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Die Braumeister: Konrad Tradler (r.) und Stefan Koch setzen die Maische an. Einmal im Jahr stellen sie in einem ehemaligen Bauernhof an der Hofwies bei Miesbach ihr eigenes Bier her.

Bierherstellung auf dem Bauernhof

Braumeister für fünf Tage

Miesbach - Jedes Jahr im Herbst ist Miesbach um eine Brauerei reicher. Für fünf Tage verwandelt sich ein ehemaliger Bauernhof an der Hofwies dann in ein Sudhaus.

Unauffällig steht der ehemalige Bauernhof an der Hofwies in der Landschaft. Aufgeräumt, aber schmucklos. Bis auf eine Prise Malzstaub, die durch die trüben Fensterscheiben nach außen dringt, deutet nichts darauf hin, dass Konrad Tradler (62) hier eine kleine Brauerei unterhält.

Das verwundert insofern nicht, als dass Tradler und sein Mitstreiter Stefan Koch nur einmal im Jahr am Kessel stehen. 100 Liter oder zehn Kisten füllen sie ab. Ein Mann werkle daran fünf volle Tage, schätzen sie. Heuer wird es ein Märzen, das an Tradlers Kameraden bei den Gebirgsschützen geht. Das habe er ihnen schon länger versprochen, sagt der 62-Jährige. Während er erzählt, tunkt Koch ein Thermometer in den Sud: 90 Grad, genau richtig.

Zoll und Gewerbeaufsicht drücken ein Auge zu

An der Wand hängen Schöpfkelle und Trichter – Küchenutensilien. Tradler und Koch haben sich ihr Equipment selbst zusammengebastelt. Die Behörden haben kein Problem damit. 200 Liter im Jahr brauen darf jeder. Zoll und Gewerbeaufsichtsamt drücken in diesem Fall ein Auge zu. Um Weihnachten herum wollen die beiden Herren ihr Bier an die Gebirgsschützen übergeben – falls alles glatt läuft.

Der Rohstoff: Mit der Menge der Hopfenpellets variiert Tradler, um dem Bier eine besondere Note zu verleihen.

Am Anfang ihrer Hobbybrauerkarriere sei es nämlich durchaus zu Pannen gekommen, erzählt Tradler schmunzelnd. Begonnen hat alles vor 15 Jahren, mit einem Kurs an der Volkshochschule. Dem Kursleiter und Lehrer an der Berufsschule für Braugewerbe in München, Bernt Horeth, ist Tradler weiterhin verbunden.

Im Kessel köchelt der Sud vor sich hin. Eine Note Malz liegt in der Luft. Je weiter der Prozess voranschreitet, desto mehr erinnert der Duft an Bier. Ein Keramikschälchen mit rund 40 Gramm Hopfenpellets steht bereit. Tradler variiert gerne mit der Menge, tüftelt neue Kreationen aus. „Ich überlege mir, wie es schmecken soll“, sagt er. Und Horeth berechnet die exakte Zutatenliste. „Wir haben alles ausprobiert.“ Und mit ihrer Anlage ist alles möglich. Bis auf Pils, dafür sei das Wasser im Oberland zu hart. Filter, wie sie sich große Brauereien leisten, sind Tradler und Koch zu teuer. Was war ihr extremstes Experiment? Tradler überlegt. Ein dunkler Doppelbock. „Fast schwarz“ sei der gewesen, durch das viele, dunkel geröstete Malz.

Die Hefe kommt ganz zum Schluss dazu

Aus dem Kühlschrank holt Tradler eine Tupperbox und lupft den Deckel. Die bräunliche Brühe riecht streng. Es ist die Hefe, die ganz zum Schluss dazukommt. Wenn der Sud abgekühlt ist, von 100 auf acht Grad.

Miesbach blicke auf eine lange Brautradition zurück, erzählt Koch. Diese hielten sie hoch, „und wenn’s nur eine Hausbrauerei ist“. Hiervon gebe es zahlreiche im Landkreis, wenn auch meist im Schatten der Öffentlichkeit. Dass diese den kommerziellen Brauereien ein Dorn im Auge sind, glaubt Tradler nicht. Die paar Liter würden niemanden stören. Vielmehr hilft die Miesbacher Weißbierbrauerei Hopf den beiden Brauern aus Hofwies sogar beim Reinigen der Flaschen. Eine große Erleichterung, betont Tradler: „Sonst müssten wir jede einzeln schrubben.“ Apropos schrubben. Hygienevorschriften halten die beiden penibel ein. „Sonst kippt das Bier“, betont Koch.

Das Läutern: Beim Aufkochen des Suds trennt sich die Maische von der Bierwürze.

Hinter Kessel und Emailletöpfen hat er neben weißblauer Fahne ein Blechschild aufgehängt. „Hier wird nach dem Reinheitsgebot gebraut“, steht darauf. Genau vor 500 Jahren erließ Herzog Wilhelm der Fünfte das älteste Lebensmittelgesetz der Welt. Daran halten müssten sich Tradler und Koch eigentlich nicht. Trotzdem sind sie der Tradition verpflichtet. Bananenbier und Konsorten? Tradler schüttelt energisch den Kopf. So etwas komme ihm nicht in den Maßkrug. Nur natürliche Rohstoffe: Brauwasser, Hopfen, Malz und Hefe. Er braue „wie früher die Bäuerinnen für das Gesinde“.

Das Bier ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen

Doch worin liegt dann der Unterschied zum industriell gefertigten Bier? Gehaltvoller sei es, sagt Tradler. Reich an Mineralstoffen und Vitaminen. Brauereien filtern bis zu 25 Mal, sie sieben zweimal grob durch, mit Babywindeln aus Leinen. Einziger Nachteil: Im Gegensatz zu Industriebier halte ihres im Kühlschrank lediglich ein Jahr. „Wobei“, meint Tradler verschmitzt, „solange bleibt das nicht übrig“. Der entscheidende Unterschied: Das gute Gefühl, selbst produziert zu haben.

Johanna Wieshammer

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