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Die sechs Bienenvölker im Wasmeier Museum haben ganz besonders schöne Heime. Als das Bienenhaus 2014 aufgestellt wurde, hat Günther Wasmeier die Kästen kunstvoll bemalt. 

Imker Günther Wasmeier bekämpft die Varroamilbe

Ganz schön fies: Kleine Asiatin saugt westliche Biene aus

Schliersee - Die Varroamilbe hat es auf das Blut der Bienenbrut abgesehen und schwächt die Völker. Die Imker Manfred Kick und Günther Wasmeier gehen im Schlierseer Freiluftmuseum gegen den Parasit vor. 

Drei Federn hat sich Günther Wasmeier, 77, an den Strohhut gesteckt. Das grüne Band am Hut passt zu Lederhose und Strümpfen. So werkelt er ständig im Wasmeier Freiluftmuseum herum. Einige Zeit verbringt er auch in seinem Bienenhaus. Eigenhändig hat er die sechs Kästen mit religiösen Motiven bemalt. Ein Hingucker.

Es brummt und summt am Eingang zu den bunten Magazinbeuten. Die Bienen sind kerngesund und liefern in diesem Jahr genügend Honig. Das ist nicht zuletzt Günther Wasmeiers Fürsorge geschuldet. Gemeinsam mit Manfred Kick schaut er regelmäßig, ob alles passt. Wer sich nicht um seine Honigsammler kümmert, braucht sich auch nicht wundern, wenn sie krank werden. Denn die Varroamilbe lauert ständig.

Die Varroamilbe: Eingeschleppt aus Südostasien

Importiert wurde der unliebsame Parasit aus Südostasien. „Die asiatische Honigbiene kommt mit der Varroa zurecht“, erklärt Kick, der für Unser Land, ein Netzwerk für regionale Produkte, Honig macht. Seit die Milben aber vor 30 Jahren nach Europa eingeschleppt wurden, hat die westliche Biene ein Problem. Denn: „Die saugen die Biene aus“, sagt Wasmeier.

Genauer gesagt, ist die Brut davon betroffen. Das 1,2 Millimeter lange Milbenweibchen versteckt sich zwischen der Bienenbrut. „In der Brut vermehren sie sich, saugen sie aus und schwächen sie“, erklärt Kick, während er Wasmeier hilft, die sechs Völker zu kontrollieren. Wöchentlich schauen die beiden Imker nach, ob sich Milben eingeschlichen haben.

Geschwächte Bienen fliegen nicht mehr aus, um Honig zu sammeln. Und wenn doch, kann es sein, dass sie nicht mehr zurückkehren. „Außerdem werden sie so leichter von Viren befallen“, sagt Kick. Imker sollten also immer darum bemüht sein, den Varroamilben keinen Platz zu bieten. Wichtig dabei ist besonders, dass die Bienen genug zu essen haben. Denn hungrige Honigsammler sind leichte Beute.

Die Bekämpfung: Mit Ameisensäure gegen den Parasit

Gleich nach dem Honigschleudern muss der Imker die Waben teilweise auffüllen, beispielsweise mit Zuckerwasser. „Wenn die Bienen hungern, verlierst du bis zu 50 Prozent von deinem Volk“, weiß Wasmeier aus Erfahrungen anderer Imker. Zusätzlich zum Füttern steht nach der Honigentnahme die Varroabehandlung an.

Imker im Landkreis können sich dabei glücklich schätzen. Im Veterinäramt können sie anmelden, wie viele Völker sie haben, und bekommen dementsprechendes Material für die Varroabekämpfung bezuschusst. Und das wäre: Ameisensäure, ein Verdunster und ein Vliestuch. Außerdem eine Schutzbrille und Handschuhe für den Imker. Etwa 200 Milliliter Ameisensäure werden in den Verdunster gefüllt, der wird auf das Vliestuch gelegt. Die Konzentration der verdunsteten Säure soll bei 60 Prozent liegen. Kick erklärt, wieso: „Das tötet die Varroen ab. Ist es aber zu viel, gehen auch die Bienen kaputt.“

Doch Achtung, Ameisensäure ist ätzend. „Handschuhe sind empfehlenswert, und in die Augen darf man es gar nicht kriegen“, betont Kick. Wasmeier führt die Behandlung deshalb zu Demontrationszwecken ohne Säure vor. Sonst trägt er aber eine Schutzausrüstung.

