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Der Anbau kommt – mit Kindergarten: Auf dieser Fläche am Heimatmuseum (r.) will Schliersee so schnell wie möglich bauen. Das alte Schulhaus (l.) lehnte der Gemeinderat mehrheitlich als Alternative ab, dafür soll die alte Sporthalle (gleich hinter der Schule) als Mehrzweckraum für den Kindergarten dienen.

Deutlich zu wenig Plätze

Jetzt pressiert's: Schliersee baut Kindergarten

Der Gemeinderat Schliersee gibt Gas wie selten zuvor. Binnen eines Jahres möchte er einen neuen Kindergarten bezugsfertig errichtet haben

Die Versorgungslücke ist groß und traf Schliersee im Frühjahr völlig unvorbereitet. Eine ganze Kindergartengruppe fehlt in der Marktgemeinde (wir berichteten). Nun soll schnell eine Lösung her. Im Juli hatte der Gemeinderat nicht öffentlich vorberaten, welche Standort-Alternativen es gibt. Am Mittwochabend hat er entschieden, den Anbau ans Heimatmuseum dafür zu verwenden. In das Vorhaben, bei dem das Rathaus bisher eher auf der Stelle trat, kommt nun richtig Bewegung, denn endlich hat man eine Verwendung für das Erdgeschoss. Daran hatte es bislang gemangelt. Keller und Obergeschoss sollen mit Übungsräumen sowie Lager- und Ausstellungsflächen für Vereine und Musikkapellen belegt sein (wir berichteten). 

Im Vorfeld hatte die Verwaltung mögliche Alternativen auf anderen gemeindeeigenen Grundstücken bewertet. Im Gespräch waren der Kurpark an der Josefsthaler Straße in Neuhaus, der Waldfestplatz in Schliersee, das alte Schulhaus und das Gewerbegebiet Breitenbach. Dort hat sich die Gemeinde im Zuge der Aufwertung zum Wohngebiet zwei Grundstücke gesichert. Räumt man dem Thema Dringlichkeit hohe Priorität ein, bleibt nur das alte Schulhaus übrig. Bei den anderen Alternativen müsste die Gemeinde einen Bebauungsplan ändern oder aufstellen. Binnen eines Jahres ein fertiges Bauwerk dastehen zu haben, wäre nie und nimmer zu machen. 

Vom alten Schulhaus will die Mehrheit des Gemeinderats die Finger lassen. Den Sanierungsaufwand hält sie für zu hoch. Selbst einen belastbaren Kostenvergleich zwischen Schulhaus-Sanierung und Neubau am Heimatmuseum zu erstellen – dies hatte Gemeinderat Michael Dürr (PWG) gefordert – würde den Zeitrahmen sprengen, wie Geschäftsleiter Jörn Alkofer meinte. Eine eingehendere Untersuchung der Bausubstanz sein nicht zerstörungsfrei möglich – so müssten etwa Decken heruntergenommen werden. Bis ein Fachbüro Ergebnisse liefert, wäre die Oktober-Sitzung des Gemeinderats Geschichte. Und in dieser will das Gremium Nägel mit Köpfen machen. Vorliegen müsste dafür neben einer Planung auch eine qualifizierte Kostenberechnung. Nur damit kann die Gemeinde Fördermittel beantragen und loslegen, sobald die Regierung von Oberbayern Grünes Licht gibt. 

Die Gemeinde kontaktiert nun die ortsansässigen Architekten. Das Rennen macht, wer es schafft, bis zur Oktobersitzung zu liefern. Die Entscheidung pro Heimatmuseum fiel gegen vier Stimmen. Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) sagte am Ende: „Ich glaub’, das ist schon ein Meilenstein.“ Damit ist der von Dürr wiederholt geforderte Beschluss zum Anbau endlich auch gefallen. Zudem verwies der PWG-Gemeinderat darauf, dass er bereits im März auf den Engpass hingewiesen und die Alternative Schulhaus ins Spiel gebracht habe. Robert Mödl (Die Schlierseer) entgegnete dem, dass zwei Bürgerentscheide sich dagegen ausgesprochen hätten, Geld in dieses Gebäude zu stecken. 

Ebenso wie Mödl verwies CSU-Fraktionssprecher Florian Zeindl – er drängte besonders auf einen Beschluss schon im Oktober – darauf, dass im Gemeinderat weitgehende Einigkeit darüber herrsche, den Anbau ans Heimatmuseum als ersten Schritt in der Ortsmitte-Entwicklung zu gehen. „Wir können das Heimatmuseum jetzt so entwickeln, wie wir es brauchen.“ 

Der Kindergarten im Erdgeschoss soll einen eigenen Eingang bekommen und somit von den anderen Nutzungen in dem Gebäude getrennt sein. Eine besondere Bedeutung kommt der nahegelegenen alten Turnhalle zu. Sie soll dem Kindergarten als Mehrzweckraum dienen. Diese Halle zu erhalten, war insbesondere Gerhard Waas (Grüne) wichtig. „Die ist sehr gut ausgenutzt.“ Größere Investitionen in das Gebäude sind deshalb aber nicht geplant, wie Schnitzenbaumer auf Anfrage sagt. 

Vor der Standort-Diskussion hatte der Gemeinderat einen zusätzlichen langfristigen Bedarf von zwei Kindergartengruppen anerkannt. Dieser wird wohl nicht zum September 2017 in vollem Umfang vorhanden sein. Steht der Anbau am Heimatmuseum da schon, könnte der an der Grenze der Raumkapazitäten arbeitende Kindergarten Regenbogen um eine Gruppe verkleinert werden. Aktuell sind bei der Gemeinde 165 Kinder zwischen drei und fünf Jahren gemeldet. Die nachrückenden Kindergarten-Jahrgänge sind ähnlich stark wie die aktuellen. Zudem bleiben einige auch im Alter von sechs Jahren noch im Kindergarten. Dies und der absehbare Wohnungsbau legt einen ungebrochen höheren Bedarf an Betreuungsplätzen nahe.

Mit der Entscheidung kommt endlich auch Bewegungin die Ortsmitte-Planung. Mit dem Heimatmuseum wollten Schliersee eigentlich schon deutlich weiter sein.

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