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Brotzeit unter Bäumen: Die Waldkraxler sind immer an der frischen Luft. Das neue Kindergartenangebot wird nur zögerlich angenommen.

Gemeinde Bad Wiessee verdoppelt finanzielle Rückendeckung

Rettungsseil für die Wiesseer Waldkraxler

Bad Wiessee - Der Wiesseer Waldkindergarten wird nur zögerlich angenommen. Dennoch bewilligte der Gemeinderat eine Verdoppelung der finanziellen Rückendeckung. Unstrittig war das nicht.

Spielen im Wald, bei jedem Wetter. Die Natur spüren und erkunden, fern von allem Plastik-Spielzeug. Die Resonanz auf diese Idee habe er wohl etwas zu euphorisch eingeschätzt, räumte Stefan Finkenzeller im Wiesseer Gemeinderat ein. Der Vorsitzende des Vereins Waldkraxler war gekommen, um eine Verdoppelung der finanziellen Rückendeckung zu erbitten. Heißt: eine Erhöhung der Defizitvereinbarung. Die besagt, dass die Gemeinde 85 Prozent eines eventuellen Defizits trägt. Im Fall des im April 2016 eröffneten Waldkindergartens war die Summe auf 3000 Euro gedeckelt. 

Auf Antrag des Vereins bewilligte der Gemeinderat mit 12:2 Stimmen eine Erhöhung dieses Betrags auf 6000 Euro. Dies allerdings nur für das laufende Kindergartenjahr. Danach sollte sich die Einrichtung selbst tragen. Das wäre schon möglich, wenn wenigstens ein Dutzend Kinder käme. Weil die Waldkraxler kein Gebäude brauchen, fallen nur Personalkosten an. Aber derzeit sind es eben nur zehn Kinder, die mit den Betreuerinnen in einem Waldstück oberhalb der Sportanlage Hagngasse unter dem Blätterdach spielen. 

Bei ganz widrigem Wetter steht aber auch ein Schutzraum in der Sportanlage zur Verfügung. Finkenzeller ist zuversichtlich, dass die Zahl der Kinder nach und nach wachsen wird. „Es dauert zwei, drei Jahre, bis sich das etabliert“, meinte er im Gemeinderat. Dort schlug im mehrheitlich Wohlwollen entgegen. Florian Sareiter (CSU) betrachtet die Elterninitiative, die den Kindergarten ins Leben gerufen hat, als Existenzgründer, denen die Gemeinde eine Anlaufphase zugestehen solle. „Ihr habt ja noch einen gewissen Welpenschutz“, ließ er Finkenzeller wissen. 

Auch Rolf Neresheimer (ranBW), selbst in der Kinderbetreuung tätig, zollte der Initiative Respekt für ihren Mut. Dafür könne die Gemeinde durchaus einen Anerkennungsbeitrag leisten, zumal die Höhe des Betrags eigentlich gar nicht erwähnenswert sei. Über das Konzept selbst maße er sich kein Urteil an. „Aber es ist sicher eine Herausforderung, mit so kleinen Zwergen immer draußen zu sein.“ Dagegen hielt Robert Huber (SPD) mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Ein Waldkindergarten, das wäre vielleicht in der Stadt sinnvoll. „Aber bei uns auf dem Land kann man jederzeit in den Wald gehen.“ Für die Förderung einer solchen Einrichtung wäre er nur, wenn mehr Kinder sie besuchen würden. Unter den gegebenen Umständen stimme er dagegen. Eine Gleichstellung mit dem katholischen Kindergarten halte er nicht für gerechtfertigt. Damit spielte er auf ein Schreiben des Vereins Waldkraxler an, in dem die Initiative auf die Defizitvereinbarung der Gemeinde mit dem Pfarrkindergarten abstellt und eine Gleichbehandlung einfordert. 

Das kam auch bei Kirchenpfleger Herbert Stadler (CSU) nicht gut an. Einen festen Kindergarten mit 100 Plätzen könne man schlecht mit einer Gruppe von zehn Zwergerln vergleichen, die sich im Wald aufhält. Er persönlich sehe den Waldkindergarten nicht negativ, sondern betrachte ihn als Ergänzung des Angebots. Der Pfarrkindergarten verursache dank der guten Buchungszahlen im Übrigen nur ein relativ geringes Defizit, merkte Stadler an. „Es wird unter 20 000 Euro liegen“, ergänzte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block). Auch er sprach sich dafür aus, den Waldkraxlern finanziell über die schwierige Anfangsphase zu helfen. Aber nicht mehr: Die Bezuschussung ist befristet. 

Zudem sollen Gespräche über eine Kooperation mit dem katholischen Kindergarten stattfinden. Dies auf Anregung Stadlers, der darauf verwies, dass es in zwei anderen Kindergärten im Landkreis Waldgruppen gebe. Da wundere er sich, dass in Bad Wiessee gleich ein Verein gegründet werden müsse. Finkenzeller signalisierte Bereitschaft, über ein Miteinander zu reden: „Wir sind da offen.“

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