+
Für Anlieger Rudolf Probst sind die Wohnmobile am Volksfestplatz ein ständiges Ärgernis. Er will den Beschluss des Gemeinderats nicht einfach so hinnehmen.

"Das ist die Rumpelkammer von Gmund"

Anwohner von Volksfestplatz wehrt sich gegen Wohnmobile

Gmund - Der Gmunder Gemeinderat hat beschlossen, am Volksfestplatz einen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz auszuweisen. Anwohner Rudolf Probst will sich gegen diese Entscheidung zur Wehr setzen.

Es ist nachts um 2.10 Uhr. Rudolf Probst (58) schreckt aus dem Schlaf, wie so oft: Unter seinem Schlafzimmerfenster, gleich hinter der Gartenhecke, wirft ein Camper den Dieselmotor seines Wohnmobils an und lässt ihn erst einmal laufen. Alltag in der Nacht am Volksfestplatz, für den der Gmunder Gemeinderat mehrheitlich beschlossen hat, dass dort nicht mehr nur geduldet, wie bisher, sondern künftig ganz offiziell Wohnmobile parken dürfen.

Probst, der mit seiner Familie seit 1997 in seinem Haus zwischen dem Bahngleis und dem Volksfestplatz lebt, macht zum Beweis Handyaufnahmen. Wieder einmal. Weitere Fälle dokumentiert er laufend: etwa von Sattelschleppern, die nachts um 3.15 Uhr Anhänger wechseln und trotz Nachtfahrverbots vom Volksfestplatz aus starten. Doppelstöckige „Biesel-Busse“, wie Probst sie nennt, die wöchentlich mehrfach ihre Insassen an der öffentlichen Toilette aussteigen lassen. „Drift-Rowdies“, die zum Spaß ihre Autos testen. Dazu kommen Flohmärkte, die früh morgens starten, einmal im Jahr das Volksfest, das Oldtimer- und Youngtimer-Treffen, der Tegernsee-Lauf, der Tal-Triathlon sowie Seefeste, für die der zentral gelegene Platz, den die Gemeinde von der Viehzucht-Genossenschaft Tegernsee gepachtet hat, genügend Parkfläche bietet.

„Das ist die Rumpelkammer von Gmund“, findet Probst. „Mir ist kein Fall im Landkreis bekannt, wo so ein Saustall zugelassen wird.“ Ein offizieller Wohnmobil-Stellplatz würde der Gesamtsituation noch die Krone aufsetzen. Der 58-Jährige ist überzeugt, dass viele Gmunder nach dem Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats ebenso wie er den Kopf geschüttelt haben. „Bürger anderer Talgemeinden werden sich auf die Schenkel geklopft haben“, glaubt Probst angesichts der Tatsache, dass es bis auf den Campingplatz in Weissach keinen anderen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz gibt.

Wie jene Gemeinderäte, die dagegen gestimmt haben, hält Probst nichts davon, sich dieser Touristen-Klientel anzubiedern. „Die meisten sind Selbstversorger und holen sich beim Rewe höchstens eine billige Butter.“ Auch sieht er nicht ein, warum der Stellplatz mitten im Ort liegen müsse. „In Seeglas oder am Oedberg“, sagt der Anwohner, „würden die rollenden Einfamilienhäuser niemandem auf den Wecker gehen.“

Auch geht’s ihm um den Verkehr überhaupt, dessen Schall sich durch die fehlende Bepflanzung und die umliegende Bebauung „extrem“ übertrage. Das Fass mit dem Lärm durch die BOB, der vergleichbar mit dem einer Kreissäge sei, wolle er gar nicht erst aufmachen. Auch hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben, findet Probst. „Unser Tal rennt ohnehin einem Verkehrs- und Lärmkollaps entgegen“, warnt der Gmunder und sieht seinen Ort, in dem bereits seine Vorfahren seit Generationen lebten, schon als Vorort von München. „Da braucht’s nicht auch noch Wohnmobile im Ort.“

Überhaupt die Zukunft: Wo parken die bis zu 200 Gäste im künftigen Maximilian-Gasthof? Wird die große Wasser-Baustelle an der Mangfall zur Regulierung des Tegernsee-Pegels tatsächlich über den Volksfestplatz abgewickelt? Fragen, die für Probst und viele andere Anwohner, die sich vor dem Votum vergebens um die Unterstützung der Gemeinderäte bemüht hatten, offen sind. „Ich hoffe, dass der Gemeinderat zur Besinnung kommt.“

Für Bürgermeister Georg von Preysing (CSU), der gegen die Einrichtung des Wohnmobil-Stellplatzes gestimmt hatte, ist das Thema „gegessen“. Er müsse den Mehrheits-Beschluss nun umsetzen und sei bereits dabei, den richtigen Planer zu finden. „Erneut diskutieren werden wir sicherlich nicht“, so der Rathauschef. Über Lösungsansätze, um die Problematik am Platz zu entschärfen, könne man hingegen gerne reden.

Probst hat einige zusammengetragen. Sie reichen von der Einführung und Überwachung einer Tempo-30-Zone, über ein Einfahrverbot für Wohnmobile, Lkw, und Busse sowie Ausnahmegenehmigungen für Vereinsbusse bis hin zu einer erkennbaren Einteilung der Parkplätze, der Einführung von Parkgebühren („Einnahmen für soziale Zwecke“) sowie Lärm-, Feinstaub- und Abgasmessungen hier und an weiteren neuralgischen Punkten. „Und vor allem“, sagt Probst, „sollte man den unsinnigen Beschluss in die Tonne treten.“

gr

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin
<center>Fächer "Goldstück"</center>

Fächer "Goldstück"

Fächer "Goldstück"
<center>Mahlzeit - Die besten Rezepte aus ganz Bayern</center>

Mahlzeit - Die besten Rezepte aus ganz Bayern

Mahlzeit - Die besten Rezepte aus ganz Bayern
<center>Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016</center>

Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016

Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016

Meistgelesene Artikel

Christkindlmärkte am Tegernsee mit Pendelschiff: Alle Infos

Tegernsee - Gleich drei Christkindlmärkte gibt's 2016 gleichzeitig am Tegernsee. Dazwischen verkehren so viele Schiffe wie noch nie. Hier gibt's die große Übersicht mit …
Christkindlmärkte am Tegernsee mit Pendelschiff: Alle Infos

Landratsamt via Facebook: Gemeinde Gmund hat uns angelogen

Wir berichteten über eine Gmunder Bahnhofs-Wohnung, die trotz bester Lage keiner haben will. Jetzt reagiert das Landratsamt: Man hätte durchaus angefragt. Ein pikanter …
Landratsamt via Facebook: Gemeinde Gmund hat uns angelogen

Haus Ursula: Klares Nein zu Neubau-Plänen

Bad Wiessee - Die Tage des Hauses Ursula am Lindenplatz sind gezählt. Ein Bauträger plant an der Stelle ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Den Bauantrag hat der …
Haus Ursula: Klares Nein zu Neubau-Plänen

Tegernseer Volkstheater schafft Sprung ins Fernsehen

Der Bayerische Rundfunk will das Genre Volkstheater ins Fernsehen bringen – und das Tegernseer Volkstheater um Andreas Kern macht mit „Trauung mit Hindernissen“ den …
Tegernseer Volkstheater schafft Sprung ins Fernsehen

Kommentare