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Nach wie vor möchte Holzkirchen im alten Polizeigebäude anerkannte Flüchtlinge unterbringen. 

Was die Gemeinden für Wohnraum tuen - die Übersicht

Hier ist die Wohnungsnot im Landkreis am größten

Landkreis - Neben anerkannten Asylbewerbern brauchen auch sozial schwächere Einheimische einen Platz zum Leben. Unsere Übersicht zeigt, was die Gemeinden tun.

Die Flüchtlingswelle ebbt etwas ab. Doch das bedeutet nicht, dass die Arbeit getan ist. Viele Asylbewerber befinden sich im Landkreis und müssen integriert werden – besonders die mit dem Status „anerkannt“. Um einer Konkurrenz mit sozial schwächeren Einheimischen vorzubeugen, braucht es vor allem eines: bezahlbaren Wohnraum.

Spätestens bei den anerkannten Flüchtlingen – und denen unter subsidiärem Schutz (siehe Kasten) – sind die Kommunen sogar zur Unterbringung verpflichtet. „Sobald Flüchtlinge anerkannt sind, werden die Städte, Märkte und Gemeinden des Landkreises für sie zuständig“, erklärt Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts. Das heißt: Falls Anerkannte auf dem freien Markt keine Wohnung finden, müssen die Kommunen Unterbringungsmöglichkeiten anbieten. Was im Landkreis bereits läuft oder in Planung ist, zeigt die folgende Übersicht.

Irschenberg: In der Gemeinde Irschenberg sollen vier Häuser gebaut werden, in denen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden. 800 000 Euro hat Bürgermeister Hans Schönauer dafür im Haushalt eingeplant. Doch so lange der Bedarf nicht sicher ist, wartet die Gemeinde erst einmal ab. „Wir sind am Überlegen, ob wir woanders sozialen Wohnungsbau in die Wege leiten“, sagt Schönauer. Schon für die eigenen Leute sei zu wenig Wohnraum da. Etwas Konkretes ist bislang aber nicht geplant.

Bayrischzell: In Bayrischzell leben derzeit drei anerkannte Asylbewerber. Untergebracht sind sie in privaten Wohnungen. Alle drei haben in der Gemeinde einen Arbeitsplatz gefunden, alle in der Gastronomie. „Derzeit habe ich keine anderen Anfragen“, erklärt Bürgermeister Georg Kittenrainer. Die Gemeinde verfügt über Wohnungen, will diese aber vorrangig sozial schwächeren Gemeindemitgliedern zur Verfügung stellen. „Wenn aber eine frei ist und ein Asylbewerber bei uns eine Arbeit hat, kann ich mir gut vorstellen, dass er dann da einzieht“, sagt Kittenrainer. Zusätzlicher Wohnraum wurde bisher nicht geschaffen.

Wohnraum knapp: In der Kreisstadt sollen vier Flüchtlingsfamilien unterkommen

Fischbachau: Dass Einheimische und anerkannte Flüchtlinge um Wohnraum konkurrieren, will Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner in jedem Fall vermeiden. Deshalb hat die Gemeinde die Caritas-Familienferienstätte in Hundham gekauft, um so insgesamt 1500 Quadratmeter Wohnraum zu günstigen Preisen an anerkannte Asylbewerber und sozial schwächere Bürger vermieten zu können. Darüber hinaus will Lechner ein Einheimischenmodell auflegen und so Baugrundstücke auf „mittlerem Preisniveau“ an Familien veräußern.

Schliersee: In Sachen sozialer Wohnungsbau sind der Marktgemeinde Schliersee die Hände gebunden. „Wir haben keine Grundstücke“, sagt Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer. Sechs anerkannte Asylbewerber leben derzeit im Ort. Untergekommen sind sie laut Schnitzenbaumer in privat vermieteten Wohnungen. Dass auch in der Marktgemeinde ein Druck auf dem Wohnungsmarkt zu spüren ist, will der Bürgermeister nicht bestreiten. „Wir schauen bei jeder Baulandausweisung, was wir tun können“, erklärt er. Klassischer Sozialwohnungsbau sei aber derzeit nicht abzusehen.

Miesbach: Bezahlbarer Wohnraum ist in Miesbach knapp – nicht nur für anerkannte Flüchtlinge. Mit staatlicher Hilfe will die Kreisstadt nun etwas Entlastung schaffen: Im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau West wird das ehemalige Gemeindehaus Wies an der Tölzer Straße neben dem Eisstadion renoviert und umgebaut. Für vier Flüchtlingsfamilien sollen dort Wohnungen entstehen. Die Nutzung ist auf sieben Jahre an Asylberechtigte gebunden, danach sind die Wohnungen für weitere 18 Jahre auch für andere einkommensschwache Familien verfügbar. Insgesamt liegt die Sozialbindung 25 Jahre auf dem Objekt.

