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Unter Beobachtung: Weil jeder den anderen ausmanövrieren wollte, geht es in „In geheimer Mission“ am Landsitz von Botschafter Douglas rund.

Im Bräuwirt

„In geheimer Mission“: Junge Bühne überzeugt mit Parker-Komödie

Miesbach - Liebhaber der spritzigen englischen Boulevardkomödie kommen bei der „Jungen Bühne Miesbach“ und deren Inszenierung von „In geheimer Mission“ auf ihre Kosten.

„In geheimer Mission“ bedient ziemlich alle üblichen Klischees wie Verwechslungen, Verkleidungen und Missverständnisse – all dies aber, ohne den Bogen zu überspannen. Der amerikanische Botschafter Harry Douglas (Roman Postel) wohnt mit seiner Frau Elaine (Barbara von Miller) und Tochter Debbie (Veronika Weber) auf einem Landsitz bei London. Den Haushalt führt Butler Perkins (Helmut Enzinger), den die drei um absolute Diskretion bitten – und dies nicht ohne Grund: Sie täuschen vor, aus diversen Gründen über das Wochenende nicht zu Hause zu sein; sei es zum Golfen oder um eine Freundin zu besuchen. Aber jedes Familienmitglied will die Gelegenheit nutzen, das Wochenende allein mit Freund oder Geliebte/n auf dem Gut zu verleben. Harry verabredet sich mit seiner Nachbarin Marion (Monika Greindl), Debbie hat ihren Freund Joe (Simon Zirngibl) eingeladen, und Elaine hat auch was vor. Als jedoch eine Bombendrohung in der Londoner Botschaft eingeht, wird diese kurzerhand auf den Landsitz verlegt. Der für die Sicherheit zuständige Captain South (Thomas Mayer) bemüht sich nach Kräften, den Botschafter und seine Familie zu schützen und seinen „Plan M“ in die Tat umzusetzen.

Das gediegene Bühnenbild (Ute Bauer), in den Farben Weiß, Türkisblau und Schwarz gehalten – nur das wichtige Telefon ist knallrot – erdet quasi das quirlige und turbulente, mit zahlreichen komödiantischen und situationskomischen Höhepunkten gespickte Treiben auf der Bühne. Urkomisch wird es etwa, wenn der Botschafter – sich auf sein amouröses Wochenende vorbereitend – im Tarzan-Kostüm auftaucht, sich gleich drei Personen mit Krawatte und Bluse ineinander verheddern und nicht mehr voneinander loskommen oder der junge Simon Zirngibl permanent zwischen Joe und Josephine hin- und herwechseln muss. Immer wieder knallen Türen und brandet Szenenapplaus auf, zum Beispiel als der ansonsten so gefasste und distinguierte Butler wegen eines Klebers seine Hand nicht mehr vom verlängerten Rücken der vor Sex-Appeal strotzenden Sekretärin des Captains wegbringt. Ute Bauer trifft den schusseligen und lispelnden Typ punktgenau. Natürlich muss sie ihren engen, kurzen, schwarzen Rock dann auch ausziehen.

Regisseurin Regina Weber-Toepel erklärte, die Originalfassung, die mit deutlich deftigeren Szenen durchsetzt sei, etwas entschärft zu haben, denn: „Die Schauspieler sollen sich ja auf der Bühne wohlfühlen.“ Massiv eingegriffen hat die Theaterpädagogin auch, indem sie das in Deutschland sehr selten gespielte Stück mit Musik anreicherte, was den Abend deutlich aufwertet. So erklingt immer wieder das Piano von Peter Mittermaier, der Hits wie „Hello, Mary Lou“, „Big Spender“ oder „Love is in the Air“ zum Besten gibt und den einen oder anderen auch begleitet. Vor allem Hauptdarsteller Roman Postel meistert bravourös die Herausforderung, gleichzeitig zu spielen und zu singen. „Der Einbau von Musik und Gesang ist durchaus etwas Besonderes, untermauert noch stärker das pantomimische Spiel und verleiht der Komödie noch mehr Leichtigkeit“, erklärt Weber-Toepel.

Stimmt – und auch das gesamte Ensemble trägt mit seinem beseelten Spiel erheblich dazu bei.

Reinhold Schmid

Weitere Vorstellungen

am 5., 6., 12. und 13. November. Beginn ist samstags jeweils um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr (Einlass eine Stunde vor Beginn). Karten zu zwölf Euro (ermäßigt zehn Euro) gibt es im Vorverkauf in Miesbach beim Bräuwirt, bei Das Buch am Markt und beim Salon Haarlekin sowie im Internet auf www.junge-bühnemiesbach.de.

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