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Schnee auf Vorrat: Sieht komisch aus, macht aber wirtschaftlich Sinn, sagen die Liftbetreiber.

Der Kampf um den Schnee

Eigentlich verboten: Darum liefen die Schneekanonen schon

Tegernsee - In den ersten kalten Nächten des Jahres liefen die Schneekanonen schon auf Hochtouren. Das ist verboten - wirtschaftlich macht es wohl trotzdem Sinn. Die Hintergründe.

Elf Grad bei Nieselregen, manchmal bricht die Sonne durch. Diese Tage herrscht nicht nur am Tegernsee ein recht mildes Spätherbstklima. Umso verwirrender für viele, dass die Schneekanonen die kalten Nächte davor schon in vollem Einsatz waren. Das ist verboten. Das Landratsamt wird da ziemlich deutlich. Laut Sprecher Birger Nemitz gilt für die meisten Schneekanonen im Landkreis: 

„Die Beschneiung darf nur in der Zeit vom 15. November bis 28. Februar eines jeden Jahres durchgeführt werden.“

Zudem wundern sich viele, was der Kunstschnee bringt, wenn es ein paar Tage später wieder regnerische 11 Grad auf der Piste hat.  So liegen zum Beispiel am Oedberg die weißen Haufen im Moment recht einsam auf der grünen Wiese. Oedberg-Betreiber Georg Reisberger kann die Verwirrung einzelner Passanten durchaus nachvollziehen. 

Liftbetreiber am Oedberg: So wichtig ist Beschneiung im November

Doch die Beschneiung mache durchaus schon Sinn, sagt er. Schließlich beschneie man nicht flächig den Hang, sondern produziere Schnee auf Vorrat. Und den Schneehaufen könnten auch warme Temperaturen, ja selbst Regen, wenig anhaben. „Sicher haben wir einen Tauschwund. Der liegt aber höchstens bei fünf bis zehn Prozent.“ 

Und das fällt nicht weiter ins Gewicht, denn: Bei Temperaturen tief im Minusbreich, trockener Luft und wenig Wind laufen Schneekanonen zur Bestform auf. Bei feuchter Luft und nur ein paar Grad minus produzieren die selben Anlagen nur einen Bruchteil an Schnee - und brauchen dabei genauso viel Strom. Im Grenzbereich kann der Kubikmeter Schnee laut Reisberger daher zehn mal mehr Strom kosten als bei Idealbetrieb.

Wenn es dann durchgehend kalt wird, muss Reisberger die Schneehaufen nur noch auf dem Hang verteilen. „Hätten wir drei Nächte mehr gehabt, könnten wir schon in Betrieb gehen.“ So schnell geht das. Und bei einem Hang, der zwischen 800 und 1000 Höhenmetern liegt, ist Kunstschnee meist die einzige Chance, um ein paar Skitage zusammenzubekommen. Den Oedberg-Lift gibt‘s seit 1965. „Früher hatte man zwischen 25 und 30 Betriebstage“, erinnert sich Reisberger. Seit am Oedberg zehn Schneekanonen stehen, habe man schon mal 78 Tage zusammenbekommen. 

Zehn Schneekanonen samt Technik kosten rund eine Million Euro

Eine teuer erkaufte Verlängerung: Die zehn Schneekanonen am Oedberg haben rund eine halbe Million Euro gekostet. Für Technik, Leitungen und Pumpen, schätzt Reisberger, ist sicher nochmal dieselbe Summe geflossen. Nur über den Liftbetrieb lässt sich das schwer reinholen. „Andererseits: Ohne Schnee geht‘s halt gar nicht.“

Und zum Schluss sei wichtig, „dass das Ding an Weihnachten läuft“. Normalerweise klappt das auch. Nur letztes Jahr nicht. Das habe an den warmen Temperaturen gelegen, aber vor allem am Wasser. Bis zum Winter 2015/2016 haben Reisbergers Schneekanonen ihr Wasser nur aus dem Schwärzenbach bekommen. Und durch den trockenen Herbst lief da im Vorjahr nicht viel. Davon ist Reisberger nicht mehr abhängig. „Wir haben jetzt einen Tiefbrunnen.“ Da lässt sich in kurzer Zeit richtig viel Wasser abpumpen.

So konnten die Oedberg-Schneekanonen schon in den ersten kalten Nächten auf Hochbetrieb laufen. Übrigens ist der Oedberg da nicht alleine: Auch die anderen Skigebiete im Landkreis haben fleißig beschneit. „Mit aller Vorsicht“, sagt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Alpenbahnen Spitzingsee-Tegernsee. Schließlich könne es jederzeit wieder warm werden. Aber auch er hält viel davon, Schneehaufen auf Vorrat zu produzieren. Was man hat, das hat man eben.

Und das Verbot? Tatsächlich hat jeder Betreiber seine eigene Verträge mit dem Landratsamt. So ließen sich theoretisch unterschiedliche Startzeiten festlegen. Für die beiden großen Skigebiete Spitzingsee und Sudelfeld sowie den Oedberg gilt der 15. November jedenfalls. Beschneit haben alle bereits in den Nächten zuvor.

Die haben aber auch eine Erklärung parat: „Bisher sind wir nur im Probebetrieb gelaufen“, erklärt Lorenz. Die Anlagen müssten schließlich getestet werden. „Und das geht auch nur, wenn es kalt ist.“ Sonst, so Lorenz, verliere man ja zwei Nächte, wenn es dann wirklich kalt wird. 

Umweltschützer: „Sonderbare Logik“

Die Umweltschützer sehen das nicht so locker: „Nach der Logik könnte ja auch jeder Bauer seine Gülle trotz Verbot auf die Wiese fahren“, sagt Manfred Burger, Landkreis-Chef des Bund Naturschutz, „weil er seinen Traktor testen muss.“ Burger sieht die ganze Beschneiung kritisch. Aber dass man jetzt schon so früh anfängt, sei wirklich nur noch die reine Energieverschwendung. „Das bleibt doch sowieso nicht liegen.“ 

Das ist freilich Ansichtssache. Das Verbot dagegen nicht. Nur vor Strafen müssen sich die Liftbetreiber deswegen wohl nicht fürchten. „Ein Verstoß wäre eine Ordungswidrigkeit“, sagt Landratsamts-Sprecher Nemitz, „aber die müsste auch erst einmal jemand anzeigen.“ Und dann müsse das freilich noch jemand nachweisen. Heißt wohl: Wo kein Kläger, da kein Richter. 

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