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Ungetrübte Feierstimmung: Die Gäste wussten nichts von der Bombendrohung auf dem Schlierseer Seefest.

Normalerweise wird die Öffentlichkeit nicht informiert

Polizei: Darum war die Bombendrohung so heikel

Schliersee - Das Schlierseer Seefest stand am Samstagabend kurz vor der Räumung – und keiner der Gäste hat etwas davon mitbekommen. Veranstalter und Polizei standen dagegen unter Hochspannung. 

Tausende Gäste drängen sich zwischen den Ständen auf der Seewiese. Die Partystimmung auf dem Schlierseer Seefest nähert sich am Samstagabend ihrem Höhepunkt. Was niemand ahnt: Die bis zu diesem Zeitpunkt so friedliche Veranstaltung steht kurz vor dem Abbruch. In der Einsatzzentrale, ein paar Meter außerhalb des Festgeländes, herrscht Krisenstimmung. Polizei und Gäste-Info beraten über die Bombendrohung, die ein zu diesem Zeitpunkt unbekannter Anrufer gegen 19.45 Uhr bei der Notrufzentrale in Rosenheim abgesetzt hat. Die alles entscheidende Frage: Wie ernst ist die Lage? Soll die Öffentlichkeit informiert und die Veranstaltung geräumt werden? Und wie lässt sich dabei eine Panik vermeiden?

„Es ist immer schwierig, diese Beurteilung vorzunehmen“, erklärt der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Andreas Guske. Natürlich gebe es gewisse Ablaufschemen, wie die Gefahrenwahrscheinlichkeit einzustufen ist. Weil sich die tatsächliche Lage jedoch nie vorhersagen lässt, hänge alles an einem intensiven Austausch zwischen Polizei und Veranstalter.

Schliersees Eventmanagerin Marion Riedl hat diesen trotz der angespannten Situation als positiv erlebt. „Wir haben uns sicher und gut beraten gefühlt“, sagt Riedl und lobt dabei die Arbeit der Polizei unter der Leitung der Inspektion Miesbach. „Da kann ich nur den Hut ziehen.“ Jeder habe gewusst, was zu tun ist. Weil ihr die Polizei geraten hatte, sich auf Rucksäcke und Taschen auf dem Gelände zu konzentrieren, stockte die Gäste-Info spontan die Sicherheitskräfte auf. Riedl ist spürbar erleichtert, dass es nicht zu einer Räumung des Geländes gekommen ist. „Aber auch das hätten wir geschafft.“ Ein Vorteil wäre gewesen, dass das Seefest nach allen Seiten hin offen war. Zu einem Gedränge an den Notausgängen wäre es deshalb also nicht gekommen.

Ein Sicherheitskonzept habe es aber trotzdem gegeben, erklärt Guske. Dies hätten Gemeinde, Veranstalter und Polizei in Absprache mit Feuerwehr und Rettungsdienst im Vorfeld erarbeitet, um das Gelände im Notfall schnell und sicher räumen zu können. Nicht nur bei einer Bombendrohung, sondern auch bei einem Unwetter. Trotzdem: „Eine Räumung bereitet uns immer immense Schwierigkeiten“, sagt Guske.

Diese hätte man aber angeordnet, wenn eine Hundeführerin den Täter – ein 22-Jähriger aus dem Landkreis Miesbach – nicht bereits nach 20 Minuten in der Nähe einer Telefonzelle ausfindig gemacht hätte. „Die letzte Entscheidung trifft in solchen Fällen die Polizei“, erklärt Guske. Allerdings könne er sich nicht erinnern, dass sich schon einmal ein Veranstalter bewusst gegen diese Sicherheitsmaßnahme ausgesprochen hätte.

Ängsten und Unmut in der Bevölkerung, wonach die Polizei in solchen Fällen bewusst Informationen zurückhalte, setzt der Sprecher die Strategie der Sicherheitskräfte entgegen. Solange keine konkrete Gefahr bestehe, werde die Öffentlichkeit nicht informiert – aus gutem Grund: „Wir wollen keine Nachahmer auf den Plan rufen.“ Eine Vorgehensweise wie bei einem Suizid. Trotzdem treffe man die Entscheidung verantwortungsvoll. „Wir haben ja selber Leute da drin“, betont Guske.

Streng genommen hätten also auch die Seefest-Besucher in Schliersee nichts von der Bombendrohung erfahren. Doch in diesem Fall machte die Polizei eine Ausnahme. Weil der Täter sofort festgenommen wurde, entschied man sich, an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Stichwort lautet Abschreckung. Guske: „Die Leute sollen wissen, dass es uns gelingt, solche Herrschaften zur Rechenschaft zu ziehen.“ In der Tat erwartet den 22-Jährigen eine harte Strafe.

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