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Großes Interesse: Gut 200 Schlierseer verfolgten die Podiumsdiskussion im Forum der Vitalwelt. Gemessen am Applaus für die Wortbeiträge war dort eine deutliche Mehrheit pro Sixtus an der Seestraße eingestellt.

Philipp Lahm schaltet sich per Video aus Madrid zu

Vor Bürgerentscheid: Sixtus und Gegner treffen sich zum Schlagabtausch

Schliersee – In gut einer Woche entscheiden die Schlierseer, ob Sixtus sein neues Firmendomizil an der Seestraße bauen darf. Bei einer Podiumsdiskussion ging es nun heiß her.

Viel ist informiert worden, seit die Bürgerinitiative (BI) „Schliersees Schönheit bewahren“ im Juli die Unterschriften gegen das Bauvorhaben der Firma Sixtus nahe dem Schlierseer Ostufer im Rathaus abgegeben hat. Und viele dieser Informationen münden letztlich in Glaubensfragen und unterschiedliche Vorhersagen. 

Gewerbesteuer - bald oder erst in zehn Jahren?

Etwa die Frage, ab wann die Firma Sixtus in Schliersee Gewerbesteuer zahlt. Geschäftsführerin Petra Reindl sagt: ab 2019 oder 2020. Die Vertreterin der Bürgerinitiative, Babette Wehrmann, behauptet: in den nächsten zehn Jahren nicht.

Verkehrsaufkommen

Auch die Frage nach dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen und ob die Zahl der Parkplätze (aktuell geplant: 58) reicht, wird wohl erst beantwortet, wenn Sixtus – ein entsprechendes Bürgervotum vorausgesetzt – den Betrieb an der Seestraße aufgenommen hat. Die Kritiker befürchten einen Verkehrsinfarkt auf der ohnehin schon hochgradig belasteten Bundesstraße. Sixtus glaubt dies nicht, weil der geplante Firmenstandort mit Produktion, Erlebniswelt, kleinem Bistro und Shop eher keine zusätzlichen Besuchermassen nach Schliersee lockt, sondern sich zunächst an jene richte, die eh schon nach Schliersee kommen.

Alternativstandort Stögerwiese?

Bei der Podiumsdiskussion im schier überquellenden Forum der Vitalwelt kam am Mittwoch wiederholt auch die Frage nach Alternativ-Standorten für Sixtus in Schliersee auf. Die habe man geprüft, sagte Franz Kroha, neben Profifußballer Philipp Lahm bekanntlich Miteigentümer von Sixtus. Doch die sogenannte Stögerwiese am Kirchbichl sei zum einen verkehrstechnisch problematisch mit der spitzwinkligen Abbiegesituation an der Bundesstraße und obendrein von Wohnbebauung umgeben. 

Soll sich das Unternehmen Sixtus in Schliersee ansiedeln?

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer fügte an: „Sie war nicht auf dem Markt.“ Dem widersprach am Ende des Abends Eigentümer Hubert Stöger, der von einem Angebot an Sixtus sprach. Reindl entgegnete, dass sie bei einem privaten Abendessen von Stöger mit dem Angebot konfrontiert worden sei. Kein Umfeld für Verkaufsverhandlungen. Dafür landete das vermeintliche Angebot ohne Kenntnis von Sixtus im Umweltausschuss des Kreistags, was Reindl wiederum mit einem klärenden Brief beantwortete.

„Schliersee Seestraße oder eben nicht Schliersee.“

Die Kritikerin: Babette Wehrmann vertrat die Sichtweise der Bürgerinitiative.

Eine vermutlich überflüssige Diskussion, denn aktuell lauten die Alternativen ohnehin: „Schliersee Seestraße oder eben nicht Schliersee.“ Auf die Frage nach einem Plan B angesprochen, sagte Kroha: „Natürlich haben wir einen. Alles andere wäre ja fahrlässig. Wir haben viele Angebote von anderen Gemeinden.“ Das Ende des jetzigen Firmenstandorts in Hausham ist beschlossene Sache. Es bestehe Zeitzwang, der keinen Neustart einer umfangreichen Bauleitplanung erlaube, so Kroha. Als interessierte Gemeinden nannte der Miesbacher Unternehmer Irschenberg und Waakirchen.

