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Als Wirt mit Leib und Seele sieht sich Hubert Stöger. Seine Stögeralm über dem Schliersee brummt. Weil aber Toiletten, Aufenthalts- und Lagerräume fehlen, will er die Gaststätte mit der schönen Aussicht zusperren.

"Habe keine Unterstützung aus dem Rathaus bekommen"

Stögeralm: Wirt will Ende des Jahres zusperren

Schliersee - Pfiade, schöne Aussicht: Der Wirt der Stögeralm über dem Schliersee, Hubert Stöger, will seine Gaststätte zusperren. Als Grund nennt er bauliche Mängel – und einen Zwist mit der Gemeinde.

Hubert Stöger hängt an seiner Alm. Nicht nur wegen ihrer Premiumlage über dem Schliersee, sondern auch wegen der Gäste. Und die stürmen die Wirtschaft mit der Postkartenaussicht. Bevorzugt für Hochzeiten, Geburtstage oder Betriebsfeiern. „Ich bin auf Monate hinaus ausgebucht“, sagt Stöger. Trotzdem wird er sich von seiner großen Leidenschaft trennen. Weil er die Weißachalm in Kreuth von seiner Mutter übernehmen möchte, hat Stöger nun im Schlierseer Rathaus die Umnutzung seiner Gaststätte in eine Wohneinheit beantragt. Schweren Herzens, wie er betont. „Aber es geht leider nicht anders.“

So weise sein Betrieb etliche Mängel auf. Zu wenig Toiletten für die bis zu 180 Gäste, kein Aufenthaltsraum für die sechs Mitarbeiter, ein zu kleiner Kühlraum und insgesamt kaum mehr freie Lagerfläche: Eine ganze Reihe an Problemen hat Stöger zusammengetragen. Beheben kann er sie jedoch nicht. Die dafür nötigen 400 000 Euro kann er sich nicht leisten. Was ihm selbst theoretisch noch wurscht sein könnte, wäre für einen neuen Pächter eine unüberwindbare Hürde, befürchtet Stöger. Nach dem neuen Gaststättengesetz sei die Alm nicht mehr konzessionsfähig.

Im gemeindlichen Bauausschuss ist er trotzdem abgeblitzt. Einstimmig lehnte das Gremium die beantragte reine Wohnnutzung der Stögeralm ab. Diese sei rechtlich auch gar nicht möglich, hatte Bautamtsleiterin Birgit Kienast zuvor erklärt. Die Stögeralm liege im Außenbereich, „und da ist Wohnen unzulässig“. Erschwerend komme hinzu, dass die frühere Sennhütte ab 1960 Stück für Stück zu einer Gaststätte umgebaut worden sei. 1976 sei auch noch der Stall weggefallen – und damit die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Privilegierung. „Dann sperre ich halt zu“, murmelte Stöger nach der Abstimmung und verließ wutschnaubend den Sitzungssaal.

Dabei hätte es in seinen Augen gar nicht so weit kommen brauchen. 2009 habe er einen Keller unter seinem Salettl beantragt. „Den hätte ich nur noch ausschalen müssen“, erklärt der Wirt. Doch der Gemeinderat habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht – und ihm damit wertvollen Platz verwehrt, den er heute gut gebrauchen könnte. „Da hat der Saustall angefangen“, schimpft Stöger. Überhaupt habe er in den vergangenen 20 Jahren nie Unterstützung aus dem Rathaus bekommen. Und das, obwohl er bei den mehrtägigen Feiern seiner Gäste dem Ort 2000 Übernachtungen pro Jahr bringe.

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer will diese Anschuldigungen so nicht stehen lassen. „Wir haben immer unsere Unterstützung angeboten“, sagt er. So habe der Bauausschuss 2007 schon den Antrag für das Salettl lange diskutiert. Schließlich handelte es sich um ein Vorhaben im Außenbereich. Trotzdem habe das Gremium mit knapper Mehrheit zugestimmt. Als dann laut Schnitzenbaumer „doch anders gebaut wurde als genehmigt“, habe man zwei Jahre später den Keller abgelehnt. Auch, um ein Signal zu setzen.

Stögers Argument, ein neuer Pächter würde für die Alm keine Konzession mehr bekommen, hält der Bürgermeister für „nicht seriös“. So müssten die Fachstellen am Landratsamt die Mängel zuerst vor Ort prüfen, um überhaupt eine Aussage treffen zu können. Dann könne man sich zusammensetzen, um über Lösungen zu beraten. „Da gibt es meist die Möglichkeit von Zugeständnissen“, sagt Schnitzenbaumer.

Darauf will sich Stöger nicht verlassen. Er wird seine Alm zusperren. „Mit Tränen in den Augen“, wie er sagt. Zumindest bis nach Weihnachten wird er aber weitermachen. „Für meine Gäste.“

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