Staatsanwalt wertet Entschuldigung als Geständnis 

Streit um Waschmaschine zwischen Asylbewerbern eskaliert völlig

Rottach-Egern - Zwei Afghanen geraten in der Traglufthalle Rottach-Egern aneinander. Der Grund: die Waschmaschine. Einer soll dem anderen die Nase gebrochen haben.

Keine einfache Verhandlung für Richter Klaus-Jürgen Schmid am Miesbacher Amtsgericht. Der Angeklagte und die meisten Zeugen verstanden ihn nicht, umgekehrt ebenso wenig. Ein Dolmetscher musste ran. Die Anklage: Ein Afghane (19) soll einem Landsmann in der Asylbewerber-Unterkunft in Rottach-Egern die Nase gebrochen haben. Mit einem Faustschlag. Der Grund war eine Waschmaschine. Ein nichtiger Anlass, wie es Staatsanwalt Thomas Lenz nannte. Der Angeklagte stritt den Nasenbruch ab, doch Richter Schmid glaubte ihm seine Version nicht und verurteilte ihn.

Der 19-jährige Afghane gab zu, dass es zu einer Auseinandersetzung gekommen war. Der Geschädigte, ebenfalls ein 19-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan, soll die Kleidung des Angeklagten aus der Waschmaschine genommen haben, obwohl sie noch nicht geschleudert war. Der Angeklagte wollte ihn daraufhin zur Rede stellen und suchte ihn in dessen Zimmer auf. "Ich habe ihn zu keinem Zeitpunkt geschlagen", beteuerte er mehrmals vor Gericht. Die Nase soll sich der andere selbst gebrochen haben. 

Zeuge: "Der Angeklagte war sehr aufgebracht"

Und zwar so: Der Angeklagte soll dem anderen Afghanen ausgewichen sein, als der auf ihn losgehen wollte. "Mit der Nase ist er gegen die Trennwand gestürzt", erklärte er. Die Version des Geschädigten, der als Zeuge vor Gericht aussagte, war eine andere. Darin soll der Angeklagte auf ihn losgegangen sein und ihn mit der Faust an der Nase getroffen haben. Außerdem sagte er: "Der Waschvorgang war schon beendet." Kein Grund also, für den Angeklagten, sauer zu sein.

Sauer war er wohl ziemlich. Das sagte vor dem Amtsgericht ein Sicherheitsbeamter aus, der am Tag des Vorfalls in der Halle in Rottach-Egern arbeitete. Der 22-Jährige sagte: "Der Angeklagte war sehr aufgebracht aufgrund der Sache mit der Waschmaschine." Die Auseinandersetzung direkt hatte er nicht mitbekommen. Nur den zweiten Afghanen habe er gesehen, wie er etwas ramponiert auf dem Bett gesessen habe. "Er hat darauf bestanden, die Polizei zu informieren." Sowohl über den Angeklagten als auch über den Geschädigten sagte der Sicherheitsbeamter, dass sie generell unauffällig gewesen seien. 

Staatsanwalt wertet Entschuldigung als Geständnis

Aussage gegen Aussage - so stellte sich die Sache vor Gericht dar. Was wirklich passiert war, konnte keiner der geladenen Zeugen erklären. Noch bevor Staatsanwalt Lenz sein Plädoyer hielt, nahm Jugendgerichtshelfer Josef Stecher die beiden Streithähne zur Seite. Sie seien beide zu einem klärenden Gespräch bereit, sagte er dem Gericht. Noch im Gerichtssaal gaben sich die beiden die Hand, der Angeklagte entschuldigte sich. Zugegeben hat er aber trotzdem nichts. 

Die Entschuldigung wertete der Staatsanwalt als ein Geständnis. "Ich gehe davon aus, dass ihm einfach die Sicherung durchgebrannt ist", sagte er. Er rechnete dem Angeklagten an, dass die Situation in den Unterkünften nicht erbaulich sei und der Angeklagte sonst den Eindruck gemacht habe, sich gut zu benehmen und den richtigen Weg zu gehen. Richter Schmid stimmte dem zu. Auf Vorschlag der Jugendgerichtshilfe muss der Angeklagte nun drei Beratungsgespräche absolvieren, zu denen auch sein Kontrahent hinzugezogen werden soll. Außerdem soll er ein Wochenende in Arrest. Der 19-Jährige, der seit rund zehn Monaten im Landkreis lebt, willigte ein. 

nip

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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