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Getrennte Projekte, gemeinsame Ziele: Unter dem Dach der SMG arbeiten (v.l.) SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid, Stephanie Stiller, Johann Holzinger, Florian Brunner, Regina Schliephake und Marika Kinshofer zusammen.

Wirtschaftsförderung im Landkreis - der große Überblick

Was macht eigentlich die SMG genau?

Landkreis - Sie sind die Wirtschaftsförderer im Landkreis, tauchen oft mit Ideen, Projekten und Veranstaltungen in unserer Zeitung auf. Aber wer ist das eigentlich, die Standort Marketing-Gesellschaft?

Als die Standortmarketing-Gesellschaft des Landkreises (SMG) im Juni 2014 die oberste Etage im Sundheimer-Nachfolgebau an der Miesbacher Rathausstraße bezog, standen viele Büros leer. Neben SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid (47) war dort lediglich das Regionalmanagement mit zwei Stellen angesiedelt. Heute ist die Bude voll. Mit Marika Kinshofer (Öko-Modellregion), Regina Schliephake (Bildungsregion) und Stephanie Stiller (Leader) sind drei Experten eingezogen, die das Portfolio der SMG, den Wirtschaftsstandort zu fördern, erweitern.

Die verschiedenenen Projekte decken zugleich Bereiche ab, die zur allgemeinen Wirtschaftsförderung gehören. Dies gelte selbst für den Erhalt der landwirtschaftlichen Strukturen, sagt Schmid: „Der Standortfaktor, den unsere Unternehmen am besten bewerten, ist unsere Landschaft.“ Sie sei aber nicht auf natürlichem Weg entstanden, sondern durch Kultivierung. „Deshalb muss es unser Ziel sein, diese Kulturlandschaft und deren bäuerlichen Strukturen zu erhalten.“

Regionen, Manager und viele Ideen

Inmitten dieser Tätigkeitsfelder übernimmt die SMG die Koordinierung und fungiert als Bindeglied zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Politik. Das Regionalmanagement hat sie bereits erfolgreich in ihre Strukturen integriert.

Ein großer Schritt war dabei die Gründung des Unternehmerverbands Miesbach (UVM). Er bildet neben dem Landkreis und der Kreissparkasse die dritte Säule, durch die sich die SMG finanziert. Der Anreiz für Unternehmer aus der Region, sich dort zu engagieren, liegt laut Regionalmanager Johann Holzinger im Angebot des UVM, das stetig weiterentwickelt wird: das Aufbereiten relevanter Themen wie neue Energien, Veranstaltungen, Netzwerken sowie die UVM-Akademie mit ihrem Seminarangebot. So werde die private Wirtschaft zur dritten Finanzierungssäule der Wirtschaftsförderung – und die Unternehmer werden zu Botschaftern.

Die Teilnahme an Projekten wie der Bildungsregion hat sich laut Schmid bewährt: „Wir können auf diese Weise kompetent viele Bereiche abdecken. Und durch die Förderungen halten sich die Kosten für den Landkreis in Grenzen.“

Metropolregion: Von der Nähe zu München profitieren

Die Europäische Metropolregion München ist eine von elf in Deutschland. Sie umfasst weite Teile des südbayerischen Raums rund um die Landeshauptstadt. Im Jahr 1995 wurden sie von der Ministerkonferenz für Raumordnung definiert. Die überdimensionale Größe der Metropolregion soll im internationalen Maßstab Bedeutung haben. Sie umfasst als Verein neben Firmen, Einrichtungen und Organisationen die Städte München, Augsburg, Ingolstadt, Kaufbeuren, Landshut und Rosenheim sowie die Landkreise München Aichach-Friedberg, Altötting, Augsburg, Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Dillingen, Dingolfing-Landau, Donau-Ries, Ebersberg, Eichstätt, Freising, Fürstenfeldbruck, Garmisch-Partenkirchen, Kelheim, Landsberg, Landshut, Miesbach, Mühldorf, Neuburg-Schrobenhausen, Ostallgäu, Pfaffenhofen, Rosenheim, Starnberg, Traunstein und Weilheim-Schongau.

