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Die ganz hohe Kunst: Alfons Meßner lenkt den Haflinger-Zehnerzug, der die Charabanc-Kutsche der Herzoglichen Verwaltung Wildbad Kreuth über die Festwiese in Enterrottach zieht. Foto: Thomas Plettenberg

Traumwetter und spektakuläre Vorführungen

Rosstag galoppiert ins Herz der Pferdefans

Rottach-Egern - Rasant und gemächlich, historisch und modern, bayerisch und südtirolerisch: Beim 46. Rosstag in Rottach-Egern wurde das Publikum von der Vielseitigkeit der Pferde- und Kutschenwelt verzaubert.

Der Wechsel zwischen Bayern und Südtirol verläuft reibungslos beim 46. Rosstag in Rottach-Egern. Nicht nur in Bezug auf Haflinger und Süddeutsche Kaltblüter, sondern auch in Sachen Musik. Mehrfach kündigt Moderator Bruno Six die Kapelle aus Rottachs Partnergemeinde Kastelruth an, doch das stolze Ensemble im roten Frack steht regungslos und stumm vor der Arena am Festplatz in Enterrottach. „Sie kommen nicht rein“, ruft jemand in Richtung Sprecherturm. Tatsächlich gibt es kein Tor im von Zuschauern gesäumten Zaun. „Holt’s einen Zimmerer“, scherzt Six. Die Blaskapelle Rottach übernimmt – und die Gäste marschieren über den Ehrenbereich ein.

Ansonsten läuft alles nach Drehbuch beim Rosstag, der gestern zum zweiten Mal in Folge bei Traumwetter über die Bühne gegangen ist. Auch wenn die Menschenreihen um den Festplatz heuer etwas lichter sind: Zusammen mit den vielen Schaulustigen, die den schier nicht enden wollenden Zug an Reitern und Gespannen von der Ganghoferstraße bis nach Enterrottach verfolgen, dürften es laut Organisatorin Claudia Maier erneut „zigtausend“ Besucher gewesen sein. Und auch der Wunsch von Rottachs Bürgermeister Christian Köck nach einer unfallfreien Veranstaltung geht in Erfüllung. „Das ist das Wichtigste überhaupt“, sagt er erfreut.

Zehn Minuten früher als geplant traben die Polizeipferde aus Rosenheim auf die sonnige Festwiese. Und das, obwohl es beim Abmarsch eine kleine Verzögerung gegeben hat. „Die Geistlichkeit hat ihre Kutsche nicht gefunden“, berichtet Six schmunzelnd. Das lag aber nicht an Aushilfspfarrer Pierre Sanfos aus Burkina Faso, sondern an einem Durcheinander in der Aufstellung. Doch der Kaltblut-Zweispänner nahm schnell den vorgesehenen Platz hinter den beiden Vorreiterinnen Andrea Reifenstuhl und Julia Gebhardt ein, und Sanfos spendet Ross und Reiter pünktlich den Segen an der frisch sanierten Roßkapelle in Ellmau.

Was die Besucher im zweistündigen Programm auf dem Festplatz serviert bekommen, bezeichnet Six zurecht als „hippotonische Schmankerl“. Die Menüfolge reicht von luxuriös dahingleitenden Vis-à-Vis-Reisekutschen hinter Kaltblut-Zweispännern für die Ehrengäste über einen Sechsspänner mit vorneweg stürmenden, schwarzen Shetland-Ponys bis hin zum kunstvoll über die Wiese kreisenden Haflinger-Zehnerzug mit Charabanc-Kutsche für Herzogin Helene in Bayern. Die Zügel in einer Hand, dirigiert Alfons Meßner aus Kreuth seine Rösser in solch enge Kurven, dass die Zuschauer aus dem Staunen nicht herauskommen.

Wie wichtig Pferde früher in der Landwirtschaft waren, zeigt eine Auswahl an historischen Gefährten aus dem Museum im Gsotthaber Hof. Ein noch funktionstüchtiger Schwadenrechen, ein Holz- und ein Heufuder und sogar ein Flößerwagen versetzen das Publikum in eine Zeit, in der Traktoren noch Zukunftsmusik waren.

Spektakulär fällt dagegen der Auftritt der Vierspänner-Quadrille der Haflinger Zuchtgenossenschaft Oberland aus. Die vier Vierspänner mit Marathon-Turnierkutschen – je zwei Beifahrer stehen in einer Reihe hinter dem Fahrer – kreuzen scheinbar wild ihre Bahnen, zeichnen scharfe Halbkreise und klinken sich dann in einen rasanten Ring ein. Die Haflinger galoppieren so schnell, dass die Kutschenräder auf dem platt gedrückten Gras ins Rutschen kommen. „Jungs, das war gar nicht schlecht“, kommentiert Six lässig.

Bei der Vorführung von zwei Disziplinen des Oswald-von-Wolkenstein-Ritts durch die Gäste aus Kastelruth muss dann auch der sonst so beschlagene Fachmann nach den Regeln fragen. Das Siegerteam und die Viertplatzierten der diesjährigen Traditionsveranstaltung in Südtirol zeigen im Ringstechen und Torritt – eine Art Slalom –, was bei optimalem Zusammenspiel von Reiter und Westernpferd alles möglich ist. Am Ende siegt der Herausforderer mit von Ko-Moderator Florian Maier handgestoppten 15 Sekunden Vorsprung.

Dass es ein Kastelruth-interner Wettkampf war, nimmt Six mit Humor. „Wenn da auch Reiter aus dem Tegernseer Tal mitmachen dürften, würden die Euch das Fürchten lehren“, witzelt er. Was die Musik anbelangt, hatten die Rottacher ohnehin die Nase vorn.

Hier gibt's die schönsten Bilder vom 46. Rosstag in Rottach-Egern

Die schönsten Bilder vom 46. Rosstag in Rottach-Egern

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