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Zeigen Schmuck-Kunst: (v.l.) Künstlerin Kerstin Becker, Galeristin Anna Pirk und Künstlerin Christine Graf.

Ausstellung in der Seestraße

Schmuck von "aufdringlicher Schönheit"

Rottach-Egern - Schmuck-Kunst ist keine künstlerische Randerscheinung mehr: Das haben Christine Graf und Kerstin Becker jetzt mit ihrer Ausstellung in Rottach-Egern bewiesen.

Über 50 Ausstellungsbesucher sind ein handfester Beweis dafür, dass Schmuck-Kunst, wie sie Anna Pirk in ihrer Galerie in der Rottacher Seestraße präsentiert, keine künstlerische Randerscheinung mehr ist. Rege und bis in den Abend hinein tauschten sich die Gäste mit der Galeristin und den beiden Künstlerinnen, der Goldschmiedin Christine Graf und der Silberschmiedin Kerstin Becker, über das Genre aus.

Die Ausstellung „Zwiefacher“, die zwei völlig unterschiedliche, gegensätzliche Stile so harmonisch wie reizend verbindet, war aber auch für einen solchen Diskurs prädestiniert. Sie forderte die Ausstellungsbesucher förmlich heraus, Stellung zu beziehen. Da waren auf der einen Seite die Arbeiten von Christine Graf: mehrheitlich Broschen aus emaillierten Kupfernetzen, mit Golddraht „Au 900“ zusammengenäht oder bestickt, die sich wie kleine Objekte ausnahmen. Mit ihrer scheinbar pudrig-kristallinen und farbigen Oberflächen einerseits und den organisch anmutenden Formen andererseits, die an kleine Wespennester, Bienenwaben und Blüten oder an Pappschächtelchen erinnerten, war man unwillkürlich versucht, die Kunstwerke haptisch zu erkunden. „Sie sind von unaufdringlicher Schönheit“, fand Pirk bei ihrer Eröffnungsrede.

Die glatten, glänzenden Silberarbeiten von Kerstin Becker indes würden durch ihre Formen, die Proportionen und Präzision in der Ausführung eine große Ruhe ausstrahlen. Die Silberschmiedin zeigt nicht nur Tafelgeschirr, sondern auch Ringe, Armreifen und Ketten, die formal so reduziert sind, dass sie an industriell gefertigte Rohlinge aus den Goldscheideanstalten erinnern. Unterschiedlicher könnten die Arbeiten nicht sein. Pirk habe die diesjährige Schau deshalb sinnfällig „Zwiefacher“ genannt, weil beide Münchner Künstlerinnen jeweils ihren eigenen Stil, ihren eigenen Takt hätten. „Und wie sich in der Musik der Zwiefache durch den unvorhergesehen Wechsel von geraden und ungeraden Takten auszeichnet, entsteht auch durch den Taktwechsel der beiden Künstlerinnen eine eigene Melodie, ja ein Tanz – sozusagen ein Zwiefacher“, erklärte die Galeristin, die die Vernissage auch durch entsprechende Zitherklänge von Benedikt Hagn untermalen ließ. Die Musik und die Wechselwirkungen in den Vitrinen und Schubladen, die es zu erforschen galt, gaben Raum für Gespräche.

Die Werkschau läuft noch bis Samstag, 22. März.

Von Alexandra Korimorth

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