Hausham: Zehn anerkannte Asylbewerber leben aktuell in der Gemeinde Hausham. Laut Bürgermeister Jens Zangenfeind sind sie wie die anderen Flüchtlinge auf insgesamt 15 Wohnungen verteilt untergebracht. Ein Teil der Immobilien ist in Gemeindebesitz, die anderen Wohnungen hat die Wohnen, Bauen, Grund (WBG) an das Landratsamt vermietet. Sorgen bereitet Zangenfeind der Familiennachzug. In zwei bis drei Fällen sei in Kürze damit zu rechnen. Wo er die dann offiziell obdachlosen Menschen unterbringen soll, weiß der Bürgermeister noch nicht. Um vorbereitet zu sein, verhandelt Zangenfeind aktuell mit zwei Eigentümern über einen Kauf. „Bei den momentanen Preisen auf dem Immobilienmarkt ist das aber gar nicht so einfach“, sagt der Bürgermeister.

Platznot bereitet Bürgermeister Kopfzerbrechen

Tegernsee: In Tegernsee befindet sich derzeit lediglich ein Wohnhaus in der sozialen Bindung: ein Gebäude an der Seestraße 19. „Wir hatten schon mal mehr Wohnfläche, die soziale Bindung der übrigen Immobilien ist inzwischen aber abgelaufen“, erklärt Geschäftsleiter Hans Staudacher. Bedarf bestünde zwar weiterhin, aber: „In Tegernsee fehlt uns einfach der Platz.“ Vor allem die Unterbringung der bereits anerkannten Asylbewerber bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Hinzu kommen Anfragen von Einheimischen. Denen könne man aber mangels Platz ebenfalls nicht nachkommen.

Kreuth: Die flächenmäßig größte der fünf Tegernseer-Tal-Gemeinden hat derzeit 35 Wohnungen in ihrem Besitz. Darüber hinaus halte eine gemeinnützige Baugenossenschaft neun weitere Wohnungen auf Gemeindegrund, berichtet Bürgermeister Josef Bierschneider. Anerkannte Asylbewerber beherbergt Kreuth seines Wissens nicht. Neue Wohungen sind – sofern die Gemeinde wie geplant die ehemalige May-Klinik erwerben kann – auf diesem Gelände geplant. „Wenn die Möglichkeit besteht, wollen wir neuen Wohnraum schaffen“, sagt Bierschneider. „Allerdings nicht vordringlich für Asylbewerber, so wie das beispielsweise in Waakirchen der Fall ist.“

Rottach-Egern: Was die Unterbringung anerkannter Asylbewerber angeht, stellt sich die Situation in der Gemeinde Rottach-Egern äußert schwierig dar. „Rottach-Egern ist ein Sonderfall“, sagt Bürgermeister Christian Köck. „Die Immobilien in unserer Gemeinde sind recht hochpreisig. Man muss Verständnis dafür haben, dass nicht jede Gemeinde anerkannte Asylbewerber unterbringen kann.“ Zumal die Einheimischen Vorrang hätten. „Wir sind auch verantwortlich für einheimische Familien und ältere Leute. Die kommen für mich an erster Stelle.“ Doch auch in Rottach-Egern leben Flüchtlinge. „Wir haben eine syrische Familie in einer Wohnung am Kindergarten untergebracht“, sagt Köck. Wenn ein Asylbewerber den Willen zeige, sich zu integrieren, dann könne zumindest in Einzelfällen so verfahren werden.

Holzkirchen hat Pläne, sucht aber geeignete Grundstücke

Bad Wiessee: In Bad Wiessee befinden sich, so die Aussage von Robert Huber, Vizebürgermeister und Vorsitzender des Verwaltungsrats des Wiesseer Kommunalunternehmens, rund 200 Wohnungen in gemeindlichem Besitz. Derzeit leben dort keine anerkannten Asylbewerber, sollten der Gemeinde aber solche zugewiesen werden, bestünde weiterer Bedarf. „Diesen werden wir aber nicht über das Kommunalunternehmen decken“, sagt Huber. Es gebe in Bad Wiessee jedoch viele private Vermieter, die ihre Pensionen oder Hotels gerne zur Verfügung stellen würden. Die Gemeinde habe indes bereits das Haus Rheinland zur Unterbringung von Flüchtlingen erworben.

Gmund: Rund 100 Wohnungen besitzt die Gemeinde Gmund. Darunter auch welche mit einer Quadratmeter-Miete deutlich unterhalb der im Ort üblichen Preise. „Wir haben als Gemeinde eine soziale Verpflichtung gegenüber Leuten, die sich keine Wohnung leisten können“, sagt der Gmunder Geschäftsleiter Florian Ruml. Die vier anerkannten Asylbewerber der Gemeinde sind derzeit noch in der Seeturnhalle untergebracht.

Inzwischen plant die Gemeinde auf einer Wiese hinter dem Gmunder Bauhof zwei Mehrfamilienhäuser, in die einkommensschwache Familien und Flüchtlinge einziehen sollen. Das stößt bei den Anwohnern nicht überall auf Gegenliebe. Die Gemeinde versucht nun zu beruhigen.

