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Adalbert Boemmel (l.) mit Dirk Ippen bei einem Besuch des Verlegers in Tegernsee. 

Seniorchef stirbt mit 88 Jahren

Abschied von Altverleger Adalbert Boemmel 

Tegernsee - Der Seegeist, das ist die Tegernseer Zeitung. Seine Geschichte ist eng mit der Familie Boemmel verknüpft. Am Donnerstagabend ist Altverleger Adalbert Boemmel im Alter von 88 Jahren gestorben.

Ein Mann, der die Seele des Hauses war. Mit Dirk Ippen, Verleger des Münchner Merkur, verband Adalbert Boemmel eine herzliche Freundschaft. Die Verlagsgemeinschaft zwischen der Hofbuchdruckerei A.Boemmel & Sohn und dem Münchner Merkur wurde am 25. März 1950 besiegelt. Da war der Seegeist schon sehr lange Sprachrohr des Tegernseer Tals. Heuer besteht die Zeitung seit 150 Jahren. 

Im Februar 1866 hatte Adalbert Maier, Funktionär bei der Königlichen Polizeidirektion München, den Antrag gestellt, ein Wochenblatt herauszubringen. Die Ära Boemmel begann 1884. Der erste Adalbert Boemmel, Vater des Verstorbenen, erwarb die Zeitung von Buchdrucker Wilhelm Lutzenberger. Damals erschien der Seegeist dreimal wöchentlich. Ab 1892 hieß das Unternehmen mit Redaktion, Druck und Verlag „Herzogl. bayer. Hofbuchdruckerei von Adalbert Boemmel in Tegernsee“. 1905 entstand in der Rosenstraße das markante Geschäftshaus, in dem die Tegernseer Zeitung mit Anzeigenabteilung und Geschäftsstelle bis heute ihren Sitz hat. 

Adalbert Boemmel, zweite Generation, hat hier nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt. Bis zuletzt lebte er mit seiner Frau Ines (85) in dem historischen Haus. Er blieb der Chef, die Seele des Hauses. Wenn er Redakteure abends oder am Sonntag aus der Schreibstube kommen sah, erkundigte er sich besorgt, ob nicht bald Feierabend sei. Und er erzählte gern, stets heiter gestimmt und mit einem spitzbübischen Lächeln. Für die Menschen im Tal hatte er immer ein offenes Ohr und ein großes Herz. Sein feiner Geist blieb wach und lebendig, auch wenn die Gesundheit ihn in den letzten Jahren immer wieder im Stich ließ. Doch er war auch ein Kämpfer, der sich nach mehreren Schlaganfällen beharrlich sein Leben zurück eroberte. 

Mit seiner Frau Ines hat er in diesem Jahr den 60. Hochzeitstag gefeiert. Vier Kinder haben die beiden, drei Töchter und einen Sohn. Der Filius heißt Adalbert und setzt die Familientradition als Leiter der Geschäftsstelle fort. Seinen eigenen Sohn hat Adalbert jun. übrigens Simon genannt – irgendwann ist halt auch mal Schluss mit der Tradition. Aber das Wesentliche bleibt. Der Seegeist, die Heimatausgabe des Münchner Merkur im Tegernseer Tal, behält sein Zuhause im Verlagshaus mit seinem markanten Erker. Die Druckmaschinen rattern dort allerdings schon lange nicht mehr. 1994 hat die Familie Boemmel die Druckerei aufgegeben. 

Fünf Jahre später verließen die letzten Maschinen und Setzkästen das Haus. Geblieben ist die Herzlichkeit, mit der die Familie Boemmel die Kundschaft in der Geschäftsstelle begrüßt. Juniorchef Adalbert hat dort schon lange alles im Griff, ist selbst zur Institution geworden. Sein Vater hat ihn gerne und oft im Büro besucht, immer Anteil genommen am Geschehen. Der Senior wird fehlen. Sein schalkhaftes Lächeln, seine Fürsorglichkeit – und die nie endende Freude, Geschichten zu erzählen.

Redakteurin Gabi Werner erinnert sich

Es war mir stets ein Vergnügen, Adalbert Boemmel auf der Treppe des altehrwürdigen Zeitungs-Hauses in der Rosenstraße zu begegnen. Zu jeder Zeit hatte unser Altverleger einen freundlichen Gruß und einen humorvollen Spruch auf den Lippen. „Jetzt schaugns aber, dass Sie bald Feierabend machn“, sagte er gerne zu mir, wenn wir uns zu späterer Stunde über den Weg liefen. Dazu dieses spitzbübische Lächeln. Selbst, als ihn in den vergangenen Jahren mehrere Schlaganfälle beinahe in die Knie zwangen, ist das Lächeln geblieben. 

Nun hat das Boemmel-Haus in der Rosenstraße seine gute Seele für immer verloren. Adalbert Boemmel senior ist am Donnerstagabend im Alter von 88 Jahren gestorben. Adalbert Boemmel war ein Tegernseer durch und durch. Hier wurde er geboren, ging er zur Schule und gründete mit seiner Frau Ines (85) eine große Familie. Vier Kinder haben die beiden großgezogen. Der Älteste, Adi Boemmel junior, führte die Familientradition fort. Er leitet heute die Geschäftsstelle der Tegernseer Zeitung. Zuvor hatte in dem stattlichen Gebäude an der Ecke Rosenstraße/Hauptstraße über viele Jahre hinweg Adalbert Boemmel senior das Sagen. 

Als gelernter Buchdrucker und Meister seines Fachs hatte er den Betrieb von seinem Vater übernommen – das Familienunternehmen war zwischenzeitlich mit der Verlagsgruppe des Münchner Merkur verschmolzen worden. Wer – so wie ich – die Freude hatte, Adalbert Boemmel als Ruheständler kennen zu lernen, weiß: Er muss ein liebenswürdiger Chef gewesen sein. Einer, der seine Mitarbeiter als Familie betrachtete. Auch seiner eigentlichen Familie – dem Sohn und den drei Töchtern – war Adalbert Boemmel ein herzensguter Vater. Fünf Enkelkinder trauern um den geliebten Opa. Dabei hatte Adalbert Boemmel dem Tod bis zuletzt die Stirn geboten. In den vergangenen fünf Jahren überstand er mehrere Schlaganfälle, rappelte sich immer wieder hoch. Sogar dann noch, als selbst die Ärzte nicht mehr daran glaubten. „Er hat sich regelrecht ins Leben zurückgekämpft“, sagt sein Sohn Adi.

 Körperlich haben die Schlaganfälle Spuren hinterlassen, geistig war Adalbert Boemmel bis zum Schluss voll da. Er erzählte gerne von seinen Wanderungen, von der Jagd und von Ausflügen mit seiner Frau Ines. Bis zum Schluss haben die beiden zusammen aktiv am Leben teilgenommen, auch wenn der Radius ihrer Unternehmungen aufgrund der gesundheitlichen Rückschläge mit der Zeit immer kleiner wurde. Bei Spaziergängen durch Tegernsee hat man die Boemmels, die heuer ihren 60. Hochzeitstag feierten, noch häufig gesehen. Und auch da waren sie stets mit dabei: der freundliche Gruß und das spitzbübische Lächeln

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