Das Ziel: Metropolregionen sollen die gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung voranbringen. Dazu gehört, die Attraktivität der Region als Lebens- und Wirtschaftsraum zu sichern und auszubauen, nachhaltiges Wachstum zu fördern und Kernkompetenzen durch Kooperation und Vernetzung auszubauen. Im Landkreis wird die Metropolregion von den beiden Regionalmanagern betreut.

Die nächsten Schritte: Neben Veranstaltungen werden konkrete Projekte entwickelt, zum Beispiel ein einziges Ticket für die gesamte Metropolregion im öffentlichen Personennahverkehr.

Die Kosten: Für die Mitgliedschaft zahlt der Landkreis pro Jahr sechs Cent für jeden der knapp 100 000 Einwohner. Die SMG ist als Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit 1500 Euro dabei

Leader: Mit EU-Zuschüssen den ländlichen Raum gestalten

Geld für Projekte aller Art, die sonst auf der Strecke bleiben – viele Kommunen haben das Leader-Programm als Chance erkannt. 1,5 Millionen Euro stehen für 7,5 Jahre bereit. Für die Förderperiode 2014 bis 2020 haben sich die 17 Kommunen im Landkreis zur lokalen Aktionsgruppe (LAG) zusammengetan, die Stephanie Stiller leitet.

Das Ziel: Durch Leader will die EU den ländlichen Raum entwickeln – mit Förderungen zwischen 30 und 70 Prozent. Damit können auch kleinere Vorhaben umgesetzt werden, zumal der Freistaat Bayern sich ebenfalls finanziell beteiligt.

Die nächsten Schritte: Vier Projekte sind schon bewilligt (Radverkehrskonzept der ATS, Erlebnisbrauerei Graf Arco Valley, Machbarkeitsstudie Rodelbahn Schliersee, Barrierefreiheit im Landkreis), sechs sind in der Beantragungsphase (zweimal Urlaub auf dem Bauernhof, Themenweg Wendelstein, Schaustollen Deisenried, Kräuterkraft Natur Fischbachau, Da.und.dort-Projekt).

Die Kosten: Die Vollzeitstelle der LAG-Managerin wird zu je 50 Prozent von Leader und Landkreis getragen.

Regionalmanagement: Im Landkreis Wirtschaft, Bildung und Verkehrsprojekte fördern

Das Regionalmanagement wurde im Jahr 2009 im Landkreis etabliert und bildet das Kernprojekt der SMG. Mittlerweile ist es in der dritten Förderperiode. „Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass dieses Konzept funktioniert“, sagt Florian Brunner, der zusammen mit Johann Holzinger als Regionalmanager fungiert. So könne die SMG mehr Themen anpacken – egal ob Metropolregion oder Mobilitätskonzepte. Grundlage für die Regionalmanagement-Initiative war der im Jahr 1996 eingeleitete Leitbildprozess. Im Juni 2008 wurde mit den Bürgermeistern aller 17 Städte und Gemeinden sowie mit den Entscheidungsträgern aus Landratsamt, Wirtschaftsförderung und Tourismusinstitutionen das Konzept erarbeitet.

Das Ziel: Das Regionalmanagement soll unter anderem durch Projekt- und Netzwerkarbeit eine funktionierende regionale Wirtschaftsförderung unterstützen. Dabei wird vorhandenes Potenzial genutzt. Insgesamt geht es dem Wirtschaftsministerium bei diesem Programm um eine Angleichung der Lebensqualität in Bayern. Neben dem Bereich Wirtschaft stehen somit auch Themen wie Bildung und Verkehr im Mittelpunkt.

Die nächsten Schritte: Das Regionalmanagement ist in vielen Bereichen aktiv: Es konzipiert Veranstaltungen, leistet Grundlagenarbeit und entwickelt konkrete Projekte wie in der Zukunftswerkstatt Mobilität. Dort wird in Kürze das Radkonzept fertiggestellt, das zusammen mit dem Tourismusverband Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) erarbeitet wurde. Die Präsentation ist für Herbst geplant. Das bestehende Radnetz soll beschildert und erweitert werden.

