+
Unglücklicher Hausherr: Hubert Strobl, Spartenleiter Fußball beim TSV Schliersee, vor dem gemieteten Vereinsheim. Weil das Gebäude sanierungsbedürftig ist, wollen sich die Sportler lieber gleich ein eigenes Zuhause bauen.

Altes Vereinsheim ist marode

TSV will neues Heim auf Basketballplatz bauen

Schliersee - Kaputte Duschen, strenge Auflagen, hohe Kosten: Die Fußballer des TSV-Schliersee haben die Schnauze voll von ihrem Vereinsheim - das dem Verein gar nicht mehr gehört - und wollen neu bauen.

Der Fußballschuh drückt seit mittlerweile zehn Jahren. Und das, weil sich der TSV Schliersee damals selbst ein Bein gestellt hat. Weil der Verein seine Raten nicht pünktlich gezahlt hatte, trat beim Erbpachtvertrag für das Vereinsheim an der Schlierach der sogenannte Heimfall ein. Die Eigentümer des Grundstücks kauften den Fußballern daraufhin ihr Haus ab – und boten ihnen einen Mietvertrag an. „Zu ihren Bedingungen“, sagt Spartenleiter Hubert Strobl und seufzt. Darunter strenge Auflagen zum Spielbetrieb und noch strengere zu möglichen Festen. „Wenn es mal zu laut wird, gibt’s Ärger mit den Vermietern“, berichtet Strobl.

Eine ungute Situation für eine Sparte mit 300 Mitgliedern, darunter 140 Aktive sowie viele Kinder und Jugendliche. „Wir wollen ja den Platz nicht einfach absperren“, sagt Strobl. Doch der TSV nahm die Einschränkungen hin. Was bei den Nutzungszeiten noch geht, ist bei baulichen Mängeln nicht mehr möglich. „Das Heim ist marode, die Duschen kaputt“, sagt Strobl. Weil sie für eine Reparatur ordentlich Geld in die Hand nehmen müssten und laut Strobl zudem eine Kündigung des Mietvertrags fürchten, schauten sich die Fußballer nach einem neuen Standort um.

Fündig wurden sie im Nordwesten des Geländes. Dort wollen sie anstelle ihres Basketballplatzes ein neues Vereinsheim errichten. Geplant ist ein ebenerdiger Bau mit einer Grundfläche von 364 Quadratmetern. „Ein schönes Holzhütterl“, sagt Strobl. Im Gegensatz zu den genehmigten Neubauplänen von 2006 – damals wollte der TSV ein 400 000 Euro teures Haus auf seinem Hartplatz errichten – wäre das Projekt mit 250 000 Euro erheblich günstiger. Auch, weil der Verein viele Arbeiten selbst verrichten könnte. „Wir haben viele Handwerker“, sagt Strobl.

Die Parkplätze würde der TSV auf der nur noch selten genutzten Tartanbahn nachweisen. Gut 50 Autos hätten hier Platz. Die Zufahrt zum Vereinsheim würde südlich um den Platz herum erfolgen – und dabei über Gemeindegrund führen.

Nicht nur deshalb hat nun der Schlierseer Bauausschuss über das Vorhaben beraten. Der Standort weist weitere Hürden auf, wie Bauamtsleiterin Birgit Kienast erklärte. So liege ein Teil des Grundstücks im Überschwemmungsgebiet, auch ein Biotop werde tangiert. Dazu werde die Verwaltung die Stellungnahmen von Wasserwirtschaftsamt und Unterer Naturschutzbehörde einholen. Hinzu komme die Erschließung mit Kanal, Wasser und Strom. „Das muss der Verein machen“, erklärte Kienast.

Am Ratstisch trafen die Pläne des TSV auf breite Zustimmung. „Ich habe dort meine Jugend verbracht“, sagte Jürgen Höltschl (CSU) schmunzelnd. „Da ist wirklich alles hoffnungslos veraltet.“ Auch Michael Dürr (PWG) war froh, „dass sich da was rührt“. Kopfzerbrechen bereitete ihm das dann leerstehende alte Gebäude. „Sind wir da als Gemeinde in irgendeiner Form dafür verantwortlich?“, fragte er.

Kienast schüttelte den Kopf. Sobald der Verein ausziehe, falle die entsprechende Privilegierung weg. Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) bestätigte: „Der Eigentümer kann da nicht einfach ein Ferienhaus draus machen.“ Einen Rückbau könne aber ohnehin nur das Landratsamt anordnen.

Auch Gerhard Weitl (SPD) nahm den Ball der Sportler auf. Er empfahl ihnen aber, trotz allem mit dem Verpächter im Gespräch zu bleiben. An eine Kündigung denken diese übrigens nicht, wie sie auf Nachfrage unserer Zeitung verlauten lassen. Der Vertrag laufe bis 2032. Die Neubaupläne des TSV wollen sie nicht kommentieren. Nur soviel: „Wir haben bislang nur Gerüchte gehört.“

Zumindest im Bauausschuss sind daraus nun Fakten geworden. Einstimmig erteilte das Gremium das gemeindliche Einvernehmen und segnete die von der Gestaltungssatzung abweichende, unterschiedliche Dachneigung und ein Oberlicht ab. Auch wenn der Ball für den TSV damit noch lange nicht im Tor ist: Der Verein hat sich positioniert.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Gackerl im Gläschen</center>

Gackerl im Gläschen

Gackerl im Gläschen
<center>Münchner Kalenderblätter</center>

Münchner Kalenderblätter

Münchner Kalenderblätter
<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Meistgelesene Artikel

Wegen verbotenem Beschneien: Bürger will Skigebiete anzeigen

Landkreis - Mehrere Skigebiete im Landkreis beschneiten verbotenerweise bereits vor dem 15. November. Ein Landkreisbürger will nun Anzeige erstatten. Derweil könnte das …
Wegen verbotenem Beschneien: Bürger will Skigebiete anzeigen

Eine Katze im Wellness-Fieber - jetzt darf sie nicht mehr rein

Schliersee – Eine Katze auf Wanderschaft schleicht sich in regelmäßigen Abständen in die Schlierseer Vitalwelt.  Aus Gründen der Hygiene muss das Tier aber leider …
Eine Katze im Wellness-Fieber - jetzt darf sie nicht mehr rein

Kommentare