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Das Futter der Rinder wird genau überprüft, ehe der Betrieb für sein Fleisch das Siegel "Ohne Gentechnik" erhält.

Landwirte aus der Region nehmen Vorreiterrolle ein

Ohne Gentechnik: Landwirte erfinden Siegel fürs Tegernseer Rindfleisch

Tegernsee - Landwirte wollen bei der Vermarktung ihres Rindfleischs Zeichen setzen. Künftig pappt auf dem heimischen Fleisch das Siegel "Ohne Gentechnik" - und das könnte viel bringen...

Von einem „spannenden Weg“, einem „Alleinstellungsmerkmal“ und einer „Herzensangelegenheit“ war die Rede, als die beiden Erzeugergemeinschaften (EG) Schlachtvieh Miesbach und Traunstein am Donnerstagabend im historischen Stieler-Haus in Tegernsee ihr Projekt „genfreies Rindfleisch“ vorstellten. Die Idee ist ganz neu: Erst im Frühsommer 2016 kam bei den Erzeugern der beiden Regionen der Gedanke auf, künftig auch Schlachtvieh als „genfrei“ zu zertifizieren. So wie man es seit Längerem aus der Milchproduktion kennt.

„Wir stehen in der Pflicht, das Vertrauen unserer regionalen Abnehmer und des Endverbrauchers zu rechtfertigen“, sagte Georg Westenrieder in Tegernsee. Er ist der Vorsitzende der EG Schlachtvieh Miesbach und vertritt damit knapp 2000 Landwirte, die in der Gemeinschaft organisiert sind.

Weil die Fleischqualität in der Region ohnehin sehr hoch und gentechnisch veränderte Futterzusätze bei den meisten Erzeugern hierzulande kein Thema sei, habe man den Vorstoß „genfreies Rindfleisch“ gewagt, machte Westenrieder vor Verbandsvertretern und Politikern aus den beiden Landkreisen und dem Bezirk deutlich. Und sein Kollege Hans Grabner von der EG Schlachtvieh Traunstein appellierte leidenschaftlich: „Wir sollten den Mehrwert unserer Region nutzen! Es ist viel zu lange versäumt worden, das Marketing selbst in die Hand zu nehmen.“

Startschuss fürs Pilotprojekt: Georg Westenrieder, Alexander Hissting und Hans Grabner präsentierten in Tegernsee das Siegel, das es künftig auch für Rindfleisch gibt.  

Das soll sich nun ändern. Bei rund 1000 landwirtschaftlichen Betrieben der beiden EGs wurden die Rinder bereits überprüft. Sie dürfen sich ab sofort mit dem Zertifikat „Ohne Gentechnik“ schmücken. Und es werden stetig mehr, sagte Grabner. Die Kriterien für das Siegel sind streng und werden von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle überprüft. So muss etwa nachweisbar sein, dass das Tier Dreiviertel seines Lebens nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln in Berührung kam.

Für viele Landwirte sei die Zertifizierung aber nicht mit allzu viel Mehraufwand verbunden, betonte Alexander Hissting als Geschäftsführer des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) mit Sitz in Berlin. Grund: Bei der Zertifizierung von Milchvieh, das später als Zweitnutzung auch der Fleischverwertung zugeführt wird, könne man auf die Daten zurückgreifen, die bereits für die Milch-Zertifizierung erfasst wurden. „Das ist eine große Innovation“, meinte Hissting. Er lobte das Engagement der beiden Erzeugergemeinschaften ausdrücklich: „Ich hoffe, dass dieses Beispiel Schule macht.“

Um das Projekt „genfreies Rindfleisch“ erfolgreich auf den Weg zu bringen, braucht es neben dem VLOG, der die Prüfungskriterien festlegt, aber noch weitere Partner. Allen voran das Unternehmen Alpenrind Bayern, das seit 2008 das Rindfleisch der beiden Erzeugergemeinschaften Miesbach und Traunstein verarbeitet und vermarktet. Alpenrind soll als Bindeglied zu den Großabnehmern das „genfreie Rindfleisch“ überregional auf dem Markt platzieren. Geschäftsstellenleiter Christoph Rauh zeigte sich überzeugt davon, dass es eine entsprechende Nachfrage nach dem neuen Angebot geben werde. „Wir werden diesen Weg zusammen gehen“, versicherte er.

Und auch Hans Bogner, Leiter einer Zertifizierungsstelle in Vierkirchen, machte den im Stieler-Haus versammelten Landwirten Mut: „Ihr habt zur richtigen Zeit das Richtige gemacht.“

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