Die Kontrolle: Mehr als fünf Milben am Tag sind bedenklich

Die Bienenbrut ist nach neun bis zehn Tagen fertig entwickelt. Und genau so lange bleibt das Konstrukt mit Ameisensäure liegen. Es gibt auch andere Mittel zur Varroabekämpfung. Von denen halten Kick und Wasmeier aber nichts. „Einige hinterlassen chemische Rückstände im Honig.“

Ob die Säure die gewünschte Wirkung erzielt hat, kontrollieren die Imker regelmäßig. Unten an der Magazinbeute zieht Wasmeier ein Holzbrett hervor. Darauf sammeln sich Dreck und eben die getöteten Parasiten. Er muss sich anstrengen, um eine Varroamilbe zu entdecken. Ein gutes Zeichen. „Wenn pro Tag mehr als fünf Varroen darauf sind, wäre das bedenklich“, sagt Kick.

Der Imker wagt einen Blick in die Zukunft. Er glaubt, dass die westliche Zucht irgendwann soweit sein könnte, dass die Bienen sich selbst gegen die Milben verteidigen können. Genau wie es die asiatische Biene macht. Einen Haken gibt’s aber. „Die Bienen werden dann aggressiver.“ Denn ob Varroa oder Mensch – die fleißigen Sammler machen dann keinen Unterschied mehr zwischen ihren Feinden.

Günther Wasmeier zeigt's: Der Varroamilbe geht's an den Kragen

In Teil 1 der Serie suchte Imker Manfred Kick Weiselzellen, in Teil zwei wurde Honig geschleudert.

Das Imker-ABC Teil drei

Die Imkerei ist ein breites Feld mit vielen verschiedenen Fachbegriffen. Die wichtigsten haben wir in unserem Imker-ABC zusammengefasst. Diesmal: Imkern von M bis S.

M wie Magazinbeute

In der modernen Imkerei ist das die Behausung der Bienen. Oben und unten offene Kisten werden aufeinander gestapelt. Innen werden Rahmen mit Bienenwaben eingehängt. Der Boden hat ein Flugloch, oben gibt es eine Abdeckung fürs Wetter.

N wie Nektar

In den Honigmagen der Biene passen 0,05 bis 0,06 Milliliter Pflanzensaft. Ist der Speicher voll, gibt die Biene den Nektar an Arbeiterinnen im Stock ab. Die sondern das Wasser aus dem Nektar, geben eigene Stoffe hinzu und lagern den Honig in Waben.

O wie Ohren

Bienen haben keine Ohren. Lange wurde deshalb angenommen, dass sie taub seien. Doch sie können bestimmte Töne hören und verständigen sich damit zum Teil. Eine Art Hörorgan sitzt an der Fühlerbasis. Damit werden Schwingungen der Töne wahrgenommen.

P wie Propolis

Die von Bienen hergestellte harzartige Masse wird Propolis genannt. Sie hat eine anibiotische Wirkung und dient der Biene zum Abwehren von Krankheiten. Im Alten Ägypten wurde der Stoff zum Einbalsamieren von Mumien verwendet, heutzutage wird Propolis in der Medizin eingesetzt.

Q wie Quelle

Die wichtigste Nahrungsquelle der Bienen sind süße Blütenpflanzen. Daraus beziehen die Arbeiterinnen Nektar und Pollen. Letztere sind besonders für die Brut wichtig und dienen der Eiweißversorgung.

R wie Reinigungsflug

Während der Winterwochen fliegt die Biene bei Sonnenschein und mindestens 10 Grad Außentemperatur nach draußen, um Exkremente zu entsorgen, die sich in ihrer Kotblase angesammelt haben. Plötzlicher Wind oder Regen ist dabei gefährlich.

S wie Smoker

Der Smoker ist ein Imkereigerät. Der Rauch stellt für die Honigsammler eine Bedrohung dar, daher bereiten sie emsig ihre Flucht vor. Sie sind dabei so abgelenkt, dass der Imker problemlos am Bienenstock arbeiten kann.

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