Holzkirchen: Im alten Polizeigebäude in der Frühlingstraße möchte die Gemeinde anerkannte Asylbewerber unterbringen. Ein Kauf des Gebäudes jedoch sei heuer nicht im Haushalt eingeplant, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). „Es gibt aber Programme vom Freistaat, die das auch so möglich machen könnten“, meint er. Eine weitere Option sei die kirchliche Fläche neben dem Pfarrhaus in Föching. Die Pläne der Pfarrei, dort ein Gebäude für Asylbewerber zu bauen, hatten nach einer angeblichen Vergewaltigung an Schwung verloren. „Aber die Kirche ist gesprächsbereit“, sagt der Rathauschef. Denkbar wäre ein Modell, das auch für andere Sozialfälle Wohnraum bietet. Ansonsten habe die Gemeinde keine geeigneten Immobilien. „Wir suchen weiterhin Flächen dafür“, so Löwis. Einige Anerkannte habe man privat untergebracht.

Waakirchen: Zwar befinden sich mehrere Wohnungen in gemeindlichem Besitz. „Die soziale Bindung ist aber inzwischen abgelaufen“, sagt der Amtsleiter der Gemeinde, Markus Liebl. Die anerkannten Asylbewerber in Waakirchen seien derzeit zum Teil in privaten Wohnungen, zum Teil in den Sammelunterkünften untergebracht. Vor Probleme, so Liebl, werde die Gemeinde die Unterbringung weiterer anerkannter Asylbewerber stellen. „Wir haben derzeit ein großes Wohnprojekt am Schaftlacher Buchkogel“, erzählt der Amtsleiter. „Diese Wohnungen sind nicht für Asylbewerber angedacht.“ Möglich wäre das aber zu einem späteren Zeitpunkt.

Wohnraum: Otterfing steckt bei Unterbringung von Asylbewerbern in der Findungsphase

Warngau: Zehn Wohnungen hat die Gemeinde Warngau – aber alle sind langfristig vermietet. Momentan sind zwei Flüchtlinge in der Gemeinde anerkannt, eine Frau mit kleinem Kind hat privat eine Wohnung gefunden. Doch es werden weitere dazukommen von den 54 Personen in der Gemeinschaftsunterkunft. Zunächst könnten diese dort bleiben, doch auf Dauer sei der Wohncontainer freilich keine Lösung, sagt Bürgermeister Klaus Thurnhuber. Vielleicht könnten sich für neuen Wohnraum auch mehrere Gemeinden in Projekten zusammentun. Die Asylthematik bringe nun den vielleicht nötigen Druck, endlich zu handeln. „Wir haben bisher nichts gemacht, weil der Druck nicht da war. Diesen Vorwurf werden wir uns gefallen lassen müssen“, meint Thurnhuber. Man sei deshalb nun auf der Suche nach Standorten.

Valley: 14 Flüchtlinge haben in Valley die Anerkennung. Vier davon konnten aus der Container-Unterkunft in Kleinschwaig in private Wohnungen ziehen. Zehn Flüchtlinge haben bislang keine Wohnung gefunden, können momentan aber als so genannte Fehlbeleger in den Containern bleiben. Bürgermeister Andreas Hallmannsecker hofft, dass die Traglufthalle in Holzkirchen so viel Luft verschafft, dass die Fehlbeleger einstweilen in der Unterkunft bleiben können, denn freie Wohnungen gibt es nicht. „Wir sind ratlos“, bekennt Hallmannsecker. Der Gemeinderat hat sich mehrmals nicht-öffentlich mit Optionen befasst, die Gemeinde führte auch Gespräche mit Grundstückseigentümern – bisher ohne Erfolg.

Otterfing: Was die Unterbringung von anerkannten Asylbewerbern angeht, steckt die Gemeinde Otterfing noch in der Findungsphase. „Wir machen uns Gedanken, aber momentan steht uns kein Grundstück zur Verfügung“, erklärt Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU). „Auch die Sozialräume, wo die Gemeinde ein Vorschlagsrecht hat, sind alle voll.“ Zwischen zehn und 15 Anerkannte wurden laut Eglseder privat oder in Sozialbauten untergebracht. „Der Bund macht es sich da leicht“, findet Eglseder. „Die Gemeinden müssen sich um die Unterbringung kümmern, das wird einfach runterdelegiert.“  

Weyarn: „Den goldenen Weg habe ich noch nicht gefunden“, sagt Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU). Fünf Wohneinheiten gehören der Gemeinde. Die sind seit vielen Jahren vermietet. „Da geht keiner freiwillig so schnell raus“, weiß der Rathaus-Chef. Die derzeitige Situation empfindet er als nicht zufriedenstellend, fühlt sich alleine gelassen. „Ein richtig schlüssiges Konzept hat niemand.“ Um Wohnungen zu finden, hat Wöhr bereits eine Anzeige im „Gmoablatt’l“ veröffentlich – mit geringem Erfolg. Meist sind die Angebote für das kleine Budget der Gemeinde viel zu teuer. Zwei anerkannte Familien leben derzeit in der Gemeinde. In Privatinitiative hat sich der Helferkreis Asyl um Wohnungen gekümmert und sie auch eingerichtet.

nip/mar/ddy/ag/hp/sg/dd

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