+
Mit viel Leidenschaft und Fachwissen moderiert Bruno Six alljährlich das Schaufahren und -reiten auf dem Festplatz in Enterrottach. Mit dabei ist seit einigen Jahren auch Co-Moderator Florian Maier.

„Die sind mit einem Mordsstolz dabei“

Rosstag-Moderator Bruno Six im Interview

Rottach-Egern - Am Sonntag ist Rosstag. Uns erklärt Moderator und Pferdekenner Bruno Six (70) warum die Pferdeschau für ihn immer noch ein spannendes Großereignis ist - und auf was man achten sollte.

Wenn es um Pferde geht, ist Bruno Six ein wandelndes Lexikon. Seit rund 40 Jahren moderiert der Wolnzacher – ein in den 70er- und 80er-Jahren äußerst erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter – den Rosstag in Rottach-Egern. Besucher und Teilnehmer schätzen seit jeher seine fachkundigen und launigen Kommentare. Wenige Tage vor dem diesjährigen Rosstag am Sonntag, 28. August, feierte Six seinen 70. Geburtstag. Wir sprachen mit ihm über den bevorstehenden Rosstag und darüber, was den Reiz der Rottacher Traditionsveranstaltung ausmacht.

Herr Six, Sie sind als Moderator und Pferdekenner seit vier Jahrzehnten fester Bestandteil des Rottacher Rosstags. Nach wie vor eine spannende Aufgabe für Sie?

Six: Ja, es ist absolut spannend. Ein bisserl was verändert sich ja auch von Jahr zu Jahr. Wir kommen derzeit zum Beispiel wieder mehr auf den Ursprungsgedanken des Rosstag-Gründers Thomas Böck zurück, der da lautete „d’Fuhrleut kemman zamm“. Es gab auch schon eine Zeit, da hatten wir keine so schönen Wagen. Die Ideen werden jedes Jahr wieder neu entwickelt.

Sie sind also nicht nur Kommentator, sondern auch an der Programmgestaltung aktiv beteiligt?

Six: Nach jedem Rosstag setzen wir uns alle zusammen und schauen, was gut und was schlecht gelaufen ist. Haben wir zum Beispiel viel zu viele Ehrengäste begrüßt? Brauchen wir mehr oder weniger Reden? Und wir unterhalten uns auch über die Länge der einzelnen Vorführungen auf dem Festplatz.

Als neue Attraktion wird heuer beim Rosstag erstmals eine Haflinger-Vierspänner-Quadrille mit dabei sein. Wie kommen Sie an solche außergewöhnlichen Gruppen?

Six: Ich bin viel auf Pferdemessen und Veranstaltungen unterwegs. Da treffe ich dann auf Gruppen, die ich auch gerne beim Rosstag herzeigen würde, wie in der Vergangenheit die Jagdmeute oder auch die Goaßlschnalzer-Quadrille. Dieses Jahr sind es eben museumsreife Kutschen aus dem vorigen Jahrhundert und die Viererzug-Quadrille.

Wenn man Sie beim Moderieren auf dem Festplatz in Enterrottach beobachtet, hat man das Gefühl, Sie kennen ohnehin jedes Pferd und jeden Reiter oder Fahrer persönlich.

Six: Das kommt von meiner früheren beruflichen Tätigkeit. Ich war 25 Jahre lang im bayerischen Landwirtschaftsministerium zuständig für den Erhalt des Kulturguts Pferd. Ich habe in dieser Zeit alle Pferdezüchter und ihre Höfe kennen gelernt. Mittlerweile haben viele von ihnen die Zügel schon aus der Hand gegeben – und es sind heute die Enkel, die beim Rosstag mitfahren. Der Hofname ist aber der gleiche geblieben.

Bei den Vorführungen in Enterrottach sind oft rasante Ritte und Fahrten zu erleben. Die Teilnehmer müssen „ihr Handwerk“ also gut beherrschen, oder?

Six: Das Gelände in Rottach-Egern ist schon eine Herausforderung. Zum einen geht es leicht bergauf und bergab – die Wagen schieben also von hinten an –, zum anderen hat der Platz nicht die gewohnten Maße. Noch dazu haben wir dort hinten Grasfläche, die meisten Pferde sind ja heute Sandplätze gewöhnt. Wenn man hier nicht fahren kann, gibt das ein schlechtes Bild ab.

Und es ist auch ein gewisses Risiko dabei...

Six: Ja, aber bevor es losgeht, schaue ich mir jeden Wagen noch mal genau an und überprüfe ihn auf seine Sicherheit, damit später nichts passiert.

Bislang ist der Rosstag ja auch von größeren Unfällen verschont geblieben, oder?

Six: Ich kann mich nur an kleinere Vorfälle erinnern, bei denen nichts Ernsthaftes passiert ist. In einem Kaltblüter-Viererzug ist einmal ein Pferd gestolpert und hingefallen. Da meinen die Zuschauer immer gleich, das Ross hat sich schwer verletzt. Dabei sind die Geschirre so konstruiert, dass man die Pferde mit einem Handgriff befreien kann. Das konnten wir hier zufällig gleich demonstrieren. Ein anderes Pferd ist bei der Aufstellung einmal beinahe in den See gesprungen und hätte die Kutsche hinterher gezogen. Aber auch das konnten wir gerade noch verhindern. Einige Teilnehmer trinken gerne mal eine Halbe Bier – ich appelliere dann immer an die Fuhrleute, nicht leichtsinnig zu werden.

Im vergangenen Jahr waren etwa 200 Pferde beim Rosstag mit dabei. Heuer werden es ähnliche viele sein. Nachwuchssorgen gibt es demnach nicht?

Six: Im Gegenteil: Es wachsen viele junge Leute nach, das Engagement der jungen Züchter ist unglaublich. Die sind mit einem Mordsstolz und einer Mordsfreude beim Rosstag mit dabei. Dass es eine Pferdesegnung gibt und der Erlös an die Bergwacht geht, sorgt für die Motivation.

Apropos Motivation. Sie haben dieser Tage Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Haben Sie in Sachen Rosstag schon mal ans Aufhören gedacht?

Six: Ich denke seit fünf Jahren ans Aufhören (lacht). Mit Florian Maier habe ich ja seit einiger Zeit einen Co-Moderator. Und es wachsen auch sonst zwei, drei junge Leute mit Sachverstand nach. Sobald mal einer sagt, der macht das genauso gut oder besser als Du, bin ich weg.

Lebenslauf

Nach einer Landwirtschaftslehre war Bruno Six von 1970 bis 1995 im bayerischen Landwirtschaftsministerium für Fragen der Pferdezucht zuständig. Als pferdesportlicher Leiter von Gut Matheshof sorgte er über 15 Jahre lang dafür, dass sich das Reitsportzentrum im ostbayerischen Kreuth zu einem renommierten Veranstaltungsort von Vielseitigkeitsturnieren und anderen Pferdesportereignissen entwickelt. 

Parallel dazu baute er den Straußenhof in Waakirchen weiter aus, den seine Familie 1986 von Dr. Ingrid Strauß übernahm und in deren Sinne als Zentrum für therapeutisches Reiten weiterführt. Zudem engagiert er sich mit seinem Fachwissen in diversen pferdesportlichen Gremien auf Landes- und Bundesebene und ist Kommentator auf Pferdemessen und großen Pferdesport- und Zuchtveranstaltungen. Bis heute ist Six im Sattel aktiv.

gab

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Süße Weihnachtsbäckerei</center>

Süße Weihnachtsbäckerei

Süße Weihnachtsbäckerei
<center>Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?</center>

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?
<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Honigwilli</center>

Honigwilli

Honigwilli

Meistgelesene Artikel

Bauantrag für Seeperle einstimmig befürwortet - Abriss noch 2017

Rottach-Egern - Soeben hat der Rottacher Bauausschuss den Bauantrag für die Seeperle einstimmig befürwortet. Der Abriss soll noch im Herbst 2017 beginnen. 
Bauantrag für Seeperle einstimmig befürwortet - Abriss noch 2017

Anwälte tüfteln an Lösung fürs Bastenhaus  

Tegernsee - Das Gezerre ums Bastenhaus geht weiter. Jetzt arbeiten Anwälte mit Hochdruck daran, eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Stadt und Landratsamt zu …
Anwälte tüfteln an Lösung fürs Bastenhaus  

Land in Sicht am Tölzer Berg

Gmund - Seit August wird an der Tölzer Straße gebaut. Jetzt ist Land in Sicht: Noch in dieser Woche soll die Fahrbahn asphaltiert werden. Dann ist die Straße wieder frei.
Land in Sicht am Tölzer Berg

Wo geheime Schätze unter den Hammer kommen

Tegernsee - Walter Ginhart (59) betreibt seit 2010 am Steinmetzplatz in Tegernsee ein Kunst- und Auktionshaus. Der Laden gleicht einer schier unerschöpflichen …
Wo geheime Schätze unter den Hammer kommen

Kommentare