Die Kosten: In den ersten beiden Förderperioden, die insgesamt fünf Jahre umfassten, waren die Stellen der beiden Regionalmanager zur 50 Prozent vom Bayerischen Finanzministerium bezuschusst. Mittlerweile sind es in der dritten Förderperiode – 2014 bis 2017 – nur noch 25 Prozent. Den Rest trägt die SMG. Mit dieser Staffelung will der Freistaat erreichen, dass das Regionalmanagement so effektiv arbeitet, dass es sich im Lauf der Zeit selbst finanzieren kann.

Öko-Modellregion: Mit Ideen Landwirten Perspektiven schaffen

Im Rahmen des Landesprogramms Bioregio 2020 wurden zwölf Regionen – darunter der Landkreis – zur Öko-Modellregion ausgezeichnet. Grundlage ist die Vorgabe der Staatsregierung, wonach die Zahl der Bio-Produkte aus Bayern bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden soll. Die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln soll stärker aus heimischer, regionaler Produktion gedeckt werden.

Das Ziel: Die Öko-Modellregion will im Verbund etwas dem Trend zur Massenproduktion in der Landwirtschaft entgegensetzen. Um kleine Betriebe und Weidehaltung künftig am Leben zu erhalten, brauche es Ideen, um deren Wertschöpfung konkurrenzfähig zu halten. Bio sei nur eine mögliche Nische von mehreren. „Wir brauchen beim Verbraucher eine Bewusstseinsänderung hin zu Qualität und Regionalität“, sagt Projektmanagerin Marika Kinshofer. Genussregionen seien ebenso denkbar wie Nischenprodukte à la Heumilch oder ein Regioregal im Supermarkt.

Die nächsten Schritte: Auf Basis ihrer Tour durch die Gemeinderäte, bei der Erwartungen und Zielen abgestimmt wurden, soll nun ein Strategiepapier entstehen. Zweiter Schritt ist ein Regionalführer, der auch für Hersteller, Verarbeiter, Handwerk und Dienstleister offen ist.

Die Kosten: Die 17 Gemeinden finanzieren gemeinsam 25 Prozent von Kinshofers Stelle, die restlichen 75 Prozent übernimmt das Staatsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Der Aufgabenbereich ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Es gibt jedoch die Option, um drei weitere Jahre zu verlängern

Bildungsregion: Fachkräfte und Talente vor Ort halten

Im Februar 2014 wurde der Landkreis vom Freistaat als Bildungsregion ausgezeichnet. Grundlagen waren fünf Säulen: Übergänge zwischen Schulen, Ausbildung und Beruf organisieren, Schulen öffnen und Bildungsträger vernetzen, jungen Menschen in besonderen Lebenslagen helfen, die ehrenamtliche Bürgergesellschaft entwickeln sowie Herausforderungen des demografischen Wandels annehmen. Seit 2014 leitet Regina Schliephake das Projekt.

Das Ziel: Bildung soll als Standortfaktor im ländlichen Raum etabliert werden. Dabei geht es um ein zentrales Problem der nächsten Jahre: Fachkräfte in der Region zu halten – und das beginnt schon bei den Schülern. Dabei haben sich die Ausbildungstour, bei der Schüler verschiedene Ausbildungsbetriebe besuchen, und die Praktikumsbörse bewährt. Zudem soll Bewusstsein für Regionalität vermittelt und ehrenamtliches Engagement schon in der Schule gefördert werden.

Die nächsten Schritte: Geplant ist unter anderem eine schulartübergreifende Berufsinfomesse. Zudem soll die Praktikumsbörse erweitert werden, damit Studenten geeignete Partner für das Praxissemester finden. Ein weiteres Thema ist das Erlernen von Regionalität in der Schule. Hierbei werden Themen aus dem Unterricht vor Ort umgesetzt.

Die Kosten: Die Halbtagsstelle ist auf fünf Jahre begrenzt und wird vom Landkreis finanziert. Denn Bildungsregion zu sein, ist laut Schliephake erst der Anfang: „Das muss mit Ideen belebt und weiterentwickelt werden.“

ddy

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