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Rein äußerlich betrachtet steht die Baustelle Maximilian quasi still. Innen geht dafür schon ziemlich viel ab.

Die berühmteste Ruine vom Tegernsee - Wir waren drin

Exklusiver Rundgang durch Maximilian: Darum dauert das so lange

Gmund - Warum geht beim Maximilian nichts vorwärts? Brauhaus-Chef Christian Wagner und Bauleiter Karl Hitzelberger geben Antworten. Ein Rundgang in Bildern.

Christian Wagner, Geschäftsführer des Brauhauses Tegernsee, breitet einen Plan vor sich aus und schwärmt: von dem bayerischen Wirtshaus, das hier mit 180 Sitzplätzen entsteht. 

Erklären, was an der Baustelle Maximilian so schwer ist: Bauleiter Karl Hitzelberger (l.) und Brauhaus-Chef Christian Wagner.

Von Möbeln und einer Bierschwemme nach altem Vorbild, einer sichtbaren Holzfass-Kühlung, sogar einem Holz-Paternoster. 

Etwa so stellt sich Wagner die Wirtschaft vor: Rechts unten erkennt man den markanten runden Erker, links wird ein separater Gastraum entstehen. Dazwischen (Mitte) die Bar mit Stehbereich und Holzfass-Paternoster.

Bis dahin ist es noch ein langer, steiniger Weg, denn im Inneren des alten Max sieht es knapp ein Jahr nach Beginn der Sanierungsarbeiten eigentlich schlimmer aus denn je – 

Im Gespräch: Wir kommen uns vor, wie in einer Ruine kurz vor dem Abriss. Dabei sei das Schlimmste fast geschafft, sagt der Bauleiter.

für den Laien zumindest und für die vielen Neugierigen, die ständig kommen und durch den Bauzaun einen Blick hinein werfen wollen.

Mörtel-Grotte: Nur mit viel Phantasie lässt sich derzeit eine Wirtschaft erahnen. Später mal werden hier Tische stehen, die Säulen rechts kommen weg, stattdessen kommt dort der Tresen hin.
Kaum zu glauben: derselbe Raum, als der Maximilian noch bewirtschaftet war. 

Bauleiter Karl Hitzelberger klingt dennoch zuversichtlich: „Das Schlimmste ist fast überstanden“, sagt er. 

Loch im Boden: Hier soll mal die Küche reinkommen, darunter gibt's einen Keller für die komplizierte Lüftungstechnik. 

Kaum zu glauben, wenn man in dem fast völlig ausgehöhlten Gemäuer auf das Chaos aus Schotter, Steinen und verfaultem Holz blickt. 

Blick aus dem Erker. 

Täglich musste er neue Überraschungen erleben beim schichtweisen Abtragen einer über 675-jährigen Geschichte. 

Jahrzehntealtes Flickwerk: Wagner lässt sich vom Bauleiter erklären, wie kaputt die Wände sind.

Viel Flickwerk, das über die Jahrhunderte von den Besitzern ausgeführt worden war, kam dabei ans Tageslicht.

Nicht mehr zu retten: Diese Säulen können keine moderne Decke mehr tragen - sie kommen weg.

Hitzelberger deutet auf den Meterriss, die rote, für die Fußbodenhöhe wichtige Markierung an der Wand. „Wenn der Boden jetzt dann drin ist, dann schaut alles nicht mehr so schlimm aus“, sagt er. 

Löchrig: "Der Elektriker ist der natürliche Feind des Statikers", sagt Hitelberger - und deutet auf die Löcher in der Wand. 

Bis dahin muss „Schnappi“, der kleine Radlader, das Geröll, das früher als Fußboden diente, hinausfahren, müssen haufenweise Glasschotter und Kies zwischen den bereits verlegten Sanitärleitungen verteilt werden. „Die Mauern mit Beton zu unterfangen und mit einer Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit zu versehen, das war die größte Arbeit bisher“, sagt Hitzelberger. 

Bis dahin kommt der Fußboden: Hitzelberger deutet auf das Betonfundament, das die Bauarbeiter nachträglich unter den alten Mauern eingezogen haben.

Damit das Haus nicht zusammenfällt, müsse dann die Decke rein.

Betondecke statt morschem Holz: Die Zwischendecke ist nicht denkmalgeschützt und wird komplett ausgewechselt.

Der Bauleiter zeigt Spanngurte, die eine mit Sperrholzbrettern bedeckte Luke im Dach sichern. 