„Dieses Grundstück ist ideal. Wir brauchen Sichtbarkeit.“

Der Favorit bleibt derweil der Standort an der Seestraße. Kroha: „Dieses Grundstück ist ideal. Wir brauchen Sichtbarkeit.“ Unbestritten ist, dass ein Neubau einen Eingriff in die Natur bedeuten würde – der Kern der Auseinandersetzung. Dies bekräftigte auch Wehrmann, obwohl Teile der BI in den vergangenen Wochen den Eindruck vermittelten, beim Miesbacher Mittelständler Kroha handle es sich um eine anonyme Heuschrecke. „Es geht uns um den Standort“, sagte Wehrmann, die sich im Übrigen als einzige BI-Vertreterin vier Ansprechpartnern der Ansiedlungs-Befürworter – neben den genannten auch Architekt Herbert Wagenpfeil – gegenüber sah.

Naturschutz: Ansiedlung „gravierende Fehlentwicklung mit Signalwirkung“

Der Investor: Franz Kroha (l.) stand Rede und Antwort.

Mit dem Fachlichen Naturschutz am Landratsamt teilt die BI die Meinung, dass eine Sixtus-Ansiedlung an der Seestraße eine „gravierende Fehlentwicklung mit Signalwirkung“ sei. Die Befürchtung: Nach und nach wird die Lücke zwischen Schlierseer Ortsausgang und Gruppenschule geschlossen. Eine Tourismus-Gemeinde würde damit ihr eigenes Kapital aufzehren: die Schönheit ihrer Landschaft. Energischer Widerspruch von Bürgermeister Schnitzenbaumer: Der Kreistag habe deutlich gemacht, dass er über die notwendigen 7000 Quadratmeter hinaus keinen weiteren Herausnahmen aus dem Landschaftsschutz zustimmen werde. 

Gemeinde: Hügel nördlich des betreffenden Grundstücks werde nicht angegriffen

Und auch der Gemeinderat vertrete die Haltung: Der Hügel nördlich des betreffenden Grundstücks werde nicht angegriffen. Ein Präzedenzfall, wie von der BI befürchtet, bestehe hier nicht, so Schnitzenbaumer. Denn aus einem Baurecht für Sixtus ließen sich keinerlei Rechte für Dritte ableiten. Was das Thema spätere Erweiterung betrifft, so beteuert das Unternehmen, dass es bis zur Grenze dessen, was man selbst an Wachstum für möglich hält, mit den geplanten Kapazitäten zurechtkomme. Natürlich, so fügte Schnitzenbaumer an, wisse niemand, wie die folgenden Generationen mit dem Thema Grünflächen und Bebauung umgehen werden.

In der insgesamt sachlichen Diskussion, moderiert von Alexander Bronisch aus Warngau, wurde unter anderem auch geklärt, dass Sixtus die Linksabbiegespur zahlen muss und dass einzig und allein für den Hersteller von Körperpflegemitteln für Sportler gebaut werden darf. Verlässt er den Standort, „kann der Eigentümer nur mit dem Gemeinderat zusammen etwas entwickeln“, so Schnitzenbaumer.

Philipp Lahm: "Erlebnisort spielt eine wichtige Rolle"

Zu Wort – wenn auch nur per Videoaufzeichnung aus Madrid – kam übrigens auch Philipp Lahm. Der betonte, an den Erfolg von Sixtus zu glauben und dass er überzeugt sei, dass „der Erlebnisort eine wichtige Rolle spielt“. Die Gemeinde wiederum hofft über die Verbindung der Firma Sixtus mit dem Namen weithin, ja weltweit, Aufmerksamkeit zu bekommen. Aus Sicht von Touristikern ein nicht zu unterschätzender Wert. Die allermeisten wollen Sixtus wieder in Schliersee haben. Ob die Mehrheit das Vorhaben „Sixtus an der Seestraße“ für weitsichtige Ansiedlungspolitik oder für eine folgenschwere Fehleinschätzung hält, zeigt sich indes erst am 9. Oktober.

Daniel Krehl

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