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Gemeinsam neue Wege gehen (v.l.) SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid, Öko-Modellregionsmanagerin Marika Kinshofer, Petra Wähning von der Genussgemeinschaft Städter und Bauern sowie die Landwirte Maria und Josef Berghammer.

Beteiligungsmodell in der Landwirtschaft

Den Hof aufgeben oder expandieren? Weder noch!

Gmund - Milchviehwirtschaft ist aufwendig und wirtschaftlich oft wenig ertragreich. Um den Fortbestand ihres Hofes zu sichern, gehen Maria und Josef Berghammer aus Gmund neue Wege. 

Aufhören oder größer werden? Vor dieser Entscheidung stand das Landwirte-Ehepaar Josef und Maria Berghammer aus Gmund. Das Halten von Milchkühen war unrentabel geworden; der Betrieb stand vor dem Aus. Inzwischen haben die Berghammers für sich eine Lösung gefunden: Muttertierhaltung mit Bürgerbeteiligung. 

„Wir überlegen schon seit Jahren, wie es weitergehen soll“

Berghammer ist Lohnunternehmer, die Landwirtschaft betreibt er im Nebenerwerb. Die Belastung, vor allem in Relation zu den niedrigen Erträgen wurde einfach zu groß. Dennoch waren weder Aufhören oder Expandieren für Berghammer eine Option. Der Gmunder will seinen Betrieb so erhalten, wie er ihn von den Eltern übernommen hat. Schließlich will er ihn später einmal an die Kinder übergeben. „Wir überlegen schon seit Jahren, wie es weitergehen soll“, sagt Josef Berghammer. 

Auf die Idee, das Genussschein-Modell anzuwenden, kamen die Berghammers durch einen Medienbericht

Neue Impulse lieferte schließlich ein Medienbericht. Das Thema: Crowd-Funding. Landwirte finanzieren Investitionen in ihren Betrieb über Beteiligungen. Die Anteilsinhaber profitieren in Form einer Rendite. „Seit diesem Tag sind wir von dem Konzept überzeugt“, sagt Maria Berghammer. Das Genussschein-Modell ist eines von sieben Projekten, um das sich Marika Kinshofer, Öko-Modellregionsmanagerin im Landkreis Miesbach, federführend kümmert. 

„Die Muttertierhaltung liegt mir am Herzen. Das war schon immer das, was ich machen wollte“

Die Berghammers wollen sukzessive von der Milchviehwirtschaft auf Muttertierhaltung umsteigen. Heißt: Die Jungtiere bleiben bis zum Schlachten beim Muttertier. Der Aufwand ist geringer, der Ertrag höher. „Die Muttertierhaltung liegt mir am Herzen“, sagt die Landwirtin. „Das war schon immer das, was ich machen wollte.“ 15 Mutterkühe plus Nachzucht sollen es werden. 

Jeder, der eine Beteiligung erwirbt, erhält ab 2018 jährlich ein Fleischpaket im Wert von rund 90 Euro

Für die maximal 35 bis 38 Pinzgauer Rinder braucht es allerdings einen neuen Stall. Und genau da kommen die Bürgerbeteiligungen ins Spiel. Die Investition wird in etwa 50 000 Euro verschlingen und soll durch die Ausgabe von 125 Beteiligungen zum Preis von je 400 Euro finanziert werden. Jeder, der eine solche Beteiligung erwirbt, erhält ab 2018 jährlich ein Fleischpaket im Wert von rund 90 Euro. Zur Auswahl stehen zwei Varianten. „Tradition“ mit Gulasch, Rouladen, Burgerpatties (Scheiben), Bratenstücken und Suppenfleisch oder „Beef“ mit Steaks, Grillwürsten und Burgerpatties. Die Investoren beteiligen sich also an den Stallkosten und bekommen dafür eine Genussrendite in Höhe von – inflationsbereinigt – etwa vier Prozent. 

„Loyalität wird sozusagen mit Genuss belohnt“

„Der Investor sieht, wo das Fleisch herkommt und wie die Tiere gehalten werden“, sagt Petra Wähning von der Genussgemeinschaft Städter und Bauern. „Loyalität wird sozusagen mit Genuss belohnt.“ Wenn es nach Alexander Schmid, Geschäftsführer der Standortmarketinggesellschaft Landkreis Miesbach – sie kümmert sich auch um die Öko-Modellregion –, geht, soll dieses Beispiel Schule machen. „Andere Bauern machen sich auch Gedanken, wie es weitergehen soll. Da wollen wir Hilfestellung leisten.“ Dass dieses Konzept aufgehen kann, hat schon der Biobetrieb Haase in Fischbachau als Pionierbetrieb gezeigt.

hb

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