Loch im Dach: Dieser Dachabschnitt kann geöffnet werden. Von hier werden die Materialien per Kran hereingelassen.

Hier bringt der Kran von oben das Baumaterial herein. „Wir bauen eben nicht normal von unten, sondern umgekehrt.“ Ach, was ist schon normal hier im alten Max! 1,50 Meter unter die künftige Fußbodenhöhe hat man sich hinuntergegraben, 

ein altes Kellergewölbe kam dabei zum Vorschein. Es wird künftig als Technikraum genutzt.

Da schau her ein Keller: Beim Boden abgraben haben die Arbeiter einen vergessenen Keller entdeckt. Das runde Dach taucht aus dem Boden auf.

Über eine provisorische Holztreppe geht’s hinauf ins Obergeschoss, die Schatzkammer der Denkmalschützer. 

Schatzkammer der Denkmalschützer im Obergeschoss: Der Stuck, der erhalten werden muss, ist abgedeckt. 

Sie schneien immer wieder herein, um mit Hitzelberger die Lage zu besprechen. Die Etage wird komplett vermietet. An wen, das will Brauhaus-Geschäftsführer Christian Wagner noch nicht preisgeben. Die Stuckdecken, deren einstige Pracht nur bei sehr genauem Hinsehen noch zu erahnen sind, müssen erhalten werden. 

Ebenso die Deckenkonstruktion aus Holzlatten. 

Ebenfalls erhaltenswert: die Deckenkonstruktion aus schmalen Holzlatten.

„Die Latten wurden früher mit Mörtel, Eselshaar, Stroh und Schilf aufgefüllt“, erklärt Hitzelberger und deutet zum Beweis auf herabhängende Fetzen. 

Gestopft mit Stroh.
Und Schilf.

Auch der Erhalt der Fenster hier oben sei eine der Forderungen der Denkmalschützer.

Wenn im Obergeschoss der Betonfußboden einmal eingepasst ist, dann wird sich eine Spezialfirma an die Bekämpfung des Hausschwamms machen. 

Blick aus dem Obergeschoss.

Er hat sich in einem Hauseck eingenistet und ausgebreitet. „Wir versuchen ihn annähernd rauszubringen“, so Hitzelberger. Das Dach wird komplett neu gedeckt und im Bereich der sichtbaren Sparren mit traditionellen Holztafeln versehen.

Dach bleibt original: die traditionellen Holztafeln unterm Dachvorsprung werden in selber Form erneuert.

„Wir haben gewusst, dass es eine Wahnsinns-Aufgabe wird“, sagt Wagner. Auch er musste erkennen, dass die Substanz des Hauses schon „arg schlecht ist.“ Und dennoch sei das Brauhaus das Risiko eingegangen. 

Wagner begründet den Schritt mit der „Verpflichtung zur Geschichte und der Verbindung des Hauses Wittelsbach zum Tegernseer Tal.“ König Max I. Joseph war es, der 1822 die Tafernwirtschaft ersteigerte – nachdem er bereits Kaltenbrunn gekauft hatte. 

2014 entschloss sich das Herzogliche Brauhaus zum Kauf des geschichtsträchtigen Baus, der dem Besitzer des Gesamt-Areals, dem Unternehmen Ten Brinke, wie ein Klotz am Bein hing.

„Wir geben dem Tegernseer Tal wieder ein Stück Geschichte zurück“, betont Christian Wagner und blickt auf den Plan. Was das kostet, sagt er allerdings nicht. Nur: "Gewinn ist relativ. Das Brauhaus denkt in Generationen."

So sah der alte Max mal aus, so ähnlich wird er wieder aussehen - Ende 2017, wenn alles glatt läuft. 

Ende 2017, gerade noch rechtzeitig zum Jubiläum 200 Jahre Wittelsbacher am Tegernsee, soll das Wirtshaus eröffnen und das Herz des alten Max wieder schlagen. 

Außen wird sich allerdings auch über den Winter wenig tun. Die Fassade mache jetzt noch keinen Sinn, sagt Bauleiter Hitzelsberger.

Die ursprüngliche Absicht, zumindest die Fassade zum Winter 2016 wieder in altem Glanz zu präsentieren, sei nicht zu schaffen gewesen und aus bautechnischen Gründen auch nicht möglich. Das habe man inzwischen erkannt. Der alte Max braucht eben Zeit, viel Zeit.

Und so sah der Maximilian vor Baubeginn vor einem Jahr aus:

Beim Maximilian tut sich was: ein Rundgang in Bildern

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