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Innenminister sieht schwarz für Ausbau bei der BOB

Abfuhr für den Halbstunden-Takt

Landkreis – Diese Nachricht ist richtig bitter: Für den Halbstunden-Takt bei der BOB nach Bayrischzell sieht Innenminister Joachim Herrmann schwarz - ebenso wie für das E-Tender-Pilotprojekt im Landkreis Miesbach. 

Diese Nachricht ist richtig bitter: Für die Ausweitung des Halbstunden-Taktes im Fahrplan der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) bis Bayrischzell braucht der Landkreis aus dem Bayerischen Innenministerium keine Unterstützung zu erwarten. Das geht aus der Antwort von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf die Resolution des Landkreises hervor. Die Begründung, kurz gefasst: keine Mittel, keine Not. Der Landrat ist enttäuscht. „Es kann nicht sein, dass die Verantwortung hin- und hergeschoben wird“, teilt Wolfgang Rzehak (Grüne) in einer Presseerklärung mit. 

Im Mai hatte der Landkreis in einem Brief ans Innenministerium im Wesentlichen für zwei Themen Unterstützung gefordert: Die Tegernseebahn Betriebsgesellschaft (TBG) solle in ihren Bemühungen um Fördermittel des Bundes für eine Machbarkeitsstudiefür sogenannte E-Tender oder Akkuloks unterstützt werden, nachdem eine Elektrifizierung der Gleisstrecken im Oberland auf absehbare Zeit keine Chance bekommt. Und – der wichtigste Punkt: Um den Halbstunden-Takt bis Bayrischzell, zu ermöglichen, solle in Fischbachau ein Kreuzungsbahnhof entstehen. 

Akku-Loks 

Wenn schon keine Elektrifizierung der Strecken im Oberland kommt, müssen andere Techniken gesucht werden, um über kurz oder lang im Oberland die weniger umweltfreundlichen Dieselloks von der Schiene zu bekommen. Hier setzte die Tegernseebahn an und brachte sogenannte E-Tender oder Akkuloks ins Spiel. Ein E-Tender, erklärt der ehemalige BOB-Geschäftsführer und heutige Chef der Tegernseebahn, Heino Seeger, sei dabei „nur eine Krücke“: Der elektrisch betriebene Vor- oder Nachtriebwagen könnte die Dieseltriebwagen ans Ziel ziehen oder schieben – ohne dafür das Gleisnetz über neue Oberleitungen zu elektrifizieren. Besser, meint Seeger, wären freilich konventionelle Fahrzeuge, die mit elektrischem Eigenantrieb fahren können. Nichts anderes seien, sagt Seeger, auch die Brennstoffzellenzüge, wie die BOB sie jüngst ins Gespräch brachte; der Akku werde dabei eben von einer Brennstoffzelle an Bord betrieben, die ihre Energie aus Wasserstoff gewinnt. 

Die Tegernseebahn beantragte beim Bundesverkehrsministerium Fördermittel, um eine Machbarkeits-Studie durchzuführen. Ihm sei „zu Ohren gekommen, dass die ursprünglich angestrebte Kooperation der TBG mit ihrem Partner auf Fahrzeugseite, der Schweizer Stadler Rail Group, nicht zustande gekommen ist“, schreibt nun Herrmann. Deshalb bearbeite das Bundesministerium den Antrag nicht weiter, und er sehe daher auch keine Möglichkeit, den Förderantrag zu unterstützen, so Herrmann. „Es stimmt, uns fehlt zurzeit ein Produzent“, bestätigt Seeger auf Nachfrage. Er betont aber auch, dass das Pilotprojekt damit nicht gestorben sei: „Wir stehen mit Herstellern in Gesprächen.“ In der kommenden Woche will Seeger auf der Eisenbahnmesse Innotrans weiter mit Herstellern verhandeln. Klar sei aber auch: „Die Rückendeckung der Politik ist wichtig.“ Entmutigen lässt er sich daher nicht: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ 

Zumal der Innenminister den Ansatz grundsätzlich „durchaus prüfenswert“ findet und ankündigt, sein Ministerium wolle den Einsatz von Brennstoffzellenzügen „in den nächsten Wochen prüfen“. Fraglich sei, ob diese aus Sicherheitsgründen in Tunneln fahren dürften – das wäre dann wichtig, wenn die BOB künftig nicht am Münchner Hauptbahnhof endet, sondern auch die S-Bahn-Stammstrecke nutzt. In diese Verlegenheit käme die BOB frühestens 2028, meint BOB-Chef Bernd Rosenbusch: „Bevor es einen zweiten Stammstreckentunnel gibt, geht das sowieso nicht.“ 

Halbstunden-Takt

Ob die Züge in Bayrischzell alle 30 Minuten starten können, hängt auf der eingleisigen Strecke davon ab, ob genug Möglichkeiten zur Verfügung stehen, an denen sich Züge in Gegenrichtung begegnen können: sogenannte Kreuzungspunkte. Bis Schliersee fahre die BOB bereits weitgehend halbstündlich, erklärt Rosenbusch. „Aber es ist auch wichtig, bis Bayrischzell einen Halbstunden-Takt hinzubekommen.“ 

Herrmann sieht dafür aber schwarz. Allein auf der Strecke Holzkirchen-Bayrischzell wäre dafür einer Prüfung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) zufolge eine Investition in die Infrastruktur in Höhe von 20 Millionen Euro nötig, so Herrmann. Zähle man die anderen Schienenäste der Region hinzu, vervielfache sich der Betrag. Eine Verlängerung der Verstärkerzüge bis Bayrischzell würde jährlich mit zusätzlich 500 000 bis 700 000 Euro zu Buche schlagen, schreibt Herrmann. Es gebe Strecken in Bayern, die schlechter angebunden und dabei stärker frequentiert seien als die Strecke bis Bayrischzell mit werktags „deutlich unter 1000 Reisenden“ und mithin dringender ausgebaut werden müssten. 

Die Mittel, die der Freistaat vom Bund für den Ausbau regionaler Schieneninfrastruktur zur Verfügung gestellt bekommt, seien überdies bis Anfang der 2020er Jahre verplant. „Allein schon aus diesem Grund sehe ich derzeit leider keine Finanzierungsperspektive für einen Kreuzungsbahnhof Fischbachau.“ Man müsse Prioritäten setzen – und die liegen offenkundig nicht auf Bayrischzell. Dass er über den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) keine Finanzierungsmöglichkeit sehe, weil hier keine Fern- und Güterzüge verkehren, hatte Herrmann schon 2015 deutlich gemacht. Für Rosenbusch ist die Frage, was über den BVWP finanziert werden kann, allerdings „eine politische Entscheidung“. Und ebenso müsse man den Durchbruch für einen Kreuzungspunkt in Fischbachau auf politischem Wege suchen. „Es braucht ein Umdenken in der Politik“, fordert Rosenbusch: weg vom Ausbau langer Strecken, hin zum Ausbau regionaler Verbindungen. „Mit den Milliarden, die zwischen Nürnberg und Berlin für den ICE verbuddelt werden, könnte man viele Regionalstrecken ausbauen.“ 

Wie geht’s weiter? 

Den politischen Weg will auch der Landrat weiter suchen. Herrmanns Ankündigung, dass die Länder den Bund beim Streckenausbau stärker in die Verantwortung nehmen wollten, will Rzehak „weiter mit Nachdruck verfolgen“: „Es kann nicht sein, dass die Verantwortung hin- und hergeschoben wird.“ Rzehak sieht auch die Parteikollegen von Herrmann und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in der Pflicht: „Ich erwarte da auch, dass die CSU-Kreistagsfraktion und alle lokalen Politiker ihren Einfluss stark geltend machen.“

Herrmann will derweil als Ergebnis von Gesprächen mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner „zeitnah ein Konzept ausarbeiten, ob und gegebenenfalls wie der öffentliche Verkehr in der Kombination Schiene und Bus“ attraktiver gestaltet werden könne – „mit angemessenem Mitteleinsatz“.

Katrin Hager

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