1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Bad Wiessee

Bauer in der Au: Haslberger kassiert wieder Abfuhr

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christina Jachert-Maier

Kommentare

null
Geschlossen: Der bestehende Gasthof Bauer in der Au ist seit Herbst 2013 nicht mehr in Betrieb. Wann dort wieder Wanderer einkehren können, ist derzeit offen. © Andreas Leder

Bad Wiessee - Erneut gab’s für die Pläne zum Wiederaufbau des historischen Hofs Bauer in der Au eine Abfuhr. Besitzer Franz Haslberger hat jetzt eine letzte Chance: Söders Heimatministerium.

Noch liegt viel Schnee beim Bauern in der Au. Am 23. Januar stapften Vertreter der Landesplanungsbehörde dort oben mit Franz Haslberger durch das Weiß, um über die Pläne des Freisinger Baustoffunternehmers zu reden. Wie berichtet, kämpft Haslberger seit 2011 mit den Behörden, um seinen Traum vom Wiederaufbau des 1971 abgebrannten historischen Hofs durchzusetzen. Beim Ortstermin präsentierte Haslberger den Vertretern der Landesplanungsbehörde bei der Regierung von Oberbayern das Modell seines Herzensprojekts. Mit dabei waren unter anderem auch Kreisbaumeister Werner Pawlovsky und Wiessees Bürgermeister Peter Höß.

Nachdem alle bisherigen Anträge gescheitert sind, sollte es um die Frage gehen, ob für den 61 Meter langen Nachbau des geschichtsträchtigen

null
Die Baustelle neben dem Gasthof Bauer in der Au: Es entsteht eine schon seit Jahren genehmigte Tiefgarage. © Andreas Leder

Einfirsthofs im Berg-Idyll nicht doch eine Ausnahmegenehmigung möglich ist. Denkbar wäre dies gewesen, wie Landratsamtssprecherin Gabriele Dorby erläutert. So existiert ein Passus im Landesentwicklungsplan, der die Ansiedlung von Beherbergungs-Betrieben in Tourismusgebieten auch dann möglich macht, wenn sie im Außenbereich liegen. Er greift, wenn der Standort „von Beherbergungsnutzung geprägt“ ist. Zudem darf das Orts- und Landschaftsbild nicht beeinträchtigt werden.

Letztlich senkte sich wieder der Daumen für Haslbergers Pläne – auch wenn das Modell des historischen Hofs durchaus gefiel. Aber die Rechtslage erlaubt nach Ansicht der Landesplaner keine Zustimmung. „Man kam überein, dass diese Ausnahme hier nicht zur Anwendung gelangen kann“, erklärt Dorby. Dies deshalb, weil der Standort bisher eben nicht durch Beherbergungsnutzung geprägt sei.

Haslbergers Chance: Er wendet sich direkt ans Heimatministerium

Will Haslberger seinen Traum nicht beerdigen, bleiben ihm jetzt nur zwei Möglichkeiten. Zum einen könnte er sich direkt ans Heimat- und Finanzministerium als oberste Landesplanungsbehörde wenden, um ein so genanntes Zielabweichungsverfahren zu beginnen. Darin müsste er darlegen, warum im Fall Bauer in der Au von den Zielen der Raumordnung abgewichen werden soll. Die zweite Alternative wäre eine völlige Änderung seines Konzepts. Haslberger müsste neue Pläne vorlegen, die ihm zum – bisher verweigerten – Privileg der Landwirte verhelfen, im Außenbereich bauen zu dürfen.

Offen ist auch die Zukunft des seit Herbst 2013 geschlossenen Gasthofs Bauer in der Au. Das kleine Ausflugslokal wurde gebaut, nachdem der Brand den alten Prachthof vernichtet hatte. Vorerst letzter Pächter war Bräustüberl-Wirt Peter Hubert, der sich Ende Oktober 2013 von dem Berggasthof verabschiedet hat. Seitdem fehlt der auch von wenig konditionsstarken Wanderern gut erreichbare Gasthof schmerzlich im touristischen Angebot des Tegernseer Tals.

