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Alles belegt: 35 Kinder bleiben in Schliersee vorerst ohne Kindergarten- oder Krippenplatz.

Schocknachricht aus dem Schlierseer Gemeinderat

Betreuungsnotstand: Kinder müssen draußen bleiben

Schliersee - Böses Erwachen in Schliersee: Die Kindergarten- und Krippenplätze reichen hinten und vorne nicht. Je eine Gruppe muss die Gemeinde langfristig schaffen – mindestens.

Die Notlage tauchte als Ahnung vor etwa einem halben Jahr am Horizont auf. Drei Monaten gab’s harte Zahlen, und die sind bis heute nicht harmloser geworden. 22 Kinder stehen auf der Warteliste der Kindergärten. Und in der Schlierseer Krippe liegt die Zahl der Kinder, für die die Einrichtung keinen Platz anbieten kann, bei 13. In den Jahren zuvor hatte die Gemeinde den Mangel an Betreuungsplätzen eher schulterzuckend hingenommen. Das konnte man sich leisten, weil die Zahlen erheblich geringer waren und sich obendrein die Unterdeckung bis zum Start des Kindergartenjahres mehr oder minder in Luft auflöste. Diesmal nicht.

Diese Entwicklung hatte die Gemeinde offenbar nicht auf dem Radar. In den vergangenen Jahren sind viele Familien mit kleinen Kindern nach Schliersee gezogen. An den Geburtenzahlen jedenfalls ließ sich kaum ablesen, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen derart in die Höhe schnellen würde, sagt Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) das dar. Andererseits hat die Gemeinde über ihre Bauleitplanung in den vergangenen Jahren durchaus Wohnraum für Familien geschaffen.

Doch etwaige Schuldzuweisungen oder Ursachenforschungen helfen nicht weiter. „Fakt ist: Es fehlen Plätze, auch in den nächsten Jahren“, sagte Schnitzenbaumer nun im Gemeinderat. Erste Maßnahmen habe die Verwaltung bereits eingeleitet. So habe die Kirchenstiftung St. Josef in Neuhaus ihre Bereitschaft signalisiert, ihren Kindergarten um eine Krippengruppe zu erweitern. Der Gemeinderat hat die Verwaltung mit dem Mandat ausgestattet, mit der Kirche über die Einrichtung einer solchen Gruppe zu verhandeln. Das aber ist keine kurzfristige Lösung. Schnitzenbaumer: „Die müssen erst bauen.“

Bleibt die private Krippe „Die Dachse“. Dort sind noch ein paar Plätze frei, vielleicht werden es noch mehr. Wie berichtet strebt das Betreiber-Ehepaar strebt eine Betriebserlaubnis für 18 Plätze (jetzt 16, davon sechs halbtag) an.

Keine Lösung zeichnet sich derweil für die Kindergartenkinder ab. Im Gemeinderat sammelte Schnitzenbaumer Vorschläge. Die CSU, deren Sprecher Florian Zeindl die Situation als „erschreckend“ und „das brennendste Thema, das wir haben“ bezeichnete, brachte namens seiner Fraktion mehrere Möglichkeiten ins Spiel. Eine Containerlösung am Kindergarten oder auch auf dem Waldfestplatz, die Aufstockung des neuen Kindergarten-Trakts oder auch einen Neubau auf dem benachbarten Grundstück oder in Neuhaus. Michael Dürr (PWG) brachte wie schon in der März-Sitzung das alte Schulhaus ins Gespräch, und Florian Guggenbichler (Die Schlierseer) erinnerte daran, dass der Gemeinde im neuen Baugebiet am Breitenbach ein Grundstück habe. Womöglich eigne sich dies als Zweigstelle der Kindertageseinrichtung. Ferner wies er wie seine Fraktionskollegin Uschi Bommer darauf hin, dass der Kindergarten voll ausgelastet ist.

Die Verwaltung sucht nun nach Lösungsmöglichkeiten mit langfristigen Charakter. Auf Anfrage teilt Schnitzenbaumer derweil mit, dass für eine kurzfristige Lösung „eine Idee“ aufgetaucht sei. Diese werde er nächste Woche dem Gemeinderat unterbreiten. Die jüngste Sitzung war aufgrund der fortgeschrittenen Stunde unterbrochen worden und wird am am Donnerstag, 28. Juli, fortgesetzt.

Derzeit bleibt der Gemeinde nur, nach Tagesmüttern zu suchen. Einen entsprechenden Aufruf hat Schliersee auf seine Rathaus-Homepage gestellt. Infos gibt es auch unter 0 80 25 / 7 04 42 25.

Von Daniel Krehl

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