Fischaufstiegsanlagen in die Wehranlagen Mühlau und Weidenau ein.

Kaum zu glauben: Im Januar war die Mangfall fast komplett leer.

Ein Punktsieg für das Wasserwirtschaftsamt. „Im Prinzip ist es das, was wir seit langem von den Stadtwerken fordern“, sagt Holderer. Natürlich gebe es immer noch eine bessere Lösung, aber man müsse in einem solchen Verfahren eben auch Kompromisse eingehen. Die Verbesserungsmaßnahmen, die das Wasserwirtschaftsamt unter Kostenbeteiligung der SWM durchführen wird, werde man nach dem Erteilen des Bescheids durch das Landratsamt sobald wie möglich anpacken. Dazu gehört beispielsweise der Einbau einer Fischaufstiegsanlage am ersten Absturz der Schlierach.

All das lasse sich nur in einem öffentlich-rechtlichen Austauschvertrag regeln, erklärt Thomas Eichacker, zuständiger Abteilungsleiter am Landratsamt Miesbach. Zudem habe dieser den Vorteil, dass er sofort umgesetzt werden könne. Eine Anordnung per Verwaltungsakt könnte hingegen von den SWM beklagt werden und „die Umsetzung ökologisch wertvoller Maßnahmen um Monate, wenn nicht Jahre, verzögern“. Das wäre sicher nicht Sinne der Naturschutzverbände.

Was die Leitzach betrifft, ist Moser mit der jetzigen Lösung einverstanden. „Damit dürfte dieser Bereich der Leitzach am unteren Ende ausreichend versorgt sein“, sagt er. Schöner wäre zwar ein Mindestwert mit einer Zwei vor dem Komma. „Aber man muss um jeden Liter froh sein.“ Ganz anders fällt Mosers Fazit zu den anderen beiden Flüssen aus. So werde sich an der Mangfall kaum etwas verbessern, die Schlierach sei ganz vernachlässigt worden. Ferner vermisst er eine Beschattung am Unterwasser des Leitzachwerks bei Vagen. „Ich weiß nicht, was da ausgeheckt wurde“, schimpft Moser, der am Erörterungstermin nicht teilnehmen konnte. „Jetzt warte ich den Bescheid ab und gehe dann zum Anwalt.“

Aus Eichackers Sicht steht das sechs Jahre andauernde Verfahren kurz vor dem Abschluss. Aktuell prüft die Wasserbehörde die beim Erörterungstermin vorgebrachten Argumente. Sollte nichts Wesentliches mehr gegen den Vertragsabschluss sprechen, ist der Weg frei für eine neue Bewilligung des Leitzachwerks I. Damit wäre eine tragfähige Brücke gebaut.

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