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Es grünt und blüht in Seeglas. Darüber freuen sich Imker Georg Biechl (l.) und Gemeindegärtner Balthasar Brandhofer.

Zahlreiche Wildblumen in Seeglas

Bienen-Kreisel: Erst belächelt, jetzt ein Erfolg

Gmund - Er ist ein Versuch, und er scheint zu glücken: der Bienen-Kreisel bei Seeglas. Die kreisrunde Fläche hat sich bereits in ihrem ersten Sommer zu einer prächtigen Blumenwiese entwickelt.

Pinkfarbener Sonnenhut streckt die Köpfe in den Himmel, lilafarbener Salbei und Echter Eibisch ergänzen sich mit Malven und insgesamt 2500 Pflanzen elf weiterer Wildblumen-Sorten. Die kreisrunde Fläche mit einem Durchmesser von knapp 40 Metern, die den Verkehr an der Kreuzung der B 307 und der Schlierseer Straße staufrei lenkt, steht in diesen Tagen üppig da.

„Ja, es ist ein guter Versuch“, findet Georg Glas von der Gemeinde und spricht damit auch für Bürgermeister Georg von Preysing, der sich für ein paar Tage im Urlaub befindet. Nach langem Überlegen und Debattieren, inklusive Ideen-Wettbewerb, hatte sich die Gemeinde für eine naturnahe Gestaltung des Kreisels entschieden. Bei vielen Talbewohnern hatte sie damit Anerkennung geerntet, bei anderen aber auch Hohn und Spott. Von einer „Lachnummer“ war die Rede. Von Bienen, die an den Scheiben der Autos kleben. Von einem ungepflegten Urwald. Die Gemeinde verteidigte ihr Projekt und fand, dass sie damit einen Beitrag zur Öko-Modellregion leisten und quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte.

Im Frühjahr wurden die Pflanzen gesetzt. Die Gemeindegärtner hatten sich davor sogar von der Hochschule für Gartenbau in Weihenstephan beraten lassen, um die richtige Auswahl zu treffen. Die normale Erde wurde durch speziellen, mageren Humus ersetzt. Ein Ring aus Granitsteinen säumt in einem Abstand von zwei Metern zum Randstein des Kreisverkehrs das Beet. Der Rasenstreifen dient als Pufferzone für unvorsichtige Autofahrer und als Schutz vor Unkraut. Dieser Grünstreifen wird gemäht.

„Die Pflege der Wildblumen-Wiese selbst ist völlig unproblematisch“, betont Gemeindegärtner Balthasar Brandhofer. Anfangs musste er hin und wieder gießen, im Herbst, nach dem Absamen, wird geschnitten – das war’s. Für die bunten, akkurat bepflanzten Blumen-Rabatte, die ringsum und an vielen Stellen in der Gemeinde angelegt sind, ist der Aufwand wesentlich größer: Täglich muss gegossen werden, dazu kommt regelmäßiges Unkraut-Jäten. 25.000 Euro lässt sich Gmund seinen Blumenschmuck jährlich kosten, ohne Arbeitslohn. Für den Bienen-Kreisel wurden 10.000 Euro investiert – einmalig.

Georg Biechl (60), Vorsitzender des Bezirksimkereivereins Gmund-Tegernsee und Umgebung und selbst Besitzer von 16 Völkern, erfreut die Wiese. Er sei schon öfter hinspaziert und habe die Bienen beobachtet, die den Kreisel als Nahrungsquelle entdeckt haben. Es gäbe zahlreiche Völker in der Umgebung, weiß Biechl: in der Gasse, am Osterberg oder am Niemandsbichl. „Von dort kommen sie wohl her.“

Die Hochsaison der Nahrungssuche hätten die Bienen jetzt, Ende August, allerdings schon hinter sich. „Die geht bis Mitte Juli, bis die Linde geblüht hat“, weiß der Fachmann. „Die Pollen jetzt, wie etwa die vom Kreisel oder von den benachbarten Rabatten, helfen der Biene, vital zu bleiben.“ Nachspeise quasi.

Dass die Abgase in Seeglas der Qualität des Honigs schaden könnten – immerhin umrunden täglich 15 000 Autos den Kreisverkehr – glaubt Biechl nicht. „Da riecht man nichts, wenn man dort steht.“ Alles in allem ist der Imker-Vorsitzende überzeugt, dass der Versuch gelingt. „Da werden noch mehr Blumen aufgehen, ein Jahr sollte man sich mindestens Zeit lassen für ein endgültiges Resümee.“ Auch könne er sich vorstellen, dass der Gmunder Bienen-Kreisel Schule macht: In Miesbach, an Kreuzung von B 307 und B 472, ist der dortige Kreisverkehr ebenfalls bienenfreundlich gestaltet. Biechl will ihm dieser Tage mal einen Besuch abstatten.

gr

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