Bürgermeister Höß hat Haslberger gebeten, den Gasthof neu zu verpachten. „Er bietet eine überaus beliebte Einkehrmöglichkeit“, meint Höß. Eine Antwort habe er bisher nicht erhalten. Doch er hoffe, dass der Gasthof in dieser Saison wieder öffne, meint Höß: „Aber natürlich ist das allein die Entscheidung des Eigentümers.“

null
Die Söllbachklause soll umgebaut werden und ist derzeit zu. Aktuell sind die Pläne noch nicht genehmigt. © Andreas Leder

Nicht nur in Sachen Bauer in der Au hat Haslberger das Sagen. Ihm gehören in Bad Wiessee auch das nun seit einem Jahr geschlossene Ausfluglokal Söllbachklause sowie ein Geschäftshaus im Zentrum mit dem Gasthof Niederstuben. Letzterer ist noch in Betrieb. Haslberger hat für beide Anwesen gefällige Umbaupläne vorgelegt, die vom Gemeinderat freudig abgesegnet wurden – in der Hoffnung, dass Haslberger sie auch verwirklicht. Noch ist kein Zeitplan bekannt. Derzeit werden die zugehörigen Bauanträge noch vom Landratsamt als Genehmigungsbehörde bearbeitet, wie Sprecherin Dorby erklärt: „Es fehlen aber noch Nachweise und Unterlagen.“

Das sagt Franz Haslberger zu den Entwicklungen:

Lange Zeit hat Franz Haslberger keine Fragen zu seinen Plänen in Bad Wiessee beantwortet. Nun hat er gegenüber der Tegernseer Zeitung über seinen Anwalt Mathias Dürr eine ausführliche Stellungnahme abgegeben. In dem Schreiben macht er deutlich, dass ein mögliches Zielabweichungsverfahren beim Heimat und Finanzministerium durchaus Erfolg haben könnte. Dies sei bei der Sitzung mit dem regionalen Planungsverband am 23. Januar im Wiesseer Rathaus klar erarbeitet worden. Voraussetzung sei die Unterstützung der Gemeinde Bad Wiessee.

Wie berichtet, hatte Haslberger gegen die Ablehnung seines Antrags auf Wiederaufbau des historischen Hofs im Herbst 2014 vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Kurz vor dem Ortstermin zog er die Klage zurück. Dies vor allem deshalb, weil Bürgermeister Peter Höß mit Verweis auf den Landesentwicklungsplan alternative Möglichkeiten für eine Genehmigung in Aussicht gestellt hatte. „Zum Zeitpunkt der Klagerücknahme bestand berechtigte Hoffnung, dass es einen Weg für die Wiedererrichtung des historischen Bauernhofs gibt“, heißt es in der Stellungnahme von Haslbergers Rechtsanwalt. Und weiter: „Inzwischen hat sich Herr Höß aber von diesen Überlegungen überraschenderweise wieder distanziert. Es bestünde laut Herrn Höß immer noch keine Mehrheit für eine Wiedererrichtung des historischen Hofs im Gemeinderat.“

Bei der Frage nach der Zukunft des Gasthofs Bauer in der Au verweist Dürr auf die Bauarbeiten – die Tiefgarage ist noch nicht fertig. Die Arbeiten könnten erst nach dem Ende des Winters fortgesetzt werden. Ein Termin für die Fertigstellung könne nicht genannt werden. Für die Projekte Niederstuben und Söllbachklause seien die Genehmigungsverfahren abzuwarten.

Unterdessen erklärt Bürgermeister Höß, er sehe im Moment keine Möglichkeit, den historischen Hof in der von Haslberger gewünschten Form wieder zu errichten.

Auch interessant

Kommentare