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Lediglich ein Kranz: Heuer gedachte am Weinberg nur der als rechtsextrem geltende „Stahlhelm B.D.F.“ der 52 Freikorps-Kämpfer. 

Annaberg-Gedenkfeier

Kirchenverwaltung bewegt sich nun doch 

Schliersee - Annaberg-Gedenktafel: Die Pfarrei Schliersee will sich über Hintergründe informieren und dann über eine Entfernung entscheiden. 

Gebetsmühlenartig haben die Kritiker der Annaberg-Gedenkfeier in den vergangenen Jahren die Entfernung der Erinnerungstafel an der Weinbergkapelle in Schliersee verlangt (wir berichteten). Nun sind sie noch einmal in die Offensive gegangen und unterstreichen ihre Forderung in offenen Briefen an Pfarrgemeinderat und den neuen Schlierseer Pfarrer Hans Sinseder. Und tatsächlich: Die Kirche wird sich mit dem Thema befassen. Dies hatte sie allerdings schon vor den Briefen vor.

Die Geschehnisse im Jahr 1921 am schlesischen Annaberg zu bewerten, ist kompliziert. Damals erstürmten deutsche Freikorps den von polnischen Freischärler-Truppen besetzten Berg. Auch das Freikorps Oberland – da schon Bund Oberland genannt – war dabei. 52 Kämpfer ließen in Schlesien ihr Leben. Noch im selben Jahr wurde der Grundstein für ein Denkmal auf dem Schlierseer Weinberg gelegt – in Anwesenheit von Hermann Göring. Die späteren Gedenkfeiern, so schreibt es Eva Hintermeier in ihrer Abhandlung „Geschichte der Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland“, „wurden nie allein im Rahmen einer bloßen und sicherlich durchaus legitimen Würdigung der Toten abgehalten“. Vielmehr hatten sie eine politische Dimension nationalsozialistischer Prägung. Auch deshalb sprengten die Amerikaner 1945 das Denkmal. Die heutige Tafel wurde in den 1950er-Jahren vom damaligen Pfarrer Josef Wiedholz angebracht, dessen Bruder als Freikorps-Mitglied am Annaberg gekämpft hatte.

In den folgenden Jahrzehnten besuchten neben Vertriebenenverbänden auch rechtsextreme Organisationen und Personen die Gedenkfeiern. Auch Gudrun Burwitz, Tochter von Heinrich Himmler, war da. Es erklang die erste Strophe der deutschen Nationalhymne, einmal wurde bei dem offiziell als Gottesdienst firmierenden Gedenken sogar eine NPD-Fahne geschwenkt, was allerdings schnell unterbunden wurde. Erst vor gut zehn Jahren regte sich Widerstand. Zuletzt fand das Gedenken fast schon im Geheimen statt. Heuer war noch nicht einmal ein Kranz der Oberländer zu sehen – oder jemand hat ihn eilends entfernt. Lediglich der „Stahlhelm B.D.F“ (Bund der Frontsoldaten) – eine republik- und demokratiefeindliche Vereinigung zu Zeiten der Weimarer Republik – hatte ein Gebinde abgelegt.

Wie berichtet, hatten wenige Tage zuvor die Künstler Joss Bachhofer und Wolfram Kastner in einer „ästhetischen Intervention“ die Tafel mit einer anderen überdeckt. Schon ein paar Stunden später hatte sie jemand wieder entfernt. In der Folge wendeten sich die beiden Künstler an Sinseder und den Pfarrgemeinderat und baten um die Entfernung der Annaberg-Gedenktafel oder zumindest einen gut sichtbaren kommentierenden Text. Auch von Hans Pawlovsky, steter Kämpfer gegen die Gedenkfeier, kam Post. Zum Beispiel schreibt er: „Ich möchte darauf hinweisen, dass auch die Kirche in ihren Reihen zahlreiche Opfer der Nazidiktatur zu beklagen hat. (....) Man wird den Opfern nicht gerecht, wenn man sich nicht von den Tätern distanziert. Die Gefallenen gehörten eindeutig zu Vorläuferorganisationen der NSDAP. Sie sind zu betrauern, aber nicht als Idole zu instrumentalisieren für rechtsextremes Denken und Handeln.“

Was die Autoren nicht wussten: Die Mühe hätten sie sich sparen können. Wie Pfarrer Sinseder auf Anfrage mitteilt, wird sich die Schlierseer Pfarrei tatsächlich mit der Frage befassen, wie mit der Tafel umgegangen werden soll. Laut Sinseder kam der Anstoß von der Seelsorgeregion Süd in der Erzdiözese. Allerdings wird eine Entscheidung nicht schnell fallen. Die örtlichen Kirchenvertreter wollen einen Experten einladen, der über historische Zusammenhänge Auskunft gibt und eine Einschätzung trifft. Noch stehen aber weder Name noch Termin fest. Immerhin: Anders als in den vergangenen Jahren ist Bewegung in der Sache.

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