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Um den Stauweiher ausbaggern zu können, muss er abgelassen werden. Dabei ist Schlamm in den Breitenbach gelangt. Die Fischer befürchten schlimme ökologische Folgen.

Schlimmer Verdacht am Schliersee

Schlamm in Gebirgsbach: Hat er alle Baby-Forellen getötet?

Schliersee – Beim Auslassen seines Stauweihers entkam dem Holzwerk Fichtner Schlamm. Die Fischer schlugen Alarm. Jetzt ermittelt die Polizei. Der Holzwerk-Chef wehrt sich.

Das Interesse an Wasserläufen von verschiedenen Seiten ist groß. Am Breitenbach in Schliersee zum Beispiel. Dort betreibt das Holzwerk Fichtner seit vielen Jahren ein Kraftwerk, dafür gibt es einen Stauweiher, und der muss von Zeit zu Zeit vom Schlamm befreit werden – so alle zehn Jahre, sonst verlandet er. Nun war es wieder soweit. Nach diversen Vorbereitungsmaßnahmen rückten die Bagger an – und kurz später waren auch die Fischer vor Ort, denen schier die Augen übergingen. Nicht unerhebliche Mengen an Schlamm hatten sich offensichtlich in den Breitenbach ergossen, eine ökologische Katastrophe, findet jedenfalls Stefan Moser, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins Miesbach-Tegernsee. „Das ist der Wahnsinn“, wettert er. Sofort setzte er alle Hebel in Bewegung – Polizei, Landratsamt. Letzteres sah sich die Lage vor Ort auch an.

Landratsamt entdeckt Verstöße

Auf Anfrage teilt die Behörde mit, dass die Maßnahme im Vorfeld mit „verschiedenen Bedingungen zum Schutz des Breitenbachs versehen“ worden war. An diese habe sich der Betreiber „offenbar nicht gehalten“. Als Sofortmaßnahme sei deshalb zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim vor Ort verfügt worden, dass die Baggerarbeiten zunächst beendet werden und eine Rohrleitung als Bypass das Wasser am Baggerbereich vorbeiführt. Damit soll gewährleistet werden, dass nur das oberhalb des Stauwehrs zufließende, saubere Wasser in den Breitenbach gelangt.

„Der Breitenbach ist biologisch tot“

Das Schlamm-Intermezzo aber habe größeren ökologischen Schaden angerichtet, da ist sich Moser sicher: „Der Breitenbach ist biologisch tot“, sagt er – auch mit ein paar Tagen Abstand. Das Problem aus Sicht der Fischer: Die Seeforelle wurde durch den Schlamm ihrer Laichplätze beraubt. Moser: „Diesen Winter haben wir einen Totalausfall.“ Gut, der aktuelle Bestand sei zunächst einmal nicht gefährdet. „Aber da braucht nur einmal was passieren“, warnt Moser, dann sei es um die Seeforelle im Breitenbach geschehen. 

Etwa wenn im Winter der Bach durchgefriert. Das Gewässer ist laut Moser die einzige Laichmöglichkeit dieser Fischart am Schliersee. Vor ein paar Jahren hatte mit Eiern vom Tegernsee die Ansiedlung begonnen. Diesen Versuch sieht Moser nun torpediert. Bekanntlich prangert der Fischer Eingriffe solcher Art immer lautstark an, zuletzt am Fehnbach in Agatharied. Manchem ist der Stil zu offensiv.

Holzwerk-Chef widerspricht

Ambros Fichtner, Senior-Chef des Holzwerks, fühlt sich zu Unrecht beschuldigt. Ja, es sei Schlamm im Bach gelandet, dies allerdings nur für ein bis zwei Stunden. „Wir haben nicht anders können“, sagt er. Um baggern zu können, muss das Wasser aus dem Teich abgelassen werden. Dies sei zunächst über die Schleuse geschehen, was aber nicht genügt habe. Deshalb habe der Bagger einen zweiten, weiter unten liegenden Schuber aufziehen müssen. Das habe dazu geführt, dass Schlamm in den Bach gelangt sei. Die Behörden-Mitarbeiter hätten dafür auch Verständnis gezeigt, sagt Fichtner. An den Erhaltungsmaßnahmen führe kein Weg vorbei, bekräftigt er. Er habe diese seit dem Frühjahr mit den Behörden abgestimmt. Rohre für den geforderten Bypass habe er sofort besorgt, der Bau sei aber nicht mehr nötig gewesen, weil das Wasser im Bach nach wenigen Stunden optisch wieder klar war. Das bestätigt auch das Landratsamt. Zudem, so Fichtner, werden Bäche bei jeder Baumaßnahme oder auch bei schwererem Unwetter eingetrübt. Den Verlauf der Arbeiten, die inzwischenabgeschlossen sind, habe er täglich von früh bis abends selbst überwacht.

Ob wirklich ein ökologischer Schaden entstanden ist, soll Moser zufolge nächste Woche ein Gutachter untersuchen. Die Polizei Miesbach leitet die Ermittlungen. Über ordnungsrechtliche Konsequenzen wird das Landratsamt eigenen Angaben zufolge nach Abschluss der Ermittlungen entscheiden.

Daniel Krehl

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