Interview mit dem Chef der Schnelleinsatzgruppe

Was passiert, wenn kein Rettungswagen verfügbar ist?

Tegernsee - Wenn ein Notruf reinkommt, aber kein Rettungswagen mehr verfügbar ist, kommt die Schnelleinsatzgruppe (SEG) zum Zug. Kürzlich gab es am Tegernsee so einen Fall. Wir haben nachgefragt.

Ein Notruf kommt rein – und es gibt keinen verfügbaren Rettungswagen mehr. Solche Engpässe können durchaus vorkommen, zuletzt war es vergangene Woche im Tegernseer Tal soweit. Alle Fahrzeuge des Regelrettungsdienstes waren belegt, so dass die integrierte Leitstelle in Rosenheim die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Tegernseer Tal des BRK mit ihren beiden Rettungsfahrzeugen alarmierte. Innerhalb von nur fünf Minuten saßen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte in den Fahrzeugen und versorgten bei drei Einsätzen in Bad Wiessee und Kreuth die erkrankten und verletzten Personen. Stephan Vogl (45), Chef der SEG Behandlung und Transport am Tegernsee, erklärt, wie die Mitglieder solche kurzfristigen Alarmierungen meistern.

Ein Notfall und kein Rettungswagen – gibt es das eigentlich öfter, Herr Vogl?

Stephan Vogl: Ja, das kommt schon regelmäßig vor. Manchmal spielt es eben so zusammen: Die Fahrzeuge des Regelrettungsdienstes sind alle ausgelastet und die Anzahl der Notfälle ist überproportional hoch. Dann greift die Leitstelle auf uns als ehrenamtliche Komponente zurück. Wir haben einen Einsatzticker auf Facebook – der zeigt, dass wir heuer knapp 25 Einsätze hatten. Im Schnitt sind wir also alle 14 Tage mit dabei.

Sie haben es gerade gesagt: Die Schnelleinsatzgruppe besteht ausschließlich aus Ehrenamtlichen. Wie können die einen solchen Notfall-Einsatz überhaupt leisten?

Stephan Vogl: Wir haben ein Riesenmassel, dass wir so viele ambitionierte Helfer haben. Die arbeiten entweder im Schichtdienst und können in solchen Fällen schnell einspringen oder sie haben verständnisvolle Arbeitgeber, bei denen sie jederzeit weg können.

Das heißt: Auch bei Ihnen muss kein Kranker oder Verletzter lange auf Hilfe warten?

Stephan Vogl: Es gibt eine Hilfsfrist, die besagt, dass der Rettungswagen innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort sein muss. Die halten wir natürlich ein. Es gibt da extra Gutachten und Erhebungen, die zeigen, wo Einsatzschwerpunkte sind und wo Rettungswachen platziert sein müssen.

Aber für eine ehrenamtliche Truppe ist das Hilfsangebot sicher nicht leicht zu stemmen, oder?

Stephan Vogl: Das ist richtig. Wir haben in der Rettungswache in Bad Wiessee zum Beispiel ein 16 Jahre altes Fahrzeug, das dringend ersetzt werden muss. Da sind allein für das nackte Fahrzeug 105 000 Euro fällig – das müssen wir ausschließlich über Spenden finanzieren.

Rubriklistenbild: © dpa

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