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Gespannte Atmosphäre: Der Umweltausschuss unter der Leitung von Landrat Wolfgang Rzehak (l.) hat intensiv über das Bauvorhaben der Firma Sixtus am Schliersee beraten. Auch (hinten ab 2.v.l.) Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer, Sixtus-Inhaber Franz Kroha und Geschäftsführerin Petra Reindl waren erschienen.

Die Stimme des Grünen-Landrats gibt den Ausschlag

Umweltausschuss gibt knappe Empfehlung für Sixtus

Schliersee/Miesbach - Das Sixtus-Vorhaben am Schliersee hat die erste Hürde genommen. Mit hauchdünner Mehrheit hat der Umweltausschuss dem Kreistag die Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet empfohlen.

Ausgerechnet sein Grünen-Parteikollege Gerhard Waas widersprach Landrat Wolfgang Rzehaks Bitte um eine emotionslose Debatte. Das könne er bei Sixtus einfach nicht, rechtfertigte sich der Schlierseer Gemeinderat im Umweltausschuss des Kreistags. „Ich habe das Sixtus-Öl schon gemocht, als ich von der Firma noch gar nichts gewusst habe“, schickte der begeisterte Taekwondo-Sportler seinen Ausführungen voraus.

Dass die dann zu einem „Generalangriff“ auf das Bauvorhaben des Sport-Pflegemittelherstellers an der Schlierseer Seestraße gerieten, begründete Waas wie folgt: „Es geht nicht darum, wer baut, sondern was wohin kommt.“ Und da passe Sixtus eben ganz und gar nicht ins Landschaftsschutzgebiet. „Das wäre ein Tabubruch mit Symbolcharakter.“

Wie berichtet, plant das momentan in Hausham ansässige Unternehmen auf einem gut 7000 Quadratmeter großen Grundstück neben der sogenannten Gruppenschule einen neuen Firmenstandort. 4000 Quadratmeter müsste der Kreistag dafür aus dem Landschaftsschutzgebiet entnehmen. Ein heißes Eisen, das der Umweltausschuss gestern in einen Empfehlungsbeschluss gießen musste. Selbst er habe zwei Herzen in seiner Brust, gestand Rzehak. So sei es ihm natürlich wichtig, die Landschaft zu schützen. Andererseits passe Sixtus als kräuterverarbeitender Betrieb gut in die Öko-Modellregion. „Es ist ein Dilemma“, sagte Rzehak.

Landschaftsschutzgebiete und die gefühlt immer häufiger auftretenden Herausnahmen haben im Landkreis eine Lange Tradition, wie unsere Hintergrund-Recherche zu dem Thema zeigt.

Von einem Dilemma für die Landschaft sprach dagegen Waas. Nicht nur für die 7000 Quadratmeter an der Seestraße, sondern für Tausende Hektar Fläche, von denen aus man die Gebäude künftig sehen könne. Es gebe keinen anderen Baukörper in Schliersee, der die Landschaft so massiv beeinträchtige. Ganz zu schweigen von den Verkehrsproblemen. Eine Abbiegespur wäre ein weiterer Eingriff ins Schutzgebiet, aber ohne gehe es eben auch nicht, erklärte Waas. „Beim Freilichtmuseum in Fischhausen gibt’s regelmäßig ein kleines Verkehrschaos.“ Er schlug Sixtus daher einen anderen Standort am nördlichen Ortseingang vor. Das Grundstück dort liege nur zur Hälfte im Schutzgebiet, sei fast rundherum bebaut und von der Bundesstraße her gut erschlossen.

Auch Michael Lechner (FWG) plädierte für einen Alternativstandort. „Ich habe noch nie so eine klar formulierte, vollständige Ablehnung unserer Fachstelle gelesen“, sagte er. Wie berichtet, hatte sich neben der Unteren Naturschutzbehörde auch der Bund Naturschutz gegen die Herausnahme ausgesprochen, der Deutsche Alpenverein sieht sie zumindest kritisch. Ein zentrales Argument: mögliche Erweiterungen, sollte es für Sixtus am Schliersee gut laufen. Karl Bär (Grüne) erinnerte in diesem Zusammenhang an vergleichbare Anträge im Louisenthal bei Gmund und in Waakirchen. „Ich kann die Angst der Schlierseer vor einer Scheibchentaktik verstehen“, sagte Bär. Die Vertreter der Bürgerinitiative auf den Zuschauerplätzen im Sitzungssaal nickten heftig.

Anders Sixtus-Geschäftsführerin Petra Reindl, die bekanntlich in einer eigenen Stellungnahme Erweiterungspläne klar ausgeschlossen hatte. Im Umweltausschuss überließ sie Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) das Wort. Der nutzte das Rederecht, das ihm der Ausschuss zuvor eingeräumt hatte, für eine ebenfalls emotionale Argumentation. „Sixtus ist in Schliersee gegründet worden“, sagte er. „Das ist ein einheimisches Unternehmen, das gut zu uns passt.“ Der Firma einen anderen Standort vorzuschlagen, komme für ihn nicht infrage. „Ein Investor weiß, wo es für ihn am besten passt.“

Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) sah das ähnlich. Eine Firma brauche eben ein Grundstück an einer viel befahrenen Straße. Und bei einer Wohnbebauung an dieser Stelle sei mit Sicherheit nicht weniger Verkehr zu erwarten. Auch aus landwirtschaftlicher Sicht spreche nichts gegen die Sixtus-Pläne, fügte Leonhard Obermüller (CSU) hinzu. „Diese Feuchtfläche ist kein Verlust.“

Ganz so eindeutig sah es der Landrat nicht. Trotzdem habe ihn das Konzept von Sixtus überzeugt. An seine Zustimmung knüpfte er die „moralische Zusicherung“ Schnitzenbaumers, die Wiederaufnahme der Fläche ins Schutzgebiet zu beantragen, falls das Unternehmen seine Pläne doch noch fallen lasse. „Da stehe ich dazu“, versicherte der Bürgermeister.

Ein Argument, das im Umweltausschuss nur eine hauchdünne Mehrheit fand. Mit 7:6 Stimmen empfahl das Gremium letztlich dem Kreistag, bei der Sitzung am Mittwoch der Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet zuzustimmen. Und ganz emotionslos wirkte am Ende selbst der Landrat nicht mehr. So schickte er seinem Votum für Sixtus fast eine Art Rechtfertigung voraus: „Für Aldi würde ich auch nichts opfern.“

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