+
Los geht's: Mit dem Kaltenbrunner Vize-Chef Franz Weber (r.) und Käfersprecherin Marion Drux (m.) besichtigen wir die fertigen Räume.

So haben Sie Kaltenbrunn noch nicht gesehen

Käfers Dauerbaustelle am Tegernsee: Exklusiver Rundgang durch Kaltenbrunn

Gmund - Gut Kaltenbrunn liegt Michael Käfer am Herzen. Wir haben uns das riesige Areal gemeinsam mit dem neuen Vize-Chef angeschaut, fanden tolle Räume - und ungelöste Probleme.

Es ist nichts weniger, als das Tor zum Tegernsee. Mächtig, markant, unübersehbar thront Gut Kaltenbrunn am nördlichsten Punkt von See und Tal. Fast wie eine Burgruine, so ähnlich sah Kaltenbrunn auch lange aus. Bis sich Michael Käfer, der berühmte Feinkostkönig aus München, dem Problemfall am Tegernsee angenommen hat. Seitdem entstehen Innenhöfe, Event-Säle und natürlich Biergärten mit Seeblick, wo vorher vor allem Verfall drohte. 

Kaltenbrunn von oben: Das Gut thront wie eine Burg über dem Tegernsee.

Münchner wie Tal-Bewohner werden seitdem gleichermaßen von dem schönen Monstrum angezogen. Und gleichzeitig sorgt Kaltenbrunn für wunderbar viel Gesprächsstoff.

Das Gut Kaltenbrunn aus der Vogelperspektive. Das Foto stammt aus dem Jahr 2011. Inzwischen hat sich einiges verändert, die einzelnen Gebäude sind aber erhalten: 1) Königsbau mit davor liegendem Gast- und Familienbiergarten. 2) Ärztehaus. 3) Pferdestall. 4) Rinderstall. 5) Gesindehaus. 6) Innenhof. 7) Salettl (abgerissen) - hier steht jetzt ein Anbau.

Denn wirklich rund lief von Anfang an nicht bei Käfers Herzensprojekt. Geschäftsführer wechselten genauso schnell wie die Küchenchefs. 

Hat's nicht leicht mit seinem Herzensprojekt: Michael Käfer.

Einheimische fühlten sich entweder herabgesetzt (Stichwort "Zwei-Klassen-Biergarten) - oder waren enttäuscht, nachdem ein Michael Käfer vielleicht etwas zu hohe Erwartungen in ihnen geweckt hatte. Vielen passten die Preise nicht. Und dann ist da auch noch das Parkplatz-Problem. 

Ein Problem: Bei Veranstaltungen oder Biergartenwetter am Wochenende parken die Autos auf der Straße.

Höchste Zeit also, so dachten wir uns, endlich einen genauen Blick hineinzuwerfen. 

Los geht's: Mit dem Kaltenbrunner Vize-Chef Franz Weber (r.) und Käfersprecherin Marion Drux (m.) besichtigen wir die fertigen Räume.

Franz Weber - Käfers Stellvertreter auf Gut Kaltenbrunn - öffnet die schwere, doppelflüglige Glastür. 

Der Rinderstall und die darüber liegende Tenne machen das größte Gebäude Kaltenbrunns aus.

Dann stehen wir in der riesigen Halle mit 64 weißen Säulen. Früher, als der Gutshof mit über 1200-jähriger Geschichte noch eine Landwirtschaft hatte, standen hier die Rindviecher, angebunden in Reih und Glied.

Sieht so gar nicht aus, wie er heißt: der Rinderstall.


Heute genießt hier das Partyvolk Prosecco, ehe es hinaufsteigt in die Tenne, das neue Herzstück des Eventbereichs von Gut Kaltenbrunn. „Der Rinderstall wird gerne als Empfangsbereich für größere Veranstaltungen genutzt“, sagt Weber. 

Zierpferd im Rinderstall: Die Räume werden je nach Wunsch des Auftraggebers für jedes Event gestaltet.

Im Inneren geht es über eine alte Holztreppe zur Tenne - die erst kürzlich fertiggestellt worden ist. 

Eine riesige Halle, deren komplett erneuertes Dach von einer gigantischen Balkenkonstruktion getragen wird. 

Riesig: die Tenne über dem Rinderstall.

Auf den Erhalt einiger weniger alter Balken haben die Denkmalschützer Wert gelegt, der Rest wurde erneuert. „Die neuen Balken werden schon noch nachdunkeln“, ist Weber überzeugt. 

An den hohen Wänden, wo die Tennenfenster erhalten sind, wurden Teile des Mauerwerks bewusst freigelegt, um die langjährige Geschichte spürbar zu machen. 

Der Boden ist auch neu, früher war das einfach festgetretener Dreck, sagt Käfer-Sprecherin Drux. Jetzt ist es ein massiver Holzboden, der das Säulengewölbe im Untergeschoss schützt.

Boden: neu, Decke: fast neu, trotzdem sieht's auch irgendwie historisch aus. Wahrscheinlich wegen den originalen Fenstern.

Einige Veranstaltungen hat Weber seit der Fertigstellung schon organisiert, doch der 39-jährige Pfälzer ist erst seit sechs Wochen mit an Bord. Er ist als Betriebsleiter eingestellt und soll als Stellvertreter von Kaltenbrunn-Pächter Michael Käfer, der inzwischen auch die Geschäftsleitung innehat, schauen, dass der Laden ordentlich läuft. Zumindest, was die Vorbestellungen angeht, scheint's zu klappen: „Wir haben Buchungen bereits bis 2018.“

Franz Weber, der neue zweite Mann auf Gut Kaltenbrunn - nach Michael Käfer, der erst vor Kurzem die Geschäftsführung selbst übernommen hatte.

Ein besonderes Schmankerl hat Kaltenbrunn etwas versteckt auf der Rückseite des Rinderstalls auf Lager: Über die ehemalige Auffahrt für die Heuwagen lässt sich die Tenne ebenfalls erreichen.

Edler Aufgang: Quasi als exklusive Außentreppe dient die Auffahrt für Heuwagen zur Tenne. 

Weiter geht's zum nächsten Gebäude: Der ehemalige Pferdestall, gehört zu den noch offenen Baustellen auf Kaltenbrunn. Ebenerdig dient er derzeit noch als Lagerplatz für alle möglichen Utensilien, „langfristig soll hier eine Mitarbeiterkantine eingerichtet werden“, erklärt Weber. Das ist bitternötig, denn Kaltenbrunn beschäftigt inzwischen 70 Festangestellte, auch ein Dutzend Asylbewerber arbeiten hier.

Nicht für die Öffentlichkeit: Im Pferdestall soll mal eine Personalkantine entstehen - das Obergeschoss ist noch nicht fertig, was da reinkommt, weiß auch noch keiner.

Mit einem schnörkellosen Bau, in dem die Eventküche steckt, ist er mit Rinderstall und Tenne verbunden.

Eventküche zwischen Tenne und Pferdestall: Damit die Großveranstaltungen trotz Restaurantbetrieb abgewickelt werden können, gibt's hier eine Extraküche.

Dies gilt auch für den anschließenden Verwaltungstrakt. „Stück für Stück wird das Anwesen entwickelt“, weiß Marion Drux, die als Sprecherin von Michael Käfer den Rundgang begleitet. Auch das Gesindehaus in vorderster Front zum See gehört zu den „Baustellen“.
Von außen ist es tipptopp, sogar die Blumenkästen sind mit Zweigen gefüllt. „Doch innen lässt der Zustand noch zu Wünschen übrig“, sagt Drux. Einen Plan habe Herr Käfer dafür noch nicht. Nur eine Katze hat streunt auf dieser ungenutzten Terrasse herum.

Das ehemalige Räucherhäusl, gleich unterhalb des Gesindehauses am Hang, hat seine neue Bestimmung schon gefunden: 

Klein aber fein: Das Räucherhäusl.

Es kann für kleine gesellige Runden mit bis zu 20 Leuten gebucht werden. „Der alte Ofen ist intakt“, sagt Weber und schwärmt von gemütlichen Abenden bei Käsefondue und Wein.

Blick durchs Fenster in den kleinsten Event-Raum Kaltenbrunns.

Viel ist schon fertig, viel noch Baustelle, viele Probleme - immer noch ungelöst, auch nach einem Jahr. Weber soll also das Schiff Kaltenbrunn in ruhiges Fahrwasser bringen. 

Perspektive vom Innenhof: Blick vorbei an Königsbau und Gesindehaus auf den See.

Das erste Jahr war stürmisch genug. „Wenn so ein Betrieb von dieser Größe eröffnet, dann ist das immer schwer“, versucht der neue Betriebsleiter den anfänglichen Personalwechsel in der Küche und auf Geschäftsführerebene verständlich zu machen.

Franz Weber, Käfers Stellvertreter am Tegernsee.

„Für Herrn Käfer, mit dem ich mich oft mehrmals täglich bespreche, ist Kaltenbrunn wirklich ein Herzensprojekt.“ 

Kaltenbrunn spiegelt sich in Kaltenbrunn: Der Königsbau im historischen Fenster des Rinderstalls.

Ob er sich bewusst sei, dass vor allem die einheimische Bevölkerung eine riesige Erwartungshaltung habe? Ein unsicherer Blick, doch Weber nickt.

Dann ist da noch die Sache mit den fehlenden Parkplätzen. 

Nicht gerade riesig im Verhältnis zu den Event-Sälen: Der einzige Gästeparkplatz Kaltenbrunns.

Bei größeren Veranstaltungen, wie zuletzt beim Leonhardimarkt, müssen Autofahrer nach wie vor am Straßenrand parken und Strafzettel in Kauf nehmen. „Ein Thema, das wir dringend lösen müssen“, ist sich Weber bewusst. Man arbeite daran. Von einer Kooperation mit der Spielbank Bad Wiessee und deren Parkhaus sei man inzwischen abgekommen. 

Ein Problem: Der Innenhof ist laut Landratsamt als Parkfläche ausgeschrieben - nur: Bei Events wird hier gefeiert...

Und bei größeren Veranstaltungen stehe ja noch die Wiese oberhalb der Bundesstraße mehrmals im Jahr zur Verfügung. 

Soll die Ausnahme bleiben: Parken auf der Wiese hinter Kaltenbrunn.

Ursprünglich wollte Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) einen "Wanderparkplatz" am Kreistag vorbei durchsetzen. Doch da spielte das Landratsamt nicht mit. 

Eines dieser Probleme, die man in Kaltenbrunn unbedingt bald lösen will, nur offenbar noch wenig Ideen hat, wie. Nichtsdestotrotz ist viel passiert auf Gut Kaltenbrunn, seit dessen Besitzerin Alexandra Schörghuber Michael Käfer den Schlüssel in die Hand gedrückt hat. 

Übergabe: Alexandra Schörghuber drückt Michael Käfer den übergroßen Hausschlüssel ihres Guts in die Hand.

Und es bleibt spannend. Übrigens: Auch Franz Weber will offensichtlich eine Brücke zwischen dem "normalen" Tal-Bewohner und dem Münchner Edel-Gast schlagen - zunächst mit einer großen Silvesterparty im Rinderstall. Die Karte gibt's zu 15 Euro im Vorverkauf - wesentlich erschwinglicher also, als das Mehrgängemenü für rund 160 Euro im Königsbau. 

Und auch die Restaurant-Gäste dürfen später freilich mitfeiern. Alle gemeinsam - jung und alt, arm und reich, Münchner und Gmunder - stoßen dann in Käfers Kaltenbrunn aufs neue Jahr an. So könnte er Aussehen, Käfers Traum von seinem Herzensprojekt Gut Kaltenbrunn.

Ende.

gr/kmm

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution

Meistgelesene Artikel

Landratsamt via Facebook: Gemeinde Gmund hat uns angelogen

Wir berichteten über eine Gmunder Bahnhofs-Wohnung, die trotz bester Lage keiner haben will. Jetzt reagiert das Landratsamt: Man hätte durchaus angefragt. Ein pikanter …
Landratsamt via Facebook: Gemeinde Gmund hat uns angelogen

Haus Ursula: Klares Nein zu Neubau-Plänen

Bad Wiessee - Die Tage des Hauses Ursula am Lindenplatz sind gezählt. Ein Bauträger plant an der Stelle ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Den Bauantrag hat der …
Haus Ursula: Klares Nein zu Neubau-Plänen

Tegernseer Volkstheater schafft Sprung ins Fernsehen

Der Bayerische Rundfunk will das Genre Volkstheater ins Fernsehen bringen – und das Tegernseer Volkstheater um Andreas Kern macht mit „Trauung mit Hindernissen“ den …
Tegernseer Volkstheater schafft Sprung ins Fernsehen

RVO stockt auf: Das sind die neuen Routen und Zeiten

Landkreis – Zum Fahrplanwechsel am Sonntag, 11. Dezember, kommt es auch auf einigen RVO-Buslinien im Landkreis zu Änderungen. Nachfolgend eine Übersicht.
RVO stockt auf: Das sind die neuen Routen und Zeiten

Kommentare