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Unterstützung durch die Nachbarschaftshilfe: (v.l.) Seniorin Ursula Schwirtz aus Bad Wiessee mit Helferin Roswita Koch und Koordinatorin Ariane Friedrich.

Organisation leistet Unterstützung im ganzen Tegernseer Tal

Nachbarschaftshilfe: Mehr Einsätze, weniger Geld

Tegernsee - Der Mensch, der nebenan wohnt, ist oft ein Fremder.Keiner, den man einfach so um Hilfe bittet. Darum hat sich vor knapp zwei Jahren die Nachbarschaftshilfe Tegernseer Tal gegründet. 

Einsatzleiterin Ariane Friedrich ist die Frau der ersten Stunde. Gleich nach der Gründung der Nachbarschaftshilfe Tegernseer Tal am 22. Januar 2014 übernahm sie die Koordinierung. Was sie überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass es im reichen Tegernseer Tal so viele arme Haushalte gibt.“ Vor allem Senioren, aber auch Alleinerziehende und Familien. Menschen, die Unterstützung brauchen, sich aber keine teure Hilfe leisten können. Senioren mit beginnender Demenz, die sich allein nicht mehr aus dem Haus trauen. 

Gehbehinderte, für die ein Arztbesuch fast nicht zu schaffen ist. Eltern, die Hilfe bei der Betreuung ihrer Kinder brauchen. Dass in diesen Fällen ein Nachbar helfe, sei längst nicht mehr selbstverständlich, meint Friedrich. „Heute ist der Nachbar oft ein Fremder.“ Eben darum hatten der evangelische Pfarrer Martin Weber, sein katholischer Kollege Walter Waldschütz und der damalige Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen die Gründung des Vereins Nachbarschaftshilfe Tegernseer Tal vorangetrieben. Mitglieder des Vereins sind nicht einzelne Personen, sondern die Kommunen Tegernsee, Rottach-Egern, Kreuth und Bad Wiessee sowie alle katholischen und evangelischen Gemeinden des Tals. Nur Gmund ist nicht dabei – weil es dort den Diakonieverein gibt, den die Gemeinde kräftig unterstützt. Tätig ist der Verein im ganzen Tegernseer Tal. „Von Bayerwald bis Finsterwald“, erklärt Friedrich. Das Spektrum der Einsätze ist breit gefächert. 

Die Helfer kaufen ein, fahren zum Arzt, lesen vor, betreuen Kinder und vieles mehr. Ihre Zahl ist in den knapp zwei Jahren stark gewachsen. Bei der Gründung waren 15 bis 20 Helfer dabei, heute sind es etwa 40. Manche sind zwei- bis dreimal pro Woche im Einsatz, andere nur ab und zu. „Das passen wir individuell an“, erklärt Friedrich. Stark gestiegen ist aber auch die Zahl der Menschen, die sich an die Nachbarschaftshilfe wenden. 1416 Einsatzstunden waren es im Jahr 2015, die Zahl der Einsätze belief sich auf 98. 2016 legten die Nachfragen noch einmal zu. Aktuell werden 75 Menschen betreut. Manche brauchen nur einmal Unterstützung, zum Beispiel wegen Krankheit, andere dauerhaft. 

Vor allem aber ist die Zahl der Menschen gestiegen, für die auch die kleine Helfer-Vergütung von sechs Euro pro Stunde unerschwinglich ist. Senioren, die Grundsicherung brauchen, Mütter und Väter, die Hartz IV-Leistungen beziehen. „Für diese Fälle haben wir einen Spendentopf“, erklärt Friedrich. Inzwischen sind 30 bis 40 Prozent der Betreuten auf diese Unterstützung angewiesen, um die Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen zu können. „Es hat sich halt rumgesprochen, dass wir auch Leuten helfen, die sich eigentlich keine Hilfe leisten können“, berichtet Friedrich. Leider sei der Spendentopf nicht mehr gut gefüllt. „Die ersten ein, zwei Jahre haben wir viele Spenden bekommen, jetzt nicht mehr so.“ 

Vielleicht, weil die Nachbarschaftshilfe im Stillen wirke und nach außen wenig präsent sei. Ansprechbar sind Ariane Friedrich und ihre Assistentin Regina Schreiber werktags von 9 bis 17 Uhr unter  0 80 22 / 70 65 63, das Büro im evangelischen Gemeindehaus Tegernsee ist von 9 bis 12 Uhr besetzt. Brauchen kann die Nachbarschaftshilfe übrigens auch weitere Helfer. Die erhalten eine Erstschulung, als Aufwandsentschädigung die genannten sechs Euro und eine Erstattung der Fahrtkosten – vor allem aber viel Engagement und Freude am Helfen.

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