+
Ungewöhnliche Empfindungen sagte Kit Armstrong seinem Publikum voraus, wenn sie die Werke aus seiner Auswahl hören würden. Die Zuhörer aber waren begeistert und schüttelten vor Staunen die Köpfe.

Star-Pianist ganz ohne Allüren

Kit Armstrong begeistert im Bauerntheater

Schliersee - Eine seltene Gelegenheit bot sich jetzt den Zuhörern im Schlierseer Bauerntheater: Star-Pianist Kit Armstrong gab dort im Rahmen des Musikfests Kreuth ein unvergessliches Gastspiel.

Da stand er nun, der „Überflieger“, den sein Mentor, der gefeierte Alfred Brendel, als „die größte musikalische Begabung“ beschreibt, der er in seinem ganzen Leben begegnet sei: Kit Armstrong, einstiges Wunderkind am Klavier, für den die Fachwelt nichts als Superlative hat, um sein Spiel zu beschreiben, konzertierte in Schliersee. Auf seiner Tour durchs Oberland machte das Musikfest Kreuth im Bauerntheater Station.

Schmal, eine Hand auf dem Flügel, verschwand Kit Armstrong fast hinter den Blumen am Bühnenrand. Was mag er, der Säle in aller Welt füllt, gedacht haben angesichts einer gähnend leeren Stuhlreihe mitten im Auditorium? Er begrüßte höflich sein Publikum und wünschte viel Vergnügen. Allerdings nicht, ohne in akzentfreiem Deutsch sehr ausführlich über das zu sprechen, was er zu Gehör bringen wollte. „Musikwerke, die sie vielleicht als etwas ungewöhnlich empfinden“, deren roter Faden es sei zu zeigen, dass Musik immer ihre eigenen Gesetze habe. Er begann mit Jaquemin de Senleches, Guillaume de Machaut und der Ballade eines unbekannten Komponisten mit Stücken aus dem 14. Jahrhundert. Musik, von der es sehr genaues Notenmaterial gebe, von der man aber nicht wisse, wie sie tatsächlich klang, weil es damals nicht üblich gewesen sei, für ein bestimmtes Instrument zu schreiben. So wurde das Klavier zum Chor, zur Harfe, zum Blasinstrument.

Kit Armstrong brachte es zum Klingen und seine Zuhörer zum Staunen. Kopfschütteln war wohl die häufigste Geste an diesem Abend im Terofal-Saal. Ungläubig fragte sich das durchaus konzerterfahrene Publikum, wie man einem Flügel Derartiges entlocken kann und zeigte sich dankbar, einmal anderes zu hören als das übliche Programm. Ein Eindruck, der sich mit jedem Stück verstärkte. Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach, die allein mit der linken Hand gespielte Étude des extrem selten aufgeführten Kaikhosru Shapurji Sorabji (1892-1988), über die schon Applaus ausbrach, während Armstrong noch spielte, und Franz Liszts Szenen aus Lenaus „Faust“. Während draußen der Regen laut auf den Übertragungswagen prasselte, begeisterte drinnen ein Künstler mit mehr als fulminantem Spiel. Der 24-Jährige vermittelte das Gefühl, es nicht mit einem jener so häufig anzutreffenden, austauschbaren Interpreten zu tun zu haben, die als Resultat enormen Fleißes nahezu mechanisch ihr Programm abspulen. Hier spielte einer mit allen Möglichkeiten der Komposition und des Vortrags. Wenn er die Tasten anschlug, dann schien das, als wolle er ganz behutsam den Tönen zum Klang verhelfen.

Darüber hinaus hatte er sichtlich Freude daran, zu erklären und auch dem Publikum die Besonderheiten seiner Stücke alles andere als belehrend nahe zu bringen. Natürlich gab es nicht enden wollenden Applaus und die erhofften Zugaben. Das Ende des Abends setzte Kit Armstrong nach einem weiteren Choralvorspiel von Bach und einem atemberaubenden „Zauberlehrling“ von Ligeti mit zwei platzierten Faustschlägen auf die tiefen Töne. Feierabend. Zumindest für einen Moment, denn in den Köpfen wird dieser Abend noch lange nachklingen. Für alle, die Armstrong verpassten oder noch nicht genug haben: Am Freitag, 22. Juli, wird das Konzert im Rahmen der „Festspielzeit“ von BR-Klassik ausgestrahlt. Beginn der Sendung ist um 18.05 Uhr.

Von Heidi Siefert

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Gackerl im Gläschen</center>

Gackerl im Gläschen

Gackerl im Gläschen
<center>Fächer "Liebestaumel"</center>

Fächer "Liebestaumel"

Fächer "Liebestaumel"
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Meistgelesene Artikel

Eine Katze im Wellness-Fieber - jetzt darf sie nicht mehr rein

Schliersee – Eine Katze auf Wanderschaft schleicht sich in regelmäßigen Abständen in die Schlierseer Vitalwelt.  Aus Gründen der Hygiene muss das Tier aber leider …
Eine Katze im Wellness-Fieber - jetzt darf sie nicht mehr rein

Kommentare