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Regen Andrang fand die Aktion, die zwei Künstler gegen das Annaberg-Gedenken im Mai an der Weinbergkapelle durchgeführt haben. Jetzt hat die Pfarrei Strafantrag wegen Sachbeschädigung gestellt.

Kunstaktion ist Sachbeschädigung

Annaberg-Tafel: Schlierseer Pfarrer stellt Strafantrag

Schliersee - Die Gegner der Annaberg-Gedenktafel an der Weinbergkapelle sind irritiert. Erst hatte die Kirche Gesprächsbereitschaft signalisiert, jetzt flatterte ihnen eine Strafanzeige ins Haus.

Die Zeichen standen auf Annäherung. Das zumindest dachte sich Joss Bachhofer – bis er ein Schreiben von der Polizei in seinem Briefkasten fand. Der Haushamer Künstler sollte sich zum Vorwurf der Sachbeschädigung an der Gedenktafel der St. Georgs-Kapelle auf dem Schlierseer Weinberg äußern. „Das hat mich echt geschockt“, sagt Bachhofer. Noch mehr irritierte ihn, als er von seinem ebenfalls beschuldigten Münchner Künstlerkollegen Wolfram Kastner erfuhr, wer den Strafantrag gestellt hatte: Schliersees Pfarrer Hans Sinseder.

Wie berichtet, hatten Bachhofer und Kastner kurz vor dem Jahrestag des Sturms des Oberländer Freikorps auf den Annaberg in Schlesien am 21. Mai die wegen ihrer Nähe zum Nationalsozialismus umstrittene Tafel mit einer Plastikplatte überdeckt. Die Aufschrift: „Für Akzeptanz und ein friedliches Miteinander. Gegen Naziterror und Rechtsextremismus einst und heute.“ Um nichts zu beschädigen, verwendeten die Künstler laut Bachhofer lediglich doppelseitiges Klebeband. Dass beim Entfernen die Schrift der Gedenktafel in Mitleidenschaft gezogen worden sei, wie es in der Strafanzeige heißt, kann sich der Haushamer beim besten Willen nicht vorstellen.

Was ihn noch viel mehr schockiert als dieser Vorwurf, ist die Vorgehensweise der Pfarrei. So hatten Bachhofer und Kastner bekanntlich einen Brief an Pfarrer Sinseder geschrieben, in dem sie ihre Kunstaktion „für einen humanen Geist der heutigen Kirche und gegen die Ehrentafel, die zum Treffpunkt für alte und neue Nazis wurde“, begründeten und die Pfarrei zum Entfernen der Schrift aufforderten. Sinseder hatte daraufhin erklärt, dass die örtlichen Gremien einen Experten einladen und dann über die Sache entscheiden würden. Doch statt einem Gesprächsangebot flatterte den Künstlern nun eben die Strafanzeige ins Haus. „Das passt überhaupt nicht zusammen“, sagt Bachhofer. Sein Haushamer Mitstreiter Hans Pawlovsky sieht das ähnlich. Als getaufter Katholik könne er dieses Verhalten in keinster Weise nachvollziehen. „So etwas kenne ich von politischen Gegnern, aber nicht von der Kirche.“

Pfarrer Sinseder, der am Mittwochabend just in der Weinbergkapelle sein 20-jähriges Priesterjubiläum gefeiert hat (siehe oben), kann die Aufregung nicht nachvollziehen. So hätten die Künstler die Pfarrei vorher fragen müssen, ob diese mit der Aktion einverstanden sei. „Die Kapelle gehört der Kirche“, sagt Sinseder auf Anfrage unserer Zeitung. Einfach mal loslegen und hinterher eine erklärende E-Mail schicken, gehe nicht. „Da mussten wir einfach ein Zeichen setzen“, sagt der Pfarrer. Die Anzeige zurückziehen will er nicht. Das ändere jedoch nichts an der Bereitschaft der Kirche, die Gedenktafel von Historikern überprüfen zu lassen. Das gehe aber nicht von heute auf morgen. „Wir lassen uns auch nicht unter Druck setzen“, sagt Sinseder. Er wolle eine Lösung, mit der beide Seiten leben könnten.

Daran ist auch Pawlovsky interessiert. Er will erfahren haben, dass Anfang September ein Gespräch „in Kirchenkreisen“ stattfinden wird. Ziel ist offenbar, die Gedenktafel mit einem historisch einordnenden Hinweisschild zu versehen. „Das wäre ein begrüßenswerter Kompromiss“, sagt Pawlovsky. Umso überflüssiger sei da die Strafanzeige der Pfarrei.

Bachhofer sieht dem gelassen entgegen. Er kann sich nicht vorstellen, „dass es die Kirche wegen dieser Nichtigkeit tatsächlich auf einen Prozess ankommen lässt“. Falls doch, will der Künstler keinesfalls kleinbeigeben, betont er: „Ich werde auf jeden Fall aussagen.“

sg

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