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Rund 80 Gäste waren zum Galaabend in den Waitzinger Keller gekommen. Pro Karte legten sie 100 Euro auf den Tisch.

Start des Telematik-Projekts

Kostspielige Turborettung

Miesbach - Der Auftakt des Pilot-Projekts wurde mit Charity-Gala gemacht. Dabei kamen rund 8000 Euro durch den Kauf der Karten zusammen. Das Geld ist bitter nötig, denn das neue Projekt ist teuer.

Zeit ist Leben – so rum muss der Satz lauten, wenn es um den Ernstfall wie Schlaganfall oder Herzinfarkt geht. Das Bayerische Rote Kreuz startete am Sonntag anlässlich des BRK-Welttags ein Pilotprojekt im Landkreis Miesbach. Ein Telematik-System wird Daten direkt vom Rettungswagen ins Krankenhaus übertragen. Dafür werden nun Spenden gesucht – mit einer Charity-Gala begann der Auftakt dazu.

In Deutschland gibt es pro Jahr etwa 250 000 Menschen, die einen Schlaganfall erleiden. Viele der Patienten kämpfen mit den Folgen. Es ist die dritthäufigste Todesursache – diese Fakten trug Stefan Lorenzl, Neurologe und Chefarzt im Krankenhaus Agatharied, dem Gala-Publikum vor. Etwa 80 Gäste hatten sich im Waizinger Keller in Miesbach versammelt und mit 100 Euro pro Karte das Projekt unterstützt. Unter anderem war auch BRK-Präsident Theo Zellner zur Gala angereist. Die anwesenden Gäste wurden im Laufe des Abends über die neue Telematik-Technik und die Funktion des Geräts, das Nida genannt wird, informiert.

Turborettung: System ist einsatzbereit, aber teuer

Die Initiatoren: (v.l.) Florian Meier, Stefan Lorenzl, Robert Kießling, Leonhard Stärk, Thomas Straßmüller und Theo Zellner.

Vereinfacht ausgedrückt leistet dieses System Folgendes: Die Rettungskräfte haben vor Ort ein Tablet dabei. Dieses kann die Patientendaten, die am Rettungsort aufgenommen werden, über spezielle Server direkt ins Krankenhaus übertragen. Der Arzt in Agatharied weiß also bereits, mit welchen Vitalwerten der Patient angeliefert wird. Selbst ein EKG ist übertragbar. Im Krankenhaus geht es also nicht erst in den Schockraum. Die Sanitäter übergeben auch nicht erst viele ungeordnete Papiere, sondern der Patient kommt direkt in die zuständige Station. Damit werden die wertvollen Minuten, die über Leben und Tod, über ein Leben mit oder ohne Einschränkungen durch Sprach-, Seh- oder Bewegungseinschränkungen entscheiden, ausgeschöpft.

Der BRK-Kreisverband Miesbach hat zusammen mit dem Krankenhaus Agatharied einen Film dafür gedreht, der die Abläufe eindrücklich zeigt. In einem Landkreis wie Miesbach ist dieses System besonders hilfreich, denn die Anfahrt nach Agatharied kann manchmal lange dauern. „Schnelle Daten, kurze Wege, langes Leben“, mit diesem Motto fassen die Ärzte die Vorteile der neuen Telematik-Technik zusammen. Das System musste erst für den Einsatz vor Ort optimiert werden, der Datenschutz war auch zu beachten. Nun ist es einsatzbereit, aber teuer. „Die Software kostet rund 50 000 Euro“, sagt Florian Meier, Leitender Notarzt in Miesbach und stellvertretender Landesarzt des BRK. „Wir brauchen außerdem drei Geräte und müssen die ehrenamtlichen Rotkreuzler im Landkreis auf das System schulen. Dafür rechne ich noch mal mit der gleichen Summe, also 100 000 Euro.

Der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands, Thomas Straßmüller, führte in seiner Rede aus, dass im Krankenhaus dann auch die Spezialisten bereits in der Notaufnahme sein können und forderte auf, dass dafür auch die Personalstellen geschaffen werden müssen. Gleichzeitig mahnte er, die Menschlichkeit im Umgang mit den Patienten nicht hinter der Turbo-Datenübertragung anzustellen.

„Wenn das Projekt im Laufe dieses Jahres im Landkreis umgesetzt ist, soll es über das BRK möglichst auf ganz Bayern ausgerollt werden“, sagte Robert Kießling, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) „Wir hoffen, dass wir Unternehmen und Privatleute finden, die das Projekt unterstützen. Die ganze Sache ist eigentlich nicht so schwierig. Sie muss nur angepackt werden.“

Mehr Infos im Netz unter www.turborettung.bayern. Spendenkonto: IBAN: DE 41 711 525 700 012 256 459, Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee.

Sonja Still

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