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Eine Schilderflut will Rottach-Egern nicht.

Rottacher Gemeinderat fällt Entscheidung 

Gegen Tempo 30 auf Rottachs Wohnstraßen 

Rottach-Egern - Tempo 30 in allen Rottacher Wohngebieten? Das ist nach Ansicht des Fachbüros Transver nicht sinnvoll. Mit 15 : 4 Stimmen sprach sich der Gemeinderat gegen ein solches Gebot aus – zur Enttäuschung einer Initiative, die lange darum gekämpft hat.

 Kurz nach dem Beschluss gegen die Einführung von Tempo 30 in Rottachs Wohngebieten klirrte die Glastür des Sitzungssaals heftig. Franz Pitschi, einer der Kämpfer fürs Tempolimit, hatte sie hinter sich zugeworfen. Pitschi ist wütend. „Wie kann man nur so ignorant sein“, meint er. Rottach-Egern fehle der Wille zur Veränderung. 

Bürgermeister Christian Köck (CSU) kann darüber nur den Kopf schütteln. Die Gemeinde habe sich mit dem Thema Verkehr und dem Wunsch nach Tempo 30 intensiv befasst und ein Jahr lang die Geschwindigkeit auf den örtlichen Straßen gemessen, merkte er an. Daraus Schlüsse zu ziehen, überließ die Kommune einem Fachbüro. Dass dies letztlich zum gleichen Fazit kam wie zuvor schon Gemeindeverwaltung, Polizei und Landratsamt, wundert Köck nicht. „Aber uns hat man halt nicht geglaubt.“ Das Gutachten zur Verkehrssituation in Rottach-Egern haben Professor Klaus Bogenberger und Ulrich Glöckl vom Büro Transver erstellt. 

Rund 5000 Euro hat die Gemeinde bezahlt. Die Analyse fußt auf den Messdaten, die Michael Diegner, Verkehrsreferent der Gemeinde, zusammengetragen hat. Zudem sind die Gutachter durch den Ort gefahren, geradelt und gelaufen. Sie haben Straßen analysiert und kategorisiert, wie Bogenberger im Gemeinderat erklärte. Das Ergebnis, stark zusammengefasst: Abseits der Bundesstraßen ist die Verkehrsbelastung in Rottach-Egern erfreulich niedrig. Durch hohe Hecken und Bäume wirken die Straßen eng, was den Verkehrs bremst. Es wird relativ langsam gefahren, und zwar unabhängig davon, ob in dem Bereich eine Tempo-30-Zone besteht oder nicht. 

Fazit: Für die Einführung eines allgemeinen Tempo-30-Gebots besteht keine Notwendigkeit. Ein paar Verbesserungsvorschläge beinhaltet das Gutachten aber doch. Für die Karl-Theodor-Straße wird die Einführung einer Rechts-vor-links-Regelung empfohlen. Für die Georg-Hirth-Straße, Ringbergstraße und Enzianstraße etwa wären Maßnahmen wie Verengungen durch Pflanztröge denkbar. Mehrheitlich entschied der Gemeinderat, dass das Verkehrsreferat die Vorschläge prüfen soll. Wobei Bürgermeister Köck klar machte, dass er von Schwellen und Verengungen nicht viel hält. „Wir schicken unsere Gäste nicht über einen Hindernisparcours. Und wir wollen das auch unseren handwerklichen Betrieben nicht zumuten“, meinte Köck. Gefallen fand auch die Anregung der Verkehrsgutachter, einen Schulwegplan zu erstellen. Denn gerade auf der Kißlinger Straße, wo Tempo 30 gilt, werden oft höhere Geschwindigkeiten gemessen. 

Eltern und Kinder sollten den sichersten Weg kennen, meinte Bogenberger. Um den von Bürgermeister Köck monierten Hol- und Bring-Verkehr zur Schule einzudämmen, empfahl er das von ihm persönlich praktizierte Modell „Walking bus“. Dabei marschieren die Kinder als im Lauf des Weges wachsene Gruppe begleitet von einem Elternteil. Nicht alle Gemeinderäte waren nach Vorstellung des Gutachtens zufrieden. Ihm fehlten die Faktoren Lärm, Sicherheit und Emissionen, monierte Thomas Tomaschek (Grüne). „Und die generelle Entschleunigung, die man ja gerne haben will.“ Georg Höß (FWG) vermisste das Thema Fahrrad. Andreas Erlacher (FWG) wünschte sich vor allem eine differenzierte Betrachtung aller Ergebnisse. Der Gemeinderat möge es nicht dabei bewenden lassen, Tempo 30 abzulehnen, sondern solle sich mit Verbesserungen befassen. 

Köck wollte vor allem einen klaren Beschluss und „endlich den Deckel draufmachen“. Über ein Jahr schon stehe der Antrag auf Tempo 30 im Raum, erinnerte der Bürgermeister. „Das hat ja so seine Historie.“ Die hat es. Wie berichtet, führt die Tempodebatte schon im Herbst 2014 zum großen Knall. Damals löste der Gemeinderat seinen Bürger-Arbeitskreis Verkehr einfach auf. Die Gruppe machte als Initiative weiterhin Druck für die Einführung von Tempo 30, sammelte Unterschriften. Auch Pitschi, der nun tief enttäuscht ist. Und davon überzeugt, dass die gemeindlichen Messungen nicht stimmen. „Es wird viel schneller gefahren."

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