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Die gesamte Büro-Infras truktur mit Schreibtischen und WLAN stellen Anja Freitag und Florian Hornsteiner in ihrem Gebäude in Dürnbach zur Verfügung. Die Coworker mieten sich je nach Bedarf ihren Arbeitsplatz.

Schreibtische zu 70 Prozent ausgelastet

Ein Jahr Coworkerei: Konzept ist aufgegangen

Gmund - Vor der Haustüre arbeiten, anstatt ins Büro nach München zu pendeln: Dieser Trend wird sich durchsetzen, glaubt Florian Hornsteiner. Vor einem Jahr hat er in Dürnbach eine Coworkerei gegründet.

Helle, große Büroräume, mehrere Besprechungszimmer, eine Küche, ein Drucker, geschäftige Mitarbeiter: Das Gebäude im Gewerbegebiet in Dürnbach wirkt auf den ersten Blick wie ein normales, modernes Großraumbüro. Doch dahinter steckt einiges mehr: „Wir sind eine WG zum Arbeiten“, sagt Anja Freitag (40).

Vor gut einem Jahr haben Freitag und ihr Partner Florian Hornsteiner (44) die Coworkerei Tegernsee ins Leben gerufen – es war das erste Projekt dieser Art im Landkreis Miesbach. Die Idee: Selbstständige und Kleinunternehmer aus der Region klemmen sich Laptop und Handy unter den Arm, mieten sich hier einen Arbeitsplatz und arbeiten fortan Schreibtisch an Schreibtisch mit Gleichgesinnten.

Insgesamt 13 solcher Arbeitsplätze stellen Hornsteiner und Freitag, die im gleichen Haus ihre Agentur Flowmotion mit bis zu zehn Mitarbeitern betreiben, zur Verfügung. Mit der Auslastung von etwa 70 Prozent seien sie „sehr zufrieden“, meint Freitag. Mittlerweile hat sich ein fester Stamm an Coworkern zusammengefunden, allein sechs von ihnen sind täglich anwesend und haben in Dürnbach einen fixen Schreibtisch. Sie bezahlen ihre Arbeitsplatz-Miete per Monatsflat. Für diejenigen, die nur hin und wieder kommen, gibt es Zehner- und Tagestickets. Ganz wie gewünscht.

Doch was sind das für Leute, die in der Büro-WG zugange sind? „Im weitesten Sinne sind es Freiberufler, die mit Menschen, Kommunikation und Marketing zu tun haben“, erklärt Anja Freitag. Unter den Dürnbacher Coworkern finden sich beispielsweise PR-Berater, eine Immobilienmaklerin, aber auch ein Steuerberater – die meisten zwischen Anfang 30 und Mitte 50. Viele haben kleine Kinder, wollen und können für ihre Arbeit also keine langen Wege mehr in Kauf nehmen.

„In fünf bis zehn Jahren wird es normal sein, auf dem Land zu arbeiten“, glaubt Initiator Florian Hornsteiner. Diese Entwicklung lasse sich nicht aufhalten. Schließlich steigere der Arbeitsplatz im direkten Umfeld entscheidend die Lebensqualität. Kein lästiges Pendeln mehr, kein Im-Stau-stehen, keine tägliche Zerreißprobe für die Nerven. „Wir freuen uns, dass wir hier Pionierarbeit leisten durften“, sagt der 44-Jährige.

Und es gibt bereits Nachahmer. Erst vor wenigen Tagen hat am Miesbacher Stadtplatz Sabine Moser ihr Co-Working-Projekt Stadtplatz 10.0 gestartet. Im Moserhaus hält sie bis zu 18 Arbeitsplätze für Schreibtisch-Mieter bereit. „Fünf Plätze sind mittlerweile vergeben“, berichtet Moser. Mit weiteren Interessenten sei sie im Gespräch.

Eine Resonanz, die sie zufrieden stellt? „Ich hätte mir auch eine größere Resonanz vorstellen können“, räumt die Initiatorin ein. Allerdings habe sie bisher kaum die Werbetrommel für das Projekt gerührt – „das läuft jetzt erst so richtig an“. Ähnlich wie Hornsteiner ist auch Moser von der Idee des Co-Workings überzeugt. „Ich glaube, dass es in einer Kreisstadt wie Miesbach mit großem Einzugsbereich gut funktioniert.“

Hier können sich Interessenten melden

Wer Interesse an einem der beiden Coworking-Projekten hat, kann sich jederzeit bei den Initiatoren melden. Sabine Moser ist unter Telefon 0172-708 33 06 erreichbar. Infos über die Coworkerei Tegernsee gibt es unter Telefon 0 80 22 / 7 04 80. In Dürnbach gibt es anlässlich des einjährigen Bestehens zudem einen Tag der offenen Tür am Donnerstag, 1. Dezember, ab 17 Uhr (Coworkerei Tegernsee, am Hoffeld 2).

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