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Anwohner beschweren sich über die Baustelle von Manuel Neuers Traumhaus am Tegernsee. Was ist dran an den Vorwürfen?

Ärger über Neuer-Baustelle am Tegernsee

Macht Manuel Neuers Villa-Baustelle den Leeberg kaputt?

Tegernsee – Risse an Hauswänden und eine völlig kaputte Straße, die den exklusiven Leeberg am Tegernsee hinaufführt. Anwohner machen die Baustelle von Manuel Neuers Villa verantwortlich. Aber stimmt das wirklich?

Neulich wurde Manuel Neuers Swimmingpool angeliefert. Klingt banal, am steilen Leeberg wird daraus aber eine Riesenaktion. In zwei Hälften sollte der Pool sein Ziel am Ende vom Leeberg hoch oben über dem Tegernsee erreichen. Doch bereits die erste Hälfte scheiterte. Der Laster lag zu tief, der Pool war zu schwer, die Straße zu steil. Der Unterboden schleifte auf Asphalt. Die Pool-Lieferanten mussten auf einen anderen Laster mit höherem Fahrgestell umsatteln. Der schaffte die Tour geradeso – aber nur rückwärts und sehr sehr langsam.

Anwohner macht seinem Ärger Luft: Neuer Schuld an Rissen in Hauswand

Manuel Neuers Traumhaus am Leeberg - so sieht es inzwischen aus.

Es ist eine der jüngsten Szenen an der wohl prominentesten Baustelle im Tegernseer Tal. Die Aktion lässt erahnen, wie viel Schwerlastverkehr die Tegernseer an der Zufahrtsstraße zur Baustelle während der vergangenen eineinhalb Jahren gesehen haben. Und man kann sich vorstellen, dass es den Bewohnern eines der teuersten Hänge des Tals langsam langt.

In der Tegernseer Stimme machte ein Anwohner am Mittwoch seinem Ärger Luft. Er berichtet von Rissen in Boden und Wand seiner Terrasse. Verantwortlich macht er dafür Neuers Baustelle, vor allem den Verkehr, den sie erzeugt. Außerdem fürchtet der Anwohner, der namentlich nicht genannt wird, dass die Anlieger am Ende auf den Kosten der Straßensanierung sitzenbleiben.

Bauarbeiten dauern schon zweite Saison

Bereits vor einem Jahr berichtete uns eine direkte Nachbarin von Neuers Baustelle, wie sehr sie der Baustellenverkehr belaste. 23 40-Tonner habe sie an einem Tag gezählt. Die transportierten das Erdreich ab. Übrigens nichts ungewöhnliches für eine Baustelle am Leeberg.

Manuel Neuers Baustelle am Leeberg: So aufwändig ist sie

Wer an dem Steilhang bauen will, muss sich erstmal eine ebene Fläche graben. Und für Manuel Neuers Haus ist da einiges angefallen. Schließlich sind dessen Ausmaße alles andere als bescheiden: Drei Stockwerke, Wandhöhe auf Seeseite neun Meter, dazu ein Gartenhaus samt dem bereits erwähnten zwölf Meter langen Pool.

Die Straße zum Leeberg hinauf hat schon bessere Tage gesehen. Aber ist das wirklich die Schuld von Manuel Neuers Baustelle?

Und der Aufwand hört beim Abgraben nicht auf. Damit die Villa nach dem ersten Dauerregen nicht ein paar Grundstücke näher am See zum stehen kommt, braucht’s ein besonderes Fundament. Manuel Neuer beschäftigte gleich mehrere Tiefbaufirmen, die monatelang Pfeiler in die Erde rammten und riesige Betonflächen anlegten. Das muss übrigens jeder, der dort baut, eigentlich alle, die irgendwo in Tegernsee bauen. Denn das Stadtgebiet ist nicht nur ein Sammelsurium von Steilhängen, deren Untergrund hat auch wenig mit festem Kalkstein zu tun. Im Gegenteil: Die Stadt wurde auf einem großen – und steilen – Haufen Geröll erbaut. Und wo die Hänge besonders steil werden, besonders am Leeberg, wird’s umso komplizierter für die Bauherren.

Neuers Haus schuld an Rissen - stimmt das? Das sagen die Georisiko-Experten

Manuel Neuers Traumhaus am Leeberg - so sieht es inzwischen aus. Auch der Pool ist inzwischen angeliefert.

Zurück zu den Sorgen der Anwohner: Laut Landesamt für Umwelt (LfU) stehen die Häuser am Leeberg auf so genannten Rutschablagerungen, „die durch Schwerlastverkehr kaum als Rutschung remobilisierbar sind“. Mit anderen Worten: Laster können dem Geröllhaufen Leeberg kaum zusetzen. Grundsätzlich sei das Material locker und „setzungsempfindlich“. Im Klartext: Manchmal verrutscht was auf dem Geröllhaufen – je nachdem wie gut das Fundament ist, gibt’s dann Risse in der Wand.

Das kann Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn bestätigen. Auch er hat ein relativ altes Haus in Tegernsee. Auch das steht an einem Hang. Auch das bekommt von Zeit zu Zeit Risse. Deshalb verfällt Hagn nicht gleich in Panik. Denn: „Wer am Berg baut, weiß, der Berg bewegt sich.“ Wenn Neuer alles richtig gemacht hat, lässt sich der Vorwurf leicht klären: Laut LfU sei in Georiskozonen eine Beweissicherung von vorhandenen Schäden an Nachbargebäuden bereits vor Baubeginn üblich. 

Das sagt Manuel Neuers Architekt

Und die gab’s laut Andreas Erlacher, Manuel Neuers Architekten, auch. Erlacher kann den Anwohnern auch einen Zeitrahmen geben: „Bis Ende September sollten die großen Arbeiten beendet sein. Im Oktober wollen wir mit den Außenarbeiten fertig werden.“ Bereits an den jüngsten Fotos ist zu sehen, dass Manuel Neuers Haus einen riesigen Sprung im Vergleich zum Früjahr gemacht hat.

Kaputte Straße am Leeberg - wer ist schuld?

Die Baugrube von Manuel Neuer im April 2015.

Bleibt die kaputte Straße. Klar, Baustellenverkehr macht Straßen kaputt. Das ist nichts Neues. Auch klar: Sollte sich die Stadt irgendwann zu einer Erneuerung entscheiden, kann sie bis zu 90 Prozent der Kosten auf die Anlieger umlegen. Allerdings ist Manuel Neuer beim besten Willen nicht der erste Bauherr am Leeberg, der die alte Straße quält. Um nur die größten Baustellen der vergangenen Jahre zu nennen: Der Leeberghof baute groß um, auch damals nicht ohne Anwohnerbeschwerden. Direkt darunter stellte sich ein amerikanischer Börsenmakler eine auch nicht gerade bescheidene Villa hin. Auch aktuell ist Neuers Baustelle nicht die einzige am Leeberg.

Riesiger Baufortschritt: Dieses Foto ist Anfang August entstanden. In den letzten Wochen liefen die Bauarbeiten auf Hochtouren.

Tegernsees Bauamts-Chefin Bettina Koch hat für uns nachgerechnet: „Ich schätze, dass die letzten 25 bis 30 Jahre etwa 15 bis 20 Gebäude am Leeberg neu gebaut, abgebrochen und neu gebaut oder grundlegend saniert worden sind.“ Über eine Sanierung der Straße zu Neuers Haus hat Koch dagegen nichts gefunden. „Ich weiß, dass in den 70er Jahren einmal darüber nachgedacht wurde.“ Realisiert sei das Vorhaben aber nie. Der Ausbau macht nach Kochs Meinung nur in Zusammenhang mit einer Verbreiterung Sinn. Dafür müsste die Stadt Grundstücke erwerben. Und wie exklusiv die am Leeberg sind, ist nicht erst seit Manuel Neuer bekannt.

kmm

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