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Sie haben das Kommando bei Bayerns ältester Leonhardifahrt in Kreuth: Jakob Mayer und Kaltblutstute Pia.

Leonhardifahrt in Kreuth

Vorreiter in dritter Generation

Kreuth – Bayernweit ziehen am Sonntag Ross und Reiter durch die Ortschaften und bitten um den Segen des Heiligen Leonhard. In Kreuth, bei der ältesten Leonhardifahrt Bayerns, hat Jakob Mayer als Vorreiter das Kommando. So wie vor ihm schon sein Opa und Ur-Opa.

Stolz. Mehr als dieses eine Wort braucht Jakob Meyer (26) nicht, um zu beschreiben, wie er sich fühlt, wenn er am Sonntag als Vorreiter die Leonhardifahrt in Kreuth anführt. Stolz, weil es schon Opa und Uropa gemacht haben. Stolz, weil er den Umzug zu Ehren des Heiligen Leonhards in seiner Heimatgemeinde schon als kleiner Bub verfolgt hat. Besonders stolz aber, weil er der Vorreiter bei der wohl ältesten Leonhardifahrt Bayerns ist.

Im gesamten Freistaat ziehen an diesem Wochenende festlich geschmückte Gespanne und Pferde durch die Ortschaften (siehe Kasten). Geistliche segnen Ross und Reiter im Zeichen des heiligen Leonhard, dem Schutzpatron der Nutztiere. Der Benediktinerabt Leonhard von Limoges hat im 6. Jahrhundert als Einsiedler in Frankreich gelebt. Mit der Prozession an seinem Gedenktag ehren Landwirte den Ross-Heiligen. Und in Kreuth gedenkt man des Schutzpatrons wohl schon am längsten. Im Jahr 1442 soll hier die erste Leonhardifahrt stattgefunden haben.

Jakob Meyer ist somit Teil einer jahrhundertealten Liste von Vorreitern, genauso wie sein Großvater und Ur-Großvater. Dessen Reitgeschirr nutzt Meyer noch heute. Und vom Opa hat er sich nützliche Tipps geholt vor seinem ersten Ritt an der Spitze des Kreuther Umzugs. Der liegt mittlerweile fünf Jahre zurück.

Im Jahr 2011 übernahm Meyer den Posten als Vorreiter von Anton Mehringer (77), der von der Arbeit seines Nachfolgers überzeugt ist: „Der Jakob ist genau der richtige Mann, ein anständiger Kerl, der für das Brauchtum auch wirklich was übrig hat.“ Meyer selbst empfindet es nach wie vor als „ehrwürdige Aufgabe“, den Umzug an- und damit die Familientradition fortzuführen. „Es bedeutet mir wirklich viel, Teil unserer Leonhardifahrt zu sein“, sagt Meyer, der als Kind auch auf dem Gespann des Trachtenvereins mitfahren durfte.

Setzt sich der Kreuther Zug am Sonntag in Bewegung, reitet Meyer auf seiner Kaltblutstute Pia vorneweg, führt die Prozession um den Kirchberg an. Dreimal zieht der Tross aus Reitern, Schalkfrauen, Trachtlern und Gebirgsschützen vorbei an der St. Leonhard Kirche. An der Spitze hält Meyer, die Standarte in der Hand und den Filzhut samt Gamsbart auf dem Kopf, den Zug zusammen. Dabei muss er darauf achten, dass keine Lücken entstehen. Keine leichte Aufgabe bei rund 30 Gespannen und dutzenden Pferden.

Wenige Tage vor der Leonhardifahrt wirkt Meyer noch wie die Ruhe selbst. Von Anspannung keine Spur. Das ändere sich aber schon bald, versichert er. Und das sei auch gut so: „Ein bisschen Aufregung gehört dazu, man darf den Respekt vor der Wallfahrt nicht verlieren.“ Damit am Sonntag auch wirklich alles passt, bereitet sich Meyer gewissenhaft vor. Das polierte Reitgeschirr liegt seit Tagen bereit, und Stute Pia wird gleich zweimal gewaschen und gestriegelt, damit sie am großen Tag auch schön glänzt, wenn alle Augen auf Ross und Reiter gerichtet sind.

Dass für Sonntag schlechtes Wetter vorhergesagt ist, trübt Jakob Meyers Vorfreude auf den Leonhardiritt überhaupt nicht. Er macht klar: „Richtige Wallfahrer trotzen jedem Wetter.“

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