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Rückkehr zu den Wurzeln: Bernward Beyerle (l.), künstlerischer Leiter des Lassus-Musikkreises München, kommt zum Schlierseer Kulturherbst. Mitorganisator Johannes Wegmann (r.) hat sich dafür eingesetzt.

Schlierseer Kulturherbst

Von Weltrang: der Lassus Chor kommt nach St. Sixtus

Schliersee - Der Lassus Chor wird in der Schlierseer Pfarrkirche St. Sixtus auftreten. Für den künstlerischen Leiter Bernward Beyerle ist es die Rückkehr zu seinen Wurzeln. 

Wenn mehrchöriger Gesang und Raum ein Spiel miteinander treiben, in Dialoge treten, sich aufeinander einlassen und sich zusammenfügen, dann ist das sozusagen die Krone musikalischer Schöpfung – zumindest eine davon. Beim Schlierseer Kulturherbst ist sie heuer in Perfektion zu erleben: Der Lassus Chor München und sein Bläserensemble gestalten unter der Leitung von Bernward Beyerle ein Konzert in der Schlierseer Pfarrkirche St. Sixtus. Für den 68-jährigen Chorleiter und Organisten, der 26 Jahre lang Kirchenmusikdirektor der Erzdiözese war, ist das Konzert eine Rückkehr dorthin, wo alles begann: Sein Leben, sein Schaffen, der Lassus-Musikkreis selbst. Und es dürfte sein Abschied in der Region sein. Der „Anwalt der Mehrchörigkeit“ will die Leitung des Lassus-Musikkreises mit seinen Ensembles zum Jahr 2018 in jüngere Hände abgeben. Es sei nach 45 Jahren an der Zeit, sagt Beyerle, „damit der Chor wieder eine Perspektive hat“. 

„Man kann ohne Übertreibung sagen, dass es weltweit keinen anderen Chor gibt, der die Mehrchörigkeit so pflegt“

Der Lassus Chor hat Weltrang, das kann man mit Fug und Recht behaupten. Johannes Wegmann, als Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Mitorganisator des Kulturherbstes, ist stolz, dass er Beyerle und sein Ensemble nach 2007 zu einem zweiten Besuch in Schliersee bewegen konnte. „Man kann ohne Übertreibung sagen, dass es weltweit keinen anderen Chor gibt, der die Mehrchörigkeit so pflegt“, sagt Beyerle, der die Leitung 1972 von seinem Vater Bernward Beyerle sen. übernahm, der den Musikkreis wiederum 1957 zusammen mit Paul Winter aus Neuhaus gründete. Und die Geburtsstunde schlug hier in der Region. 

Beyerles Vater war nach dem Zweiten Weltkrieg sehr aktiv in der Erwachsenenbildung, referierte in den Volkshochschulen im Tegernseer Tal und im Schlierachtal. Es entwickelte sich eine musikalische Bewegung ambitionierter Laien, die schließlich in der Gründung des Collegium Musicum in Hausham mündete. „Der Grundstein für den Lassus Chor war damit gelegt“, sagt der Sohn. 

Die Musikalität war Bernward Beyerle in die Wiege gelegt. 1948 kam er im Haus St. Elisabeth in Neuhaus zur Welt. Es war damals nach dem Krieg, wie so viele Hotels in der Region, zu einem Krankenhaus umfunktioniert worden, heute ist es ein Seniorenheim. Nach den frühen Kindheitsjahren kam Bernward Beyerle noch als kleines Kind zu den Regensburger Domspatzen, in der Region aufgewachsen sei er also nicht, verrät der 68-Jährige, der in München lebt. Aber sein erstes Konzert als junger Organist spielte er hier: in der Schlierseer Pfarrkirche St. Sixtus, wo er nun auftritt.

Sein erstes Konzert spielte Beyerle in St. Sixtus

„Es war ein Abend, an dem es ein Gewitter gab“, erinnert sich Beyerle. In seinem Programm habe er auch zwei Trisonaten von Bach gehabt, die eigentlich gar nicht zur Orgel der Kirche passten. „Ich hatte einen solchen Ehrgeiz, dass ich das einfach dort gespielt hab“, sagt der Musikus schmunzelnd. „Ich hatte nur noch ein paar Takte zu spielen, da setzte nach einem Blitz der Strom aus“, schildert er. „Die Luft in der Orgel hat gerade noch gereicht, dass ich zu Ende spielen konnte.“ Auch seine ersten Konzerte als Leiter des Lassus Chors führten Beyerle 1972 in die Region, Weihnachtskonzerte in Miesbach und Tegernsee. 

Der Ort ist aber nicht der einzige Bezug bei diesem Konzert. Beyerles Vater, ein Schüler Carl Orffs, führte in den 50er Jahren in der Dorfkirche in Elbach – die Familie lebte im nahen Sonnenholz – Orffs „Sonnengesang des Heiligen Franziskus“ auf. Er revolutionierte das Werk seines Meisters, der bei der Vorstellung selbst anwesend und begeistert war: Statt zehnstimmig mit zwei fünfstimmigen Chören führte Beyerle sen. den „Sonnengesang“ mit einem hohen Frauenchor und einem großen gemischten Chor auf. Orff gab der Version mit einer Autorisierung seinen Segen. Viele haben seither versucht, an die Notensätze zu kommen. „Aber das ist eine rein private Disposition. Die Leute können nur den Lassus Chor buchen“, sagt Beyerle mit einem Augenzwinkern. Beim Konzert in St. Sixtus wird Orffs „Sonnengesang“ in dieser Version zu hören sein. 

„Mehrchörige Musik bezieht den Raum in das Werk ein, die Zuhörer sind im Zentrum“

Die Sänger verteilen sich dabei auf zwei Standorte, im Altarraum und auf der Orgelempore im Rücken des Publikums. Und das Spiel mit dem Raum, das die Mehrchörigkeit auszeichnet, darf sich entfalten. „Mehrchörige Musik bezieht den Raum in das Werk ein, die Zuhörer sind im Zentrum“, erklärt Beyerle. „Da kann man sich vom Lithurgischen her auch gar nicht entziehen. Außer die Sänger, denn die hören kaum etwas – sie können nur nach dem Schlag des Dirigenten gehen.“ 

Die Schlierseer Kirche eigne sich dafür sehr gut. „Die klanglichen Eigenschaften in St. Sixtus sind hervorragend“, erklärt Beyerle, „ein klingender Raum mit absoluter Textverständlichkeit.“ Denn jeder Raum, sagt Beyerle, hat seinen Ton, so wie auch jeder Mensch seinen eigenen Ton habe, auf dem man bei der Stimmbildung von Sängern aufbaue. „Raum und Klang gehören zusammen.“

Das Programm zum Schlierseer Kulturherbst

Zum Auftakt des neunten Schlierseer Kulturherbstes gibt es heuer eine Premiere: Die Lackfabrik Warnecke & Böhm beherbergt in ihrer historischen Industriehalle heuer die Eröffnung. Aus Sicherheitsgründen gibt es einen Wermutstropfen: Die Eröffnung am heutigen Donnerstag ist wegen des begrenzten Rahmens nur für geladene Gäste.

 Für alle Kulturfreunde öffnet sich der Kulturherbst 2016 dann am morgigen Freitag um 17 Uhr mit einer Vernissage im Forum der Vitalwelt: Schüler und Dozenten der Glasfachschule Kramsach präsentieren zusammen mit Günter Malchow aus Münster ihre Arbeiten, zeigen verschiedene Arbeitstechniken der Glaskunst und das Zusammenspiel mit Licht und Farbe. Bereits ausverkauft ist die Vorstellung der Stubenoper „Da varreckte Hof“ unter der Regie von Steffi Baier am Freitag im Bauerntheater – ebenso wie der Auftritt von Kabarettistin Martina Schwarzmann (20. Oktober) im Bauerntheater und das Konzert des Duos WisàWis (12. Oktober) in der kleinen Weinbergkapelle. 

Für die anderen Veranstaltungen gibt es noch Karten, der Vorverkauf läuft in der Schlierseer Gäste-Info unter z 0 80 26 / 6 06 50 und auf www.muenchenticket.de. Neben dem Konzert des Lassus Chors München in der Kirche St. Sixtus am 9. Oktober (wir berichteten) sind darunter noch das Herbstsingen im Bauernhofmuseum mit der Bolzwanger Geigenmusi, dem Bolzwanger Dreigesang, dem Haushamer Bergwachtgsang und der Boarischen Almmusi (15. Oktober), die „Swing a Boogie Night“ mit dem renommierten Michael Alf Trio im Bauerntheater (21. Oktober), das Doppelkonzert mit dem Aighetta-Gitarrenquartett und dem Stuttgarter Harfenquartett im Bauerntheater (26. Oktober), das Sinfonische Festkonzert mit Solo-Pianist Fabian Müller im Bauerntheater (29. Oktober) und das Hubertuskonzert mit den Hornbläsern der Münchner Philharmoniker in der Kirche St. Bernhard in Spitzingsee (30. Oktober). 

Das gesamte Programm gibt es auf www. kulturherbst-schliersee.de.

ag

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