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Beim Kamingespräch diskutierten (v.l.) Expeditionsteilnehmer Michael Beek, Klaus Gerosa (Herrligkoffer-Stiftung), Moderator Georg Beyerle und Sohn Klaus Herrligkoffer.

Restrospektive

Beim Bergfilmfestival: Karl Maria Herrligkoffer

Tegernsee – Das Vermächtnis des legendären Expeditionsleiters Karl Maria Herrligkoffer beleuchtete eine Retrospektive beim Bergfilm-Festival in Tegernsee. Wir waren dabei.

Hätte man Bilanz gezogen, so wäre an diesem Abend im Tegernseer Barocksaal eine imposante Zahl an Gipfeln und Höhenmetern zusammenbekommen. Allein die spontane Zusammenkunft ehemaliger Expeditionsteilnehmer auf der Bühne war ein eindrucksvolles Zeugnis davon, welchen Stellenwert der 1991 verstorbene Karl Maria Herrligkoffer in der Bergsteigerszene hat. Anlässlich seines 100. Geburtstages widmete ihm das Bergfilmfestival eine ausführliche Retrospektive. 

14 Alpinisten, davon eine ganze Reihe aus dem Oberland, schilderten ihre Expeditionen und Erfahrungen mit Karl Maria Herrligkoffer, dessen Bild in der Öffentlichkeit insbesondere durch den Konflikt mit Reinhold Messner nach dem Tod dessen Bruders Günther beim Abstieg vom Nanga Parbat geprägt ist. Sie zeichneten ein anderes Bild vom engagierten Unterstützer, der allein neun Expeditionen zum Nanga Parbat organisierte – ergänzt durch Karin Denks jüngst für die Bergsteigersendung „bergauf – bergab“ gezeichnetes Filmportrait, in dem man erfährt, wie Herrligkoffers Liebe zum Hochgebirge durch den am Berg verunglückten Bruder Willi Merkl geweckt wird. Herzprobleme hinderten ihn selbst am Gipfelsturm. 

Stehende Ovationen gab es für Norman Dyrenfurth. Der 99 Jahre alte Alpinist und Bergfilmer erzählte von seiner Zeit als Kameraassistent Hans Ertls bei den Vorolympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen und einer aus filmischer Sicht wenig rühmlichen Zusammenarbeit mit Herrligkoffer. Von Expeditionen mit knapp 1000 Personen erzählte der rüstige Salzburger, dessen 98-jährige Frau von Fahrradtouren aus München zum Skifahren am Glaslhang berichtete. 

Zuvor am frühen Abend hatte die Herrligkoffer-Retrospektive bereits mit den Original-Expeditionsfilmen zu den Nanga-Parbat-Besteigungen von 1962 und 1970 begonnen. In einem Kamingespräch, zu dem die Herrligkoffer-Stiftung ins Stieler-Haus geladen hatte, erfuhr man im Plauderton, wie Herrligkoffers Sohn Klaus als Kind die Aktivitäten seines Vaters erlebt hatte. Das Eintüten und Frankieren der Bettelbriefe gehörte ebenso dazu, wie das kindliche Staunen über die Mengen an Expeditionsmaterial. Besonders beeindruckte den kleinen Klaus eine Lieferung von Toilettenpapier auf einem Stapel von drei mal drei Metern. 

Norman Dyrenfurth war auch in diesem Kreis ein eloquenter Gesprächsteilnehmer, während stellvertretender Stiftungsvorstand Klaus Gerosa vom Beginn seines Engagements erzählte, als ihn Herrligkoffers Justitiar auf dem Sterbebett bat, die Impulse für den Bergsport weiter zu bringen. 

Konkret sei dies in erster Linie das Engagement um die Jugend. In Zeiten, da vieles mehr in der virtuellen Realität als in der Natur passiere, ist es der Stiftung ein Anliegen, Kinder und Jugendliche für die Natur zu begeistern. „Man denkt, mit dem Computer geht alles, aber in der Realität ist es anders“, so Gerosa. 

So unterstütze man etwa als Partner der Finsterwalderschule in Rosenheim Alpenüberquerungen der Schüler. Zudem werden wissenschaftliche Projekte wie Arbeiten zur Höhenmedizin am Kilimandscharo gefördert. Am Ende des von Georg Beyerle moderierten Gesprächs stand die Aussage, dass Alpinismus kein Egotrip sein dürfe. Im Mittelpunkt müsse die Freude stehen, etwas zu entdecken, sich etwas zuzutrauen. 

Noch bis Montag ist im Foyer der Tegernseer Sparkassenfiliale am Rathausplatz die von Gerosa zusammengestellte Ausstellung „Lebenslinie Herrligkoffer“ zu sehen.

Heidi Siefert

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