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Guter Dinge vor dem Start: SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold (l.) begrüßt Bundesministerin Andrea Nahles (in blau) am Parkplatz der Schliersbergalm.

Bundesarbeitsministerin mit SPD auf Tour

Andrea Nahles bezwingt die Schliersbergsalm

Schliersee - Lädierte Hüfte, weite Anfahrt, Nieselregen: All das konnte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles nicht von der durch die Bayern-SPD organisierten Wanderung auf die Schliersbergalm abhalten.

Die Farbe stimmt, die Botschaft auch. „Gut“ steht auf dem Rücken der knallroten Allwetterjacke von Florian Pronold. Wenigstens einer in Parteikluft, könnte man angesichts der bunt gekleideten SPD-Wandergruppe am Parkplatz der Schliersbergalm meinen. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der rote Regenschutz des Landesvorsitzenden als Mogelpackung. Statt des SPD-Schriftzugs verrät ein Logo auf dem Ärmel, für wen Pronold hier wirklich wirbt: die Sparkasse.

Pikant, vor allem im Landkreis Miesbach. Darauf angesprochen, zeigt sich der Politiker reumütig. „Das ist die alte Verbundenheit“, sagt er und lacht. Er habe bei der Sparkasse Deggendorf gelernt. Pronolds prominenter Gast versteht die Aufregung nicht. „Was ist denn mit der Sparkasse?“, fragt Andrea Nahles. Ihr bayerischer Genosse klärt die Bundesarbeits- und Sozialministerin schmunzelnd über die Sponsoring-Affäre auf. Die Eifel ist eben nicht nur geografisch weit weg vom Alpenrand.

Berge gebe es dort aber auch, versichert Nahles, als sie auf einer Holzpalette im Nieselregen die Wanderstiefel schnürt. Trotzdem sei die „Bergauf-Tour“ auf die Schliersbergalm, zu der sie die Bayern-SPD eingeladen hat, ein Experiment. „Ich hab’ es an der Hüfte“, klärt Nahles ihre gut 50 Begleiter auf. „Vor allem bergrunter mach ich mir Sorgen.“ Zum Glück gibt’s ja die Seilbahn.

Nur der angekündigte einheimische Bergführer fehlt. Bundestagsabgeordneter Klaus Barthel hat seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. Warum, weiß nicht mal Pronold. Ein Ausweichen vor unangenehmen Fragen über seinen Rückzug 2017, der die Genossen im Wahlkreis wie berichtet in unerwartete Personalnöte gebracht hat? „Nein“, versichert Barthels Kollegin aus Augsburg, Ulrike Bahr. „Er war gestern bis spät abends bei einer Konferenz.“

Bekehrungsversuche von der Obrigkeit hätte Barthel ohnehin nicht zu befürchten gehabt, meint Pronold. „Das ist einzig und allein seine Sache“, sagt er. Er respektiere es, wenn ein verdienter Kollege weiß, wann es gut ist. „Eine Einmischung verbietet sich da.“ Nahles formuliert es noch deutlicher. „Es wäre tödlich, wenn wir da mitreden“, betont sie. Gleiches gelte für Kandidatenvorschläge. Tipps gibt die Ministerin dennoch. Lust auf Menschen müsse man haben in diesem Job. „Und heimatverbunden sein.“ Gar nicht so leicht in einem Wahlkreis, in dem Heimat und Tradition eng an die CSU geknüpft sind. Eine Ausrede, die Nahles nicht gelten lässt. „Ich komme auch aus einem schwarzen Eck.“

Ab und zu kommt sie durch, die hartnäckige und bissige Seite der Ministerin, mit der sie sich in ihrer Zeit als SPD-Generalsekretärin nicht nur Freunde gemacht hat. Doch die Spitzenpolitikerin lässt auch ihre private Seite aufblitzen, während sie durch den Nebel stapft. Jeder könne sie ansprechen, hat sie vor dem Start gesagt. Dafür würgt sie auch mal einen Medienvertreter ab. „Jetzt ist aber gut“, sagt sie, als sie ein Journalist der „Bunten“ ein paar Minuten gelöchert hat.

Ernst Höltschl hält sich da zurück. Der Vorsitzende der Schlierseer SPD freut sich zwar, dass mal wieder jemand von der Parteispitze im Ort ist. In die erste Reihe drängen muss er sich deswegen aber nicht. Schließlich hat er schon ganz andere Namen in der Marktgemeinde begrüßt. Zum Beispiel 1972 Willy Brandt. „Da waren zehntausend Leute da“, schwärmt Höltschl. Auch der Unterbezirksvorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), Hans Pawlovsky, lässt die Ministerin beim Wandern in Ruhe. Dafür hat er ihr vorher einen handgeschriebenen Brief überreicht. Thema: ein Aufruf zum Kampf für einen Mindestlohn von 11,50 Euro.

Schwere politische Kost, die Nahles beim Marsch locker wegsteckt. Nur einmal legt sie eine Verschnaufpause ein – für ein Kamerateam von RTL. Außer Atem ist sie selbst auf der Terrasse der Schliersbergalm nicht – aber erleichtert. „Für eine Eifeltirolerin war das nicht ohne“, scherzt sie. Etwas höher hinaus muss die Ministerin im Allgäu-Urlaub mit ihrer Tochter, erzählt sie. „Die will unbedingt mal ein Murmeltier sehen